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Senioren in Freising schützen:Blumengrüße statt Besuch

Einrichtungsleiter Björn Kummerow-Fuchs schützt die Bewohner des Seniorenzentrums mit strikten Maßnahmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Strikte Maßnahmen sollen die Bewohner des Seniorenzentrums schützen, auch Angehörige dürfen nicht mehr hinein

145 Bewohner zählt das Seniorenzentrum Freising an der Rotkreuzstraße derzeit, 83 Senioren leben im Heiliggeistspital. "Der Super-Gau wäre für uns, wenn unter ihnen einer an Covid-19 erkranken würde", sagt Björn Kummerow-Fuchs, Leiter des Seniorenzentrums.

Um das zu verhindern, habe man schon frühzeitig gehandelt: Physiotherapeuten und Logopäden durften schon vor den Ausgangsbeschränkungen nicht mehr in die Einrichtungen. Inzwischen gilt das Kontaktverbot auch für die Angehörigen, nur Bewohner, die im Sterben liegen, dürfen noch besucht werden. Die Eingangstüren dürfe man zwar nicht absperren, "aber wir schauen jetzt schon sehr genau, wer ins Haus will", sagt Kummerow-Fuchs. Zwischen 16 und 24 Uhr überwache am Seniorenzentrum zusätzlich ein Sicherheitsdienst, dass niemand hereinkommt.

"Wir tun das alles, um unsere Bewohner zu schützen", betont Kummerow-Fuchs. Deshalb schotte man sich ab - auch wenn das für viele der zum Teil hochbetagten Bewohner und auch für deren Angehörige "sehr einschneidend" sei. Dass Sozialkontakte wichtig sind, wisse er, "aber momentan ist das einfach zu riskant". Die Angehörigen können aber kleine Geschenke, Blumen oder Pralinen, an der Pforte abgeben. Anrufe seien natürlich noch möglich und bald sollen die Gespräche über Skype laufen, dann könne man sich zumindest sehen. "Wir können die alten Menschen nicht einsperren, aber wir empfehlen ihnen, derzeit nicht das Haus zu verlassen." Daran hielten sich alle.

Immerhin gebe es einen Innenhof, wo die Bewohner warm eingepackt in der Sonne und an der frischen Luft sitzen. Man versuche, irgendwie den normalen Alltag aufrecht zu erhalten. So gebe es nach wie vor noch verschiedene Angebote, wie Spielnachmittage, aber die bleiben auf jeden einzelnen Wohnbereich beschränkt. Das gemeinsame Singen oder die gemeinsame Gymnastikstunde für alle Bewohner aber finden nicht mehr statt. "Für uns alle ist das momentan eine sehr schwierige Situation", sagt Kummerow-Fuchs.

Auch beim Personal gebe es Schutzmaßnahmen: Mitarbeiter, die Kontakt zu einem mit dem Coronavirus Infizierten hatten, werden in eine vierzehntägige Quarantäne geschickt, außerdem messen sich die Pflegekräfte bei der Schichtübergabe gegenseitig Fieber. "Wir sensibilisieren sie immer wieder, sich an die Beschränkungen zu halten. Und hoffen, dass der Kelch an uns vorbeigeht." Falls sich aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Bewohner infizieren sollte, müsste der gesamte Bereich isoliert werden, sagt Kummerow-Fuchs. Das werde bei den zum Teil dementen Bewohnern sicher schwierig, "aber es geht nicht anders". Was ihm derzeit noch zusätzliche Sorgen bereitet, ist der Mangel an Schutzbekleidung. Atemschutzmasken, Handschuhe, Fieberthermometer: Der Markt sei leer geräumt, es gebe kaum noch etwas. Fast fünf Stunden hat Kummerow-Fuchs vor Kurzem gebraucht, um endlich einen Anbieter zu finden, der noch Atemschutzmasken liefern kann. Knapp fünf Euro bis zu 19 Euro würden diese derzeit pro Stück kosten. "Das ist aber eigentlich ein Cent-Produkt. Das ist eine unverschämte Geldmacherei in einer weltweisen Krise", empört sich Kummerow-Fuchs.

Positives hat er dann aber auch zu berichten: Eine frühere Mitarbeiterin, die schon einige Zeit in Rente ist, hat ihn angerufen und ihm ihre Hilfe angeboten. Und von einem Gartencenter bekamen die Bewohner ganz viele frische Frühlingsblumen geschenkt, "das waren zwei Lieferwagen voll", erzählt Björn Kummerow-Fuchs.

© SZ vom 27.03.2020
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