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Stadträtin wechselt die Partei:Die rote Eva wird grün

Der Ärger im Stadtrat geht in die nächste Runde. SPD-Stadträtin Eva Bönig erklärt ihren Austritt aus der Partei und wechselt zu den Grünen. Mitgeteilt hat sie diesen Schritt per E-Mail.

Die Risse waren nicht mehr zu kitten. Am Freitag hat Eva Bönig, die seit 1990 dem Stadtrat angehört, ihren Austritt aus der SPD erklärt. Gleichzeitig hat sie in einer E-Mail an ihre Stadtratkollegen und OB Dieter Thalhammer mitgeteilt, zur Fraktion der Grünen zu wechseln.

Stadträtin Eva Bönig

Stadträtin Eva Bönig wechselt von der SPD zu den Grünen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Dieser Schritt sei ihr sehr schwer gefallen, schreibt Bönig, "vor allem vor dem Hintergrund, dass ich Menschen in der SPD, mit denen ich politisch und persönlich sehr gut zusammengearbeitet habe und die mich auch in schweren Zeiten unterstützt haben, damit verletze". Als Grund für ihren Parteiaustritt gibt Bönig an, im Wahlkampf bis auf einige Ausnahmen seitens der SPD nicht unterstützt worden zu sein. Zudem vertrete die SPD "in der Schnittmenge nicht mehr meine Position". Was auf Landesebene ablaufe, "spottet jeder Beschreibung".

Warum Bönig, die noch am Donnerstag gebeten hatte, ihr Zeit zu lassen, über ihre politische Zukunft nachzudenken, so rasch eine Entscheidung gefällt hat, dürfte in einem Schreiben der Fraktion zu finden sein. Die hatte ihr nach einer Fraktionssitzung am Donnerstagabend, an der Bönig nicht teilnahm, schriftlich eine Frist bis Montag, 30. April, 12 Uhr, gesetzt.

Bis dahin sollte sie erklären, ob sie weiter in der Fraktion mitarbeiten wolle. Schließlich sei immer gesagt worden, nach dem Ausscheiden von Dieter Thalhammer als Oberbürgermeister müsse sich die Fraktion neu aufstellen und sich hinsichtlich der Kommunalwahl in zwei Jahren neu orientieren. Eva Bönig ließ sich nicht solange Zeit. Am Freitag um 8.45 Uhr verschickte sie ihre E-Mail.

"Man muss mehr miteinander reden und nicht nur Mails schreiben"

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Heidi Kammler und ihre Stellvertreterin Birgit Großkopf bedauerten am Freitagabend bei einer Pressekonferenz den Parteiaustritt. Sie könnten Bönigs Enttäuschung über die verlorene OB-Wahl verstehen, die Suche nach Schuldigen bringe jedoch keine Lösung. Gewünscht hätten sie sich, sagten die beiden Stadträtinnen, dass ihre Kollegin vor einem Austritt das Gespräch mit der Fraktion gesucht hätte. Kammler: "Man muss mehr miteinander reden und nicht nur Mails schreiben."

Gleiches fände sie auch im Ortsvorstand gut, bei dem wie berichtet fünf von acht Vorstandsmitgliedern ihren Rücktritt erklärt hatten. Auch hier werde seit langem nur noch gestritten und es würden E-Mails ausgetauscht. Kritik übte Großkopf auch am Kreisvorsitzenden Peter Warlimont, der die Ortsvorsitzende Monika Zauner schwer angegriffen hatte. Er hätte sich etwas gemäßigter ausdrücken und nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen sollen, sagte sie. Die Wahl sei nicht verloren worden, weil Zauner nicht am Infostand gewesen sei. Andererseits hätte innerhalb der Partei "schon eher die Reißleine gezogen" werden müssen, so Kammler.

Nachdem Monika Zauner in das Vorzimmer des Oberbürgermeisters berufen worden sei, und - wie Dieter Thalhammer am Freitag schriftlich erklärte - auf seinen Wunsch hin sowohl ihre Geschäfte als SPD-Ortsvorsitzende als auch als Personalratsvorsitzende der Stadt habe ruhen lassen, hätte sie die Konsequenzen ziehen müssen.

Richtig sei auch, dass Zauner und auch sie selbst, so Kammler und Großkopf, lediglich bei der Grobfassung des Wahlprogramms mitgewirkt hätten. Aber Bönigs Wahlteam habe ihrem Eindruck nach das nicht anders gewünscht. Bönig bescheinigten sie, einen guten Wahlkampf geführt zu haben, sie sei bei den Podiumsdiskussionen schlagfertig und witzig gewesen. Nun müsse die Freisinger SPD einen Schnitt machen, alle Beteiligten müssten miteinander reden. "Ich möchte wieder Sacharbeit leisten und mich nicht mit Streitereien in der Partei beschäftigen", sagte Großkopf.