Starkbierfest Der Wandelbare

Kabarettist Wolfgang Krebs brilliert beim Weihenstephaner Starkbierfest und nimmt auch die Freisinger Kommunalpolitik aufs Korn. Die verspätete Eröffnung des "Fresch" erinnert ihn stark an den Berliner Flughafen

Von Peter Becker, Freising

Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher holt zum Schlag aus und zapft das erste Fass Starkbier an.

(Foto: Andreas Gebert)

Der Gestaltwandler ist ein mystisches Wesen. Man sagt ihm nach, er könne ganz nach Belieben blitzschnell ein anderes Aussehen annehmen. Kabarettist Wolfgang Krebs kommt so einem Gestaltwandler ziemlich nahe. Er zieht am Donnerstagabend beim Weihenstephaner Starkbierfest als bayerischer Ministerpräsident Markus Söder in den, zumindest unter Bierliebhabern, ebenfalls als mystischer Ort geschätzten Stephanskeller ein.

Nacheinander schlüpft er in die Rollen von Hubert Aiwanger, Horst Seehofer und Angela Merkel. Dann gibt Krebs seine Paraderolle, den verwirrt vor sich hinstammelnden Amtsvorgänger Söders, Edmund Stoiber. Eine Pointe jagt die andere und bald hallt das Gewölbe vom schallenden Gelächter der Zuhörer wider. Die wiederum sind zu diesem Zeitpunkt schon bester Laune, beseelt durch den Genuss von Gebräuen, welche die Namen der Heiligen Korbinian und Vitus führen.

Wie bei seinen früheren Besuchen im Stephanskeller beleuchtet Krebs auch die kommunale Politik. Als Söder begrüßt er jovial den Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. "Du bist ja selbst beinah ein CSU'ler", sagt Krebs, eingedenk der Tatsache, dass Eschenbacher im Stadtrat einst den Christsozialen angehörte, bevor er mit Parteikollegen die Gruppierung Freisinger Mitte gründete.

Dann erspäht Krebs in der Menge Landrat Josef Hauner (CSU). "Einen schönen Gruß an die Fischzucht und das Malachitgrün", begrüßt ihn der Kabarettist. "Freut mich, dass't hier bist!" Krebs zeigt, dass er tagesaktuell auf dem Laufenden ist. Denn an diesem Donnerstag war bekannt geworden, dass auch Fische aus der Isar mit dem Parasitenbekämpfungsmittel belastet sind.

"Meine Freunde nennen mich 'Gschoftl-Hubert'", stellt sich Krebs als Aiwanger vor. Der Ausdruck rangiere bei niederbayerischen Landwirten irgendwo zwischen Beleidigung und Anerkennung. Zu Kreishandwerksmeister Martin Reiter gewandt sagt er mit Blick auf "die vielen Studierten" im Saal, dass es für manche besser wäre, wenn sie keinen "Bakkelor" machen würden. Dann müssten sie auf RTL bald Rosen verteilen. Deshalb rate er in letzter Zeit vielen: "Macht's keinen Master, sondern macht's an Moaster!" Denn Handwerker seien rar. Als junger Kerl habe er selbst fernab seiner niederbayerischen Heimat in Weihenstephan mit einem Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung studiert, lässt Krebs Aiwanger sagen. "Damals hab ich das Geld der CSU genutzt, um mich mit Nahrungserzeugung zu beschäftigen. Und heut benutz ich die Wähler der CSU, um mich mit Phrasenerzeugung zu beschäftigen."

"In Freising dauert alles ein bisschen länger", stellt Krebs in seiner Rolle als Seehofer fest. Es fehle immer noch die Westtangente. Drum sei das neue Logistikzentrum immer noch nicht an die Brauerei selbst angebunden. Die sei so bekannt, dass im September eigens "zwei Milliardäre aus Amerika mit dem Hubschrauber da waren". Die Weihenstephaner Feuerwehr habe eigens einen Landeplatz abstecken müssen. Jetzt überlege man, die dritte Startbahn auf den Weihenstephaner Berg zu verlegen. Weil die Herren mit dem Hubschrauber gekommen seien, würde diese deshalb kürzer ausfallen.

Als Stoiber treibt Krebs seine Wortspiele mit dem Freisinger Schwimmbad "Fresch". Da ließen sich prima Zungenbrecher konstruieren, wie: "Freisinger FKK Frösche finden Freisings Fresch frei fesch!" oder "Fischers Fritz fischt fesche Freisinger Forellen vom frischen Freisinger Fresch Freibad!" Krebs mokiert sich über den immer wieder verschobenen Eröffnungstermin. Der habe ihn schon an den Berliner Flughafen erinnert. Aber er wolle nicht lästern, schließlich solle es in Zukunft in der Saunalandschaft einen Aufguss mit Weihenstephaner Bier geben.