BadeunfälleErste Züge mit Franziska van Almsick am Beckenrand

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Prominente Schwimmlehrerin am Beckenrand: In einem Ausstellungsbecken der Firma Desjoyaux Pools in Neufahrn lernen Buben und Mädchen unter den Augen der ehemaligen Spitzensportlerin Franziska van Almsick (rechts) schwimmen.
Prominente Schwimmlehrerin am Beckenrand: In einem Ausstellungsbecken der Firma Desjoyaux Pools in Neufahrn lernen Buben und Mädchen unter den Augen der ehemaligen Spitzensportlerin Franziska van Almsick (rechts) schwimmen. Renate Schmidt

Kinder ertrinken leise und schnell. Mit ein Grund dafür ist, dass viele öffentliche Bäder schließen, in denen sie schwimmen lernen könnten. Die mehrfache Olympia-Gewinnerin wirbt in einem Projekt mit einem Pool-Hersteller aus Neufahrn für mehr Schwimmunterricht und Anfängerkurse.

Von Magalie Mohler, Neufahrn

Ein Ausstellungspool im Gewerbegebiet, viele Journalisten, acht Kinