Stadtgeschichte Wie ein italienischer Palazzo

In neugotischem Stil präsentiert sich das Moosburger Rathaus, das seit 150 Jahren besteht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Moosburger Rathaus besteht seit 150 Jahren in seinem neugotischen Baustil. Seine Vorgänger aus dem Mittelalter und dem Spätbarock sind beide durch Brände eingeäschert worden

Von Till Kronsfoth, Moosburg

Die Lüftungsanlage des Stadtarchives brummt leise vor sich hin. Die Seiten des alten Buches knistern beim Umblättern. Das Rechnungsbuch der Stadt Moosburg aus dem Jahr 1867 ist erstaunlich gut erhalten. Auf mehreren Seiten ist mit krakeliger Handschrift eine Reihe von Beträgen verzeichnet, die der Wiederaufbau des Moosburger Rathauses nach dem Brand von 1865 gekostet hat.

Dass diese Unterlagen heute einsehbar sind, ist auch das Verdienst von Wilhelm Ellböck. Er arbeitet seit zwei Jahren als Stadtarchivar in Moosburg und hat die Aktenbestände zum Stadtbrand aufgearbeitet. Er weist mit dem Finger auf eine Notiz vom Juni 1867. Dort ist der Betrag für das Mobiliar des neuen Rathauses aufgeführt, es kostete 8460,21 Gulden. Als Ellböck die Stelle als Archivar antrat, lagerten die Unterlagen in Kisten auf einem Dachboden. Jetzt sind sie in feuerfesten Regalen und Tresoren untergebracht. Der Archivar legt das Buch zurück und betätigt eine Kurbel. Das Metallregal mit dem Archivgut gleitet zurück in seine ursprüngliche Position.

Das Rathaus von Moosburg feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag, nachdem es ein verheerender Brand 1865 vernichtete. Nach Beginn des Brandes dauerte es mehr als eine Stunde, bis Feuerwehrleute mit der Eisenbahn aus Landshut und Freising zur Stelle waren, da Moosburg keine eigene Feuerwehr hatte. Doch was kaum jemand weiß: Der "große" Brand von 1865 war der zweite in der Geschichte Moosburgs, und zudem der kleinere. Bei beiden Bränden wurde das Rathaus zerstört. "Wir sprechen heute also von Rathaus Nummer drei", sagt Ellböck.

Der Reihe nach: Vermutlich im Jahr 1331 erhielt Moosburg Stadtrechte. 1412 wurde das Rathaus erstmals urkundlich erwähnt, "das mittelalterliche Rathaus", wie der Archivar betont, was zur Unterscheidung von den beiden späteren wichtig ist. Dem ersten Brand von 1702, der im Rathaus seinen Ursprung nahm, fielen mehr als 80 Gebäude zum Opfer. Die komplette Innenstadt wurde zerstört. "Was wechselseitige französische und schwedische Besatzungen im Dreißigjährigen Krieg nicht geschafft hatten, das erledigte ein halbes Jahrhundert später die unsachgemäße Entsorgung von Ascheresten", sagt Wilhelm Ellböck bitter. Es sollte 16 Jahre dauern, bis das Rathaus im barocken Stil neu errichtet wurde. "Im Spätbarock, um genau zu sein", erklärt Ellböck, "denn wenige Jahre später war diese Epoche vorüber und die Architektur des neuen Rathauses bereits wieder altmodisch."

1865 brach der zweite große Brand in der Geschichte Moosburgs aus. Wieder fielen ihm das Rathaus sowie 57 weitere Gebäude zum Opfer. Die Ursache ist bis heute ungeklärt. Die beiden Stadtbrände sind der Grund dafür, dass keine schriftlichen Aufzeichnungen aus der Zeit vor 1865 erhalten sind. Denn beide Male verbrannte das Stadtarchiv, welches im Rathaus untergebracht war. "Deshalb müssen wir heute auf Aufzeichnungen zurückgreifen, die in Archiven in München, Landshut und Freising lagen", sagt Wilhelm Ellböck. Nach dem Brand dauerte es ein Jahr, bis mit dem Wiederaufbau des Rathauses begonnen wurde, diesmal im neugotischen Stil, einem italienischen Palazzo nachempfunden. Fertigstellung war 1867, wodurch das 150-jährige Jubiläum ins Jahr 2017 fällt. Als Konsequenz aus dem Stadtbrand wurde die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen.

Im 20. Jahrhundert wurde das Rathaus vielseitig genutzt. Da die Stadtverwaltung weniger Platz benötigte, als die Räume boten, waren hier nacheinander das Heimatmuseum, die Stadtbücherei und nach dem Zweiten Weltkrieg die Vertreter der amerikanischen Militärregierung zu finden. Und, wie Wilhelm Ellböck ergänzt: "Sogar die Schule war hier bis 1935 untergebracht. Somit hatte Moosburg eine Zeit lang das schönste Schulgebäude Bayerns."