Steigender Alkoholkonsum Immer öfter ein Bier zu viel

Der Alkoholmissbrauch bei Erwachsenen ab 21 Jahren nimmt zu - auch das Klinikum Freising bestätigt den Trend.

Von Janina Schreiber

Die neuesten Zahlen der AOK sind alarmierend: Alkoholmissbrauch ist in Bayern der zweithäufigste Grund für Krankenhausaufenthalte. Die aktuellen Statistiken des Freisinger Krankenhauses zeigen, dass vor allem der Alkoholmissbrauch bei Erwachsenen ab 21 Jahren tendenziell steigt, die Zahl Ausfallerscheinungen bei Jugendlichen ist in etwa gleichbleibend, sinkt sogar leicht.

2010 kamen demnach 152 Erwachsene ab 21 Jahren wegen alkoholbedingter Ausfälle ins Krankenhaus. 2011 waren zehn Fälle mehr zu verzeichnen. Bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren ist die Zahl von 36 im Jahr 2010 auf 24 Fälle im Jahr 2011 gesunken. Stephan Hofer, Leitender Oberarzt im Klinikum in Freising, kann sich die steigenden Fallzahlen bei Erwachsenen nur mit den Folgeerscheinungen einer Alkoholabhängigkeit erklären: "Unser Eindruck ist, dass die Gruppe unter 21 Jahren gleichbleibend ist. Bei den Erwachsenen sind es nicht selten osteuropäische Gastarbeiter, die mit einem epileptischen Anfall in Folge von Entzugserscheinungen eingeliefert werden." Der Geschäftsführer von Prop e.V., Andreas Czerny, sieht das Problem im Umgang der Gesellschaft mit dem Suchtmittel an sich: "Im Vergleich zur Zigarette, bei der wir in den vergangenen Jahren drastische Einbrüche bei den Zahlen der Raucher verzeichnen konnten, ist der Alkoholkonsum zwar tendenziell minimal gesunken, jedoch gleichbleibend ein Problem." Ein Thema sei auch Alkoholismus im Alter. "Aus Scham vor der Reaktion der Gesellschaft bleibt das oft im Dunkeln", sagte er. Deshalb versteife man sich fälschlicherweise auf die Jugendlichen, die bei Partyexzessen auffällig würden. Dennoch wünscht sich Czerny vor allem mehr Prävention in den Schulen. "Die meisten Lehrkräfte sind immer noch damit überfordert, wenn es um den Umgang mit Schülern und Alkohol geht." Die Aufklärungsarbeit in diesem Bereich sei in Freising fast komplett zum Erliegen gekommen. Schuld daran, so Czerny, sei der Staat, der für diese Art der Lehrerfortbildung nicht genügend Geld zur Verfügung stellen würde.

Christine Schönemann vom Amt für Jugend und Familie findet ebenfalls, dass Alkohol ein zu hohes Ansehen genießt: "Gerade in Bayern ist ein Weißbier am Vormittag keine Seltenheit." Dennoch ist sie davon überzeugt, dass viele Eltern ihre Vorbildfunktion ernst nehmen und will die Debatte über das Thema Komasaufen bei Jugendlichen nicht dramatisieren. "Es hat keinen Sinn, Alkohol strikt zu verbieten. Wichtig ist, dass man mit seinen Kindern in Kontakt bleibt." Bei ihrer Arbeit habe sie, was die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes in Supermärkten, Wirtshäusern und Kneipen im Landkreis betrifft, eine positive Entwicklung feststellen können. "Wir arbeiten auch eng mit der Polizei, dem Krankenhaus und Vereinigungen wie Prop zusammen. Sollte ein Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren auffällig werden, wird da sofort reagiert." Auch sie hat festgestellt, dass vor allem in der Gruppe der 21- bis 25-Jährigen ein steigender Alkoholkonsum bemerkbar ist, "so als ob eine Verschiebung in die höhere Altersklassen stattgefunden hätte."

Auch Anton Hemmer, Leiter der Polizeiinspektion in Freising, kann bestätigen, dass die Zahl der rebellierenden Jugendlichen unter Alkoholeinfluss gesunken ist, wenn gleich es nach wie vor existent sei. "Das Problem bei Jugendlichen ist, dass sie schon Zuhause vor der Feier Alkohol trinken." Durch das "Vorglühen" mit billigen Getränken im privaten Bereich habe die Polizei keine Einflussmöglichkeit. Konkrete Zahlen zu der Altersstruktur bei Einsätzen wegen Alkoholmissbrauchs kann er aber nicht nennen.