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St. Georg live:Christmette mit Probedurchlauf

Der Bayerische Rundfunk sendet am Heiligen Abend aus der Stadtpfarrkirche - um 22 Uhr muss alles sitzen

- Wenn Pfarrer Michael Schlosser von der Freisinger Stadtpfarrkirche Sankt Georg an diesem Heiligen Abend bei der Christmette seine Predigt hält, dann ist das etwas Besonderes für ihn. Denn ihm werden nicht nur diejenigen zuhören, die er vor sich auf den Kirchenbänken sitzen sieht. Schlosser hat dann auch eine für ihn nicht sichtbare Zuhörerschaft, die er nicht kennt, und die er auch nicht genau beziffern kann. Die sitzt vor dem Radio und ist so ebenfalls live bei der Christmette von Sankt Georg dabei.

Die Christmette (Beginn 22 Uhr) wird im Radio auf Bayern 1 zu hören sein. Organisiert wird diese "Verkündigungs-Sendung", wie das im Fachjargon heißt, von Pastoralreferent Dietmar Rebmann, dem Beauftragten der Erzdiözese München und Freising für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Schon im September hatte man in der Pfarrei Sankt Georg von der Live-Übertragung erfahren, erzählt Diakon Walter Schwind. "Es wird aber eine ganz normale Christmette, also nichts Außergewöhnliches". Von Sankt Georg wusste man, dass der Pfarrer eine gute Predigt halten kann und man dort auch kirchenmusikalisch auf einem hohen Niveau ist, begründet Pastoralreferent Rebmann die Auswahl. Der Aufwand für die Rundfunk-Liveübertragung einer solchen Gottesdienstfeier ist nach Aussagen von Wolfgang Küpper, dem Leiter der Redaktion "Religion und Kirche" beim Bayerischen Rundfunk, noch "relativ überschaubar". Anders sei das bei einer Fernsehübertragung. Nach einer ersten Besichtigung der Freisinger Sankt Georgskirche vor ein paar Wochen werde am Sonntag das BR-Team mit einem Techniker und einem Tonmeister samt Übertragungswagen eintreffen. "Das Team muss dann mit den Verhältnissen zurechtkommen, die es dort vorfindet", so Küpper. Am Sonntagnachmittag finde dann auch schon ein kompletter Probedurchlauf der Christmette von Sankt Georg statt. Schon um 15 Uhr müssen Chor, Streicher und ein Blechbläserensemble, die seit Wochen unter der Leitung von Kirchenmusiker Michael Poruba für diese Live-Sendung proben, eintreffen. Zu hören sind Motetten und Weihnachtslieder von Praetorius und Schnabel und natürlich "Stille Nacht". Aufgeregt sei erstaunlicherweise niemand. "Wir haben alles oft geprobt, das sitzt jetzt", versichert Poruba. Auch Pfarrer Schlosser muss bis dahin mit seiner Predigt fertig sein und vor allem im Zeitplan bleiben, "obwohl ich ja eigentlich gerne frei spreche". Schlosser hatte sich zuvor sogar mit seinem Pfarrgemeinderat zusammengesetzt, um sich inspirierende Impulse für seine Predigt geben zu lassen und am gestrigen Dienstag mit den Feinarbeiten begonnen.Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. "Das ist eine ganz andere Situation, mit einem ganz anderen Themenkreis". Ihm würden ja diesmal nicht nur die Familien in der Kirche zuhören, sondern vor dem Radio auch kranke und einsame Menschen, Alleinstehende oder solche, die am Heiligen Abend irgendwo Dienst tun müssten. "Da muss man weiterdenken, es ist gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu bringen", erzählt Pfarrer Schlosser. Außerdem müsse zeitlich alles passen. "Zu kurz darf es nicht sein, aber überziehen dürfen wir auch nicht, wir sind ja nicht der Gottschalk".