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Veränderungen in Freising:Moosachöffnung, Kombibad, Westtangente: OB Eschenbacher erklärt die Projekte der Stadt

Pressegespräch

"Das wird wirklich eine große Geschichte." Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher lobt das Kombibad, das im Sommer 2018 eröffnet.

(Foto: lukasbarth.com)

Der Oberbürgermeister spricht beim Stadtspaziergang mit der SZ darüber, was gut läuft und was nicht.

Von Kerstin Vogel, Freising

"Schnell geht in der Kommunalpolitik gar nichts", hatte Freisings Oberbürgermeister Anfang 2015 festgestellt, als er mit der Freisinger SZ zu einem ersten "Stadtspaziergang" aufgebrochen war, um die großen Bauprojekte je nach ihrem Fortschritt mit einem Plus oder einem Minus zu versehen. In dieser Woche hat die alljährliche kleine Tour nun schon zum vierten Mal stattgefunden, und es bleibt festzuhalten: Nein, es geht tatsächlich nicht schnell, aber es geht.

Kombibad

Das neue Kombibad am Lerchenfelder Rabenweg liegt voll im Zeitplan und wird in diesem Sommer fertig.

(Foto: Marco Einfeldt)

Plus Erste Station des Spaziergangs ist-traditionell der Bau des neuen Kombibades am Rabenweg in Lerchenfeld - virtuell, denn seit dort wirklich gebaut wird, kann man den Baufortschritt über zwei Webcams verfolgen. Zwar kann noch kein Haken hinter dieses Projekt gemacht werden, mit einem dicken "Plus" möchte Eschenbacher es aber auf jeden Fall versehen. Auch wenn es sich natürlich um eine "Baustelle mit all ihren Widrigkeiten und kleineren Verzögerungen handelt", sei man im Zeitplan. "Der Baukörper steht und das wird wirklich eine große Geschichte", freut sich der Oberbürgermeister. Wie groß, das werden die Freisinger schon in diesem Jahr feststellen können: Die Stadtwerke rechnen mit einer Eröffnung des neuen Hallen- und Freibades bereits im Sommer 2018. Der erste Spatenstich für den knapp 32 Millionen Euro teuren Neubau war Ende April 2016 gesetzt worden.

Bahnposten 15

Minus Es gibt wohl kaum ein Projekt in Freising, das so unumstritten notwendig ist und sich gleichzeitig so schwer umsetzen lässt: Der barrierefreie Umbau der Unterführung am ehemaligen Bahnposten 15 - aktuell ein unschönes Nadelöhr für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad von Lerchenfeld in die Innenstadt wollen - wird weiter auf sich warten lassen. Hatte der Oberbürgermeister 2015 noch gehofft, den Tunnel unter der B 11 bis 2016 umgestalten zu können, beugt er sich inzwischen der Realität: "Das bringe ich in dieser Amtszeit nicht mehr fertig."

Zu kompliziert sind die Eigentumsverhältnisse, zu gravierend die erforderlichen Eingriffe in Privatgrund - und dann ist da ja auch noch der geplante Neubau des Vermessungsamtes auf der Lerchenfelder Seite, den man idealerweise mit den Arbeiten an der Unterführung kombinieren sollte. Eschenbacher jedenfalls mag keinen Zeitplan mehr aufstellen. Stattdessen stellt der Stadtrat Geld im Haushalt zur Verfügung, um die beiden anderen Verbindungen nach Lerchenfeld, die kleinen Röhren unter der Bahnlinie an der Sonnenstraße und am Fürstendamm, provisorisch zu verbessern.

Untere Altstadt

Plus Hinter den Ausbau der Heiliggeistgasse könnte die Stadt eigentlich schon seit Sommer 2016 einen Haken setzen - allerdings fehlen hier immer noch die Fahrradständer. Dafür ist man 2017 mit den Ausbauarbeiten im zweiten Bauabschnitt gut vorangekommen, auch am östlichen Ende der Unteren Hauptstraße und den Übergängen in die Weizengasse und die General-von-Nagel-Straße liegt nun schon das neue Pflaster - und mit der verkehrsrechtlichen Anordnung einer Spielstraße wird hier auch das künftige Verkehrskonzept bereits getestet. Schrittgeschwindigkeit soll hier gefahren werden, Parkplätze gibt es nicht - und das ist laut Eschenbacher noch etwas "schwierig". Der Stadtrat hat eigens das Team der Verkehrsüberwacher aufgestockt, um dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. Aus städtebaulicher Sicht kommt der Umbau dem Oberbürgermeister zufolge recht gut an. "Es ist schon fantastisch, was das für eine räumliche Wirkung entfaltet." Bis Spätsommer 2018 soll der zweite Bauabschnitt fertig sein.

Angerbaderareal

Minus "Das haben wir einfach noch nicht geschafft", räumt Eschenbacher mit Blick auf die Pläne für das Angerbaderareal unterhalb der Hochtrasse ein. Eigentlich will die Stadt Freising hier schon seit Jahren einen Bebauungsplan aufstellen, weil in diesem Bereich letzte Flächen für fehlende Einzelhandelsangebote oder beispielsweise auch ein kleines Programmkino frei wären. Außerdem soll hier städtebaulich noch ein weiterer Eingang in die Innenstadt geschaffen werden: "Die Überlegungen laufen, aber es passiert überall so viel, dass man da noch nicht weitergekommen ist", bedauert der Oberbürgermeister.

