Auf ein Bier nach 22 UhrAufbruchstimmung in der Gastronomie

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Ein bisschen Normalität ist zurück: Die Gastronomie darf wie hier das Bierstüberl an der Ziegelgasse wieder länger öffnen. Seit November mussten Restaurants und Lokale wegen der Corona-Auflagen bereits um 22 Uhr schließen, den Wirten machte das sehr zu schaffen.
Ein bisschen Normalität ist zurück: Die Gastronomie darf wie hier das Bierstüberl an der Ziegelgasse wieder länger öffnen. Seit November mussten Restaurants und Lokale wegen der Corona-Auflagen bereits um 22 Uhr schließen, den Wirten machte das sehr zu schaffen. (Foto: Marco Einfeldt)

Die Freisinger Wirte begrüßen die Aufhebung der Corona-Sperrstunde um 22 Uhr und hoffen, dass mit den wärmeren Abenden im Frühling auch die Gäste zurückkommen werden.

Von Klara Mayer, Freising

Seit wenigen Tagen ist es offiziell: Die seit November geltende Sperrstunde in Bayern um 22 Uhr entfällt für die Gastronomie. Restaurants und Cafés dürfen ihre Gäste wieder länger bewirten. Die Freude bei den Freisinger Gastwirten ist groß, weil die Aufhebung für sie viele Vorteile bringt. Gleichzeitig ist die Angst da, dass sich die Freisinger Bürger und Bürgerinnen aus der Gewohnheit heraus weiterhin verhalten zeigen.

Kaum einer hat viel bestellt, weil um 22 Uhr schon wieder Schluss war

"Es fiel uns sehr schwer, all die Leute um 22 Uhr raus zu bitten", sagt Johannes Wunner, Inhaber der Q-Bar. Normalerweise kommen die meisten erst gegen 21 Uhr, da habe es sich für die Gäste kaum gelohnt, viel zu bestellen, weil sie ja eine Stunde später schon wieder gehen mussten. Das Verhängen der Sperrstunde im November vergangenen Jahres sei ein großer Rückschlag gewesen. Die Q-Bar habe schon, bevor es offiziell vorgeschrieben war, die 2-G-Regel eingeführt. "Wir wurden sogar von manchen Menschen dafür angefeindet", sagt Wunner. Von anderen dagegen sei das Feedback gekommen, man könne sich in der Q-Bar sicher fühlen.

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Hinzu gekommen sei die Baustelle im zweiten Lockdown, die bis einen Meter vor den Eingang des Cafés reichte. "Durch die blaue Plane vor unserem Eingang hat man auf der gegenüberliegenden Seite noch nicht einmal gesehen, dass es uns gibt, geschweige denn unseren To-go-Stand zu der Zeit", erinnert sich Wunner. Trotz der schwierigen Zeit habe die Q-Bar keine Mitarbeiter verloren. "Wir haben ein Riesen-Glück. Unser Team ist so familiär, da will keiner gehen." Kollegen aus dem Gastronomie-Bereich hätten es da schwerer, "viele Servicekräfte aus der Gastro sind weiter an die Supermarkt-Kasse gegangen", so Wunner.

Der November war für die Gastronomen eine "Vollbremsung"

Hans Meisinger, Inhaber der Hansi-Bar, erzählt, dass der Betrieb von Tag zu Tag besser laufe. Die Hansi-Bar habe gemischtes Publikum, von Jung bis Alt. Dem Inhaber fällt aber auf, dass viele Menschen offenkundig noch Angst vor einer Infektion haben, vor allem seine etwas älteren Gäste. Außerdem bemerke er, dass in den Köpfen noch der "22-Uhr-Rhythmus" stecke. Auch Hans Meisinger blickt aber nach vorne. "Ich bin optimistisch, dass das wieder wird."

"Der ein oder andere Mitarbeiter für die Sommersaison wäre wünschenswert", sagt die Geschäftsführerin der Weinstube im "Alten Gefängnis". Sie hofft darauf, dass sich spätestens in sechs Wochen, wenn das Wetter besser wird, der Gastgarten füllt. Der November sei für das Geschäft eine "Vollbremsung" gewesen, so die Inhaberin. "Die Sperrstunde war uns ein Dorn im Auge", die Leute hätten von 21.30 Uhr an nichts mehr bestellt.

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"Vielleicht können wir alle unser Leid etwas vergessen mit der Freude"

Der Januar sei in der Gastronomie einer der schlechtesten Monate, die Pandemie habe das "Alte Gefängnis" weiter runter gezogen. Die zurückliegenden Monate bezeichnet die Inhaberin als "Kindergeburtstag". Trotzdem ist sie voller Euphorie "Vielleicht können wir alle unser Leid etwas vergessen mit der Freude", wieder aufmachen zu dürfen.

Auch in der Kultur-Kneipe "Furtner" freut man sich auf die Gäste. "Es ist sogar schon für Fasching geschmückt", erzählt die Inhaberin Franziska Kreuter. Die Beendigung der Sperrstunde "entspannt unsere Arbeit sehr". Schon am Mittwoch, als die Regel außer Kraft gesetzt wurde, habe sich die Kneipe gut mit Gästen gefüllt. "Die jungen Leute saugen die Zeit auf", erzählt die Geschäftsführerin. Mit der Sperrstunde habe sich der Umsatz der Kultur- Kneipe immer auf zwei Stunden beschränkt. "Wir haben unsere Gäste schon um halb zehn weggeschickt, damit wir rechtzeitig schließen konnten", erzählt Franziska Kreuter.

Hoffnung auf Konzerte, Theater, Lesungen und Karaoke

In der Zeit vor Corona sei die Freisinger Kneipe immer solange offen geblieben, wie Gäste da waren. Im Furtner sei trotz der angespannten vergangenen Monate das Personal kein Problem. "Wir haben zu 70 Prozent motivierte Studenten angestellt, die das Geld wirklich gebrauchen können", erzählt Kreuter. Die größte Hoffnung der Inhaberin ist nun, dass von März an endlich wieder Konzerte, Theater, Lesungen und Karaoke-Veranstaltungen im Lokal stattfinden können. "Das Furtner lebt von Kultur, es soll wieder gesungen und getanzt werden."

© SZ vom 15.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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