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Talent aus Neufahrn:Zehnjähriger auf dem Sprung zur Aufnahme in Landeskader der Schwimmer

Schwimmer Elias Kauerauf

In seiner Altersklasse zählt der zehnjährige Elias Kauerauf aus Neufahrn zu den besten bayerischen Schwimmern.

(Foto: privat)

Mit drei Jahren wollte Elias Kauerauf, noch mit Schwimmflügeln, schon vom Dreimeterbrett springen. Inzwischen steht der Zehnjährige kurz davor, in den Landeskader der Schwimmer aufgenommen zu werden.

Als seine Eltern Elias Kauerauf zum Schwimmunterricht anmeldeten, muss er sich erst einmal gedulden - wie so viele beim SV'77 Neufahrn. Der Schwimmverein hat Jahr für Jahr über 50 Kinder auf der Warteliste. Vor einigen Jahren, als Elias mit dem Schwimmen anfangen wollte, stand auch sein Name darauf. Inzwischen ist er in Neufahrn einer der schnellsten Schwimmer in seiner Altersklasse und Teil des Förderkaders des Landkreises Freising.

Eine Wasserratte war sein Sohn schon immer, erinnert sich Roberto Kauerauf. "Mit drei Jahren wollte er vom Dreier springen, damals noch mit Schwimmflügeln", sagt er lachend. "Er musste sich aber erst mal mit dem Einser begnügen." Für Elias Kauerauf war das, so sagt er, ein Ansporn. Zwei Jahre später, als Fünfjähriger, sprang er dann endlich vom Dreier - ohne Schwimmflügel. 2014 klappte es auch mit dem Beitritt zum SV'77 Neufahrn. Ein Jahr später trat Kauerauf bei seinen ersten Wettkämpfen an. Dieses Jahr wurde er Zweiter bei den Bayerischen Meisterschaften in Würzburg und steht in fast allen Kategorien in der "Top Ten Bestenliste" der Zehnjährigen in Bayern. In 100 Meter Freistil und 100 Meter Lagen führt er die Liste sogar an. "Das liegt aber auch am Jahrgang", sagt Kauerauf und lächelt bescheiden. Seiner, der 2009er Jahrgang, sei eben nicht so stark. "Bei den 2008ern hätte ich keine Chance." Eine Leistungsförderung ist in Neufahrn nur bedingt möglich, Grund sind begrenzte Trainingszeiten und Kapazitäten des Vereins. Der SV'77 bekennt sich außerdem bewusst zum Breitensport.

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Eine Einladung von der Eliteschule des Sports lehnte der Neufahrner ab

Dabei hat der Zehnjährige dieses Jahr die Chance bekommen, stärker gefördert zu werden. Kauerauf hatte Ende vergangenen Jahres eine Einladung von der Eliteschule des Sports in München-Nord erhalten. Um aufgenommen zu werden, musste er an einem Sichtungstag teilnehmen. Der Neufahrner wurde angenommen - und lehnte ab. "Es war schon cool. Aber ich habe meine Freunde hier, meinen Verein hier. Ich will den Spaß am Schwimmen nicht verlieren", begründet der junge Sportler seine Entscheidung. Dass er nicht nur Spaß am Schwimmen hat, sondern auch gut darin ist, hat auch der Bayerische Schwimmverband erkannt. Für den 3. Oktober ist Kauerauf zu einer Sichtung in der Olympia-Schwimmhalle eingeladen. Danach könnte er in den bayerischen Landeskader aufgenommen werden.

Dabei wäre Elias Kauerauf zu den Bayerischen Meisterschaften im Juli, bei denen er Silber in 100 Meter Freistil holte, fast nicht mitgefahren. "Er war vorher drei Wochen lang krank und hat nicht trainiert", so Mutter Yvonne. Da aber hätten sich die Schwimmtrainer eingeschaltet und gesagt, er solle es einfach versuchen. Sie sähen Potenzial. Offensichtlich hatten sie damit Recht, der Wettkampf in Würzburg bescherte dem Neufahrner einen der bisher schönsten Momente in seiner Schwimmkarriere.

Es soll nicht der letzte Erfolg seiner jungen Karriere sein. Wenn er zwölf Jahre wird und damit alt genug ist, will Kauerauf zu den Süddeutschen Meisterschaften fahren. Bis dahin will er seinen Schwimmstil verbessern. Seine Trainer sagen, er habe noch mehr Potenzial im Rückenschwimmen, außerdem will der Zehnjährige seine Wende verbessern. "Die habe ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt", sagt er. Auch seine Konkurrenz werde im kommenden Jahr stärker, sagt Vater Roberto. "Die letzten drei Jahre hatte Elias die immer gleichen Konkurrenten, die Plätze waren oft schon vorm Wettbewerb ausgemacht." Jetzt sind neue, starke Konkurrenten dabei und das Feld wird neu gemischt. Elias Kauerauf freut sich darauf: "Das Training macht gerade wieder richtig Spaß."

Wo seine sportliche Karriere einmal hinführen soll, weiß der junge Schwimmer noch nicht genau. Nur eines ist sicher: Schwimmen ist seine Leidenschaft. Wenn in den Ferien kein Training ist, fährt er mit Freunden an den Mühlsee und schwimmt mit ihnen um die Wette. "Zur Insel und zurück", sagt Kauerauf. Meistens ist er der Schnellste.

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