Asamgebäude

Auch die Sanierung des Asamgebäudes läuft gut. In der vergangenen Woche wurde ein Kran im Innenhof aufgebaut.

(Foto: Marco Einfeldt)

Plus Die Sanierung des Asamgebäudes und dessen Umbau in ein modernes Kultur- und Bürgerhaus versieht der Oberbürgermeister mit einem "schönen Zwischen-Plus". Das Projekt "wird toll, das findet jeder toll und wir sind im Zeit- und im Kostenplan", freut sich Eschenbacher. Mit einer Fertigstellung der insgesamt 46,4 Millionen Euro teuren Baumaßnahme rechnet er Ende 2020/Anfang 2021, doch das ist nicht fix vorgegeben, wie er betont. Die einzelnen Bauabschnitte seien auch abhängig von den jeweiligen Zuschüssen: "Lieber verschieben wir das ein bisschen und dafür fließt das Geld."

Moosachöffnung

Minus Weiter gearbeitet wird 2018 auch an der geplanten Moosachöffnung, dem eigentlichen Herzstück der neuen Freisinger Innenstadtkonzeption - konkret etwas sehen wird man davon jedoch auch heuer noch nicht. Der ursprüngliche Zeitplan für dieses Projekt hatte unter anderem deshalb korrigiert werden müssen, weil für ein derart komplexes Vorhaben doch ein Planfeststellungsverfahren erforderlich ist. 2018 werden außerdem die Arbeiten an den Rohren, Kabeln und Leitungen im Boden unter der Oberen Hauptstraße fortgesetzt und dem neuen Zeitplan zufolge könnte die eigentliche Öffnung der Stadtmoosach dann 2019/20 in Angriff genommen werden.

Er bekomme insgesamt viel positives Feedback für dieses Vorhaben, sagt der Oberbürgermeister - aber natürlich gebe es bei so einem Projekt immer auch Wermutstropfen. Der aktuell recht hohe Leerstand an der Oberen Hauptstraße sei sicher dazu zu rechnen, auch wenn man Eschenbacher zufolge gar nicht pauschal sagen kann, warum aktuell so viele Läden leer stehen: "Manche hatten ohnehin aus verschiedenen Gründen aufhören wollen - und manche nutzen sicher auch die Gelegenheit, jetzt ihre Häuser gleich mit zu sanieren, wenn ohnehin alles Baustelle ist." Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass eine Umbauphase immer schwierig sei, im Nachhinein aber sehr viele private Investitionen nach sich ziehe.

Parkhaus im Westen

Minus Der Bau eines neuen Parkhauses im Westen der Altstadt ist eigentlich ein wichtiger Punkt aus der neuen Innenstadtkonzeption, doch die Umsetzung ist schwierig, weil der Stadt der geeignete Grund fehlt. "Wir haben das noch nicht abgeschrieben", kommentiert der Oberbürgermeister das Projekt, für das in der Vergangenheit unter anderem das "Kriechbaumgrundstück" neben der Moschee an der Wippenhauser Straße im Gespräch war. "Zu diesem Thema können wir erst etwas sagen, wenn das alles hinter verschlossenen Türen ausverhandelt ist", so Eschenbacher: "Ich bin aber zuversichtlich."

Bushaltestelle Johannisstraße

Plus Ebenfalls aus der Innenstadtkonzeption stammt die Idee, an der Johannisstraße einen eigenen Halt für Touristenbusse einzurichten. Im vergangenen Jahr ist dazu eine Planung vorgelegt worden, die von den Stadträten im Planungsausschuss zwar teilweise als etwas überdimensioniert empfunden worden war, die aber 2018 trotzdem weiter verfolgt werden soll. "Das geht voran", so Eschenbacher: "Die Haltestelle wird kommen." Die neueste Idee dabei ist, hier auch einzelne Linien des Stadtbusses halten zu lassen, etwa auf dem Weg vom Bahnhof zur Uni, um diese damit aus der Innenstadt herauszubringen, wie Eschenbacher sagt.

Westtangente

Mehr als 450 Meter ist der Tunnel der Westtangente bereits lang: Tobias Schramm (rechts) erklärt OB Tobias Eschenbacher den Baufortschritt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Plus Der Bau der Westtangente, für den Oberbürgermeister "ein Jahrhundertprojekt", kommt gut voran. Der Tunnel reicht bereits mehr als 450 Meter in die Erde, der Durchstich zum Schachtbauwerk an der Giggenhauser Straße ist gerade erfolgt. Natürlich sei die Kostensteigerung sehr ärgerlich, räumt Eschenbacher ein. Je nach Lesart ist man hier bereits bei 98,4 oder 95,76 Millionen Euro. Mit Blick auf den zeitlichen Ablauf des Bauprojekts hält sich das für den Oberbürgermeister aber in erwartbaren Grenzen. 2017 sei für die Anwohner an der Giggenhauser Straße und vor allem für diejenigen direkt neben der Baustelle ein "hartes Jahr" gewesen, bedauert Eschenbacher. Auch im ersten Halbjahr 2018 seien noch enorme Belastungen zu erwarten. "Unsere Leute versuchen aber alles, um das erträglich zu halten und auch wir sind froh, wenn die Arbeiten an der Giggenhauser Straße im Sommer abgeschlossen sein werden, damit die Vöttinger wieder atmen können."

© SZ vom 20.01.2018/zim
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