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SZ-Schulratgeber:Bewegung bildet

Teamgeist, Technik und Ausdauer, das sind die Ziele beim Sportunterricht in der Zollinger Schule.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weil der Leistungsdruck in vielen Fächern steigt, wird Sport als Unterrichtsfach abgewertet, warnen Experten An der Grund- und Mittelschule in Zolling betrachtet man das Engagement der Lehrer als entscheidenden Faktor

Von Christoph Dorner, Zolling

In der Turnhalle der Grund- und Mittelschule Zolling spielt an einem Freitagmorgen eine achte Klasse Basketball. Dabei hat die Übung ein kleines Handicap. Denn das Dribbeln, die Bewegung mit dem Basketball, ist für den ballführenden Spieler verboten. Deshalb müssen sich die Schüler den Ball zupassen, um auf dem Spielfeld vorwärts zu kommen. So können die Guten die Schwächeren nicht einfach überlaufen. Belohnt wird nicht der Alleingang, sondern Teamwork. Auch das Endresultat ist zweitrangig, Technik und Ausdauer sollen geschult werden - alles Lernziele eines modernen Schulsports, der für Lehrer Michael Mayer drei Bedingungen erfüllen muss: "Es darf sich niemand verletzen. Die Schüler sollen sich bewegen. Und sie sollen Spaß haben."

Mayer, 39, hat früher in Freising beim TSV Jahn Regionalliga-Basketball gespielt.

Nun ruft er lauthals "Stopp" in die Halle. Dann korrigiert er das Passspiel der Schüler und motiviert sie, in Bewegung zu bleiben. Am Ende der zwei Schulstunden keuchen die 13 Jugendlichen leise vor sich hin. Sport hat in der Gesellschaft einen immens hohen Stellenwert, vom Unterricht an den Schulen, hieß es dagegen lange, er werde vernachlässigt. Die Jungen spielten eben Fußball und die Mädchen gehören auf den Schwebebalken - so lautete das alte Geschlechterklischee für den Sportunterricht. Weil mittlerweile aber der Leistungsdruck in vielen Fächern immer mehr ansteigt, würde der Sport stillschweigend abgewertet, warnen Experten. Der Pflichtsportunterricht falle im Schulalltag besonders häufig aus oder finde gerade im ländlichen Raum durch die Anfahrt zu den Sportstätten oft nur verkürzt statt. Fahrten ins Hallenbad oder ins Skilager wurden vielerorts gestrichen.

Und das Schlimmste ist: Immer mehr Kindern ist dieses Szenario ohnehin ganz recht, weil sie sich zu Hause aufgrund anderer, oftmals medialer Freizeitoptionen kaum noch körperlich bewegen. Die besorgniserregenden Folgen skizzieren Kinder- und Jugendärzte: Übergewicht, Haltungsschäden, Konzentrationsschwächen.

Für den Landkreis Freising lässt sich eine derartige Diagnose nicht so ohne weiteres machen. Zwar ist - als Indiz - die Zahl der Schüler zurückgegangen, die das Sportabzeichen machen oder an den Schulsportmeisterschaften teilnehmen. Insbesondere die Gymnasien würden deutlich weniger Mannschaften für die Wettbewerbe anmelden, sagt Ernst Berg. Er ist Konrektor an der Schule in Zolling und Vorsitzender des Arbeitskreises "Sport in Schule und Verein", der seit 33 Jahren die Schulsportwettbewerbe im Landkreis organisiert, die zumindest in den Ballsportarten Fußball und Basketball sowie in der Leichtathletik noch gut angenommen werden. Ein Kreismeisterschaft im Schwimmen gab es dagegen seit Jahren nicht mehr.

Einen Trend zu weniger Bewegung will Berg daraus aber nicht ableiten. Er sagt: "Der Schulsport nach Leistung ist nicht out. Kinder wollen sich miteinander messen." Dennoch müssten die weiterführenden Schulen darauf reagieren, dass die Grundlagen bei Ausdauer und Koordination innerhalb einer Jahrgangsstufe oftmals stark auseinandergingen. Ambitionierte Vereinssportler treffen dort mitunter auf hartnäckige Bewegungsverweigerer, die immerhin das Glück haben, dass Sport in Bayern kein Vorrückungsfach ist.

Dadurch steige der Bedarf nach einem Unterricht, der die Schüler anhand ihres Leistungsvermögens fördert, statt die Schwachen auszugrenzen. Für Ernst Berg steht und fällt die Qualität des Sportunterrichts deshalb mit dem Engagement der Lehrkräfte - also mit der Arbeit von Menschen wie Michael Mayer, der auch Sportlehrer ausbildet und fachlich berät.

Mayer legt bei Ballspielen viel Wert auf das Miteinander. Außerdem will er, dass seine Schüler ein breites Angebot an Sportarten kennenlernen. Deshalb hat er mit seiner Klasse nicht nur das ungeliebte Bodenturnen absolviert, sondern auch Ultimate Frisbee gespielt. Außerdem hat Mayer in Zolling wieder eine Ski-AG eingeführt.

Ein breites Wahlsportangebot in den Schulen ist derweil auch im Interesse der Vereine. In Sportarbeitsgemeinschaften kann der Unterricht von qualifizierten Übungsleitern aus den Vereinen geleitet werden, die sich dadurch Hoffnung auf Nachwuchstalente machen dürfen. Im Landkreis Freising hatte es im vergangenen Jahr laut der Bayerischen Landesstelle für den Schulsport allerdings nur zehn solcher Kooperation gegeben, in der Region München waren es nur in Erding weniger.

© SZ vom 10.03.2015
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