Sorge um die Innenstadt: Flaute im Zentrum

Zahlreiche Läden in Freising stehen leer, Abhilfe soll jetzt ein professionelles Management bringen

Von Kerstin Vogel

Am Dienstag hat sich das künftige Innenstadtmanagement unter Führung von Cima-Projektleiter Christian Hörmann das erste Mal getroffen - und es scheint, als bräuchte die Freisinger Innenstadt dringender denn je die Arbeit eines Managers. Altbekannt sind die Probleme mit den großen Immobilien oder Immobilienkomplexen. Da sind zum einen die von Louis Praetner sorgsam zusammengekauften vier Geschäftshäuser an der Oberen Hauptstraße: das Stammhaus des Sanitärhändlers, die ehemalige Volksbank, das frühere Café Fraunhofer und der Furtnerbräu. Gut könnte man sich den ersehnten "Magneten" für die Innenstadt vorstellen, ein Modekaufhaus ist immer wieder im Gespräch, doch es geht nichts voran.

Oberbürgermeister Dieter Thalhammer findet, dass es am Eigentümer ist, den nächsten Schritt zu unternehmen - ebenso wie bei dem zweiten Komplex, der groß genug für den "Modemagneten" wäre: das ehemalige Bavaria-Kino von Paul Fläxl an der Unteren Hauptstraße. Fläxl hegt Pläne für einen Neubau, doch auch von diesem Projekt hat der OB länger nichts mehr gehört. Dafür wird eine immense Summe kolportiert, die hier als Stellplatzablöse für so ein Kaufhaus zu zahlen wäre: Je nach Quelle ist von 700 000 bis 1,2 Millionen Euro die Rede.

Das aber sind nur die altbekannten Probleme. Die akuten kann jeder sehen, der von Westen her durch die Innenstadt spaziert. Los geht es eigentlich schon an der Karlwirtkreuzung, wo die ehemaligen Räume der Sparkasse an der Johannisstraße 2 leer stehen. An der Oberen Hauptstraße setzt sich die Misere fort: Uhren Erber hört auf. Gegenüber im Entleutnerhaus stehen zwei Läden leer, einer wird seit wenigen Tagen umgebaut. Die Parfümerie, die hier zuletzt saß, hat den Standort angeblich aufgegeben, weil die Moosach-Öffnung droht.

Weiter in Richtung Marienplatz wirbt seit Oktober 2011 der einstige Herrenausstatter Passberger mit Räumungsverkauf, aktuell sucht mit einem großen Plakat ein Neufahrner Immobilienmakler einen Mieter für die Räume. Lange war geraunt worden, der Erdinger Unternehmer Gruber, der schon im Marcushaus ein Modegeschäft betreibt, wolle hier eine weitere Filiale eröffnen, doch diese Idee scheint inzwischen vom Tisch zu sein. Ein paar Meter weiter, Hausnummer 10, hat das Modegeschäft Mexx aufgegeben, zwei Häuser weiter steht eine Boutique leer, gegenüber räumt der Jack Wolfskin-Store seinen Laden. Gerüchteweise sollte Großbäcker Kistenpfennig bei Mexx einziehen, doch der dementiert. Die Liste lässt sich fortsetzen: mit dem Taschen- und Lederwarengeschäft Bree an der Ziegelgasse, das wegen Umzugs einen Räumungsverkauf abhält, oder jenseits vom Marienplatz mit der Boutique an der Ecke Untere Hauptstraße/Weizengasse, die wohl komplett aufgibt.

Markus Kleindienst, Vorsitzender des "Einkaufszentrum Freisinger Innenstadt" (Efi), macht die teilweise "horrenden Mietpreise" in der Innenstadt für die Leerstände mit verantwortlich. Da würden schon einmal 6300 Euro für einen 120 Quadratmeter großen Laden verlangt, weiß er. Auch Immobilienmakler Andreas Goclik hat von "punktuell stark gestiegenen Preisen in 1A-Lage" gehört. Das sorge bei einigen Einzelhändlern für Missmut. Goclik: "Wir bewegen uns für das Erdgeschoss zwischen 30 und 45 Euro pro Quadratmeter, bei kleinen Läden auch mal mehr - netto." Umso mehr ein Laden dem Ideal entspreche, umso höher sei natürlich der Preis. Als "optimal" definiert Goclik einen guten Gesamtzustand des Hauses, große Schaufenster, einen ebenerdigen, großen und modernen Eingang. Der Laden sollte zudem nicht zu schmal oder zu tief sein und eine überdurchschnittlich hohe Decke haben. Und: "Läden über zwei Etagen funktionieren in Freising in der Regel nicht - außer sie wären sehr groß."

In den Augen von Kleindienst sind die hohen Quadratmeterpreise jedoch nicht das einzige Übel. Wichtig wäre für ihn auch, wenn endlich alle Gewerbetreibenden in der Innenstadt an einem Strang ziehen würden. Doch das zu erreichen sei unglaublich mühsam. Aktuell versucht Kleindienst seine Kollegen für einen Versuch mit Öffnungszeiten am Samstag bis 16 Uhr zu begeistern, mit gemeinsamer Werbung und zunächst beschränkt auf zwei bis drei Monate. Doch die Resonanz sei nicht gerade überwältigend, so der Efi-Vorsitzende. Trotzdem ist er guter Dinge, dass in der Innenstadt demnächst etwas in Gang kommt. Das erste Treffen mit dem neuen Innenstadtmanagement und Vertretern der Stadt sei jedenfalls "sehr motivierend" verlaufen. Wie berichtet, hat die Stadt die Beraterfirma Cima, die auch schon an der neuen Innenstadtkonzeption beteiligt war, vorläufig beauftragt, das gewünschte Management zu übernehmen. Offiziell soll es am 1. Februar losgehen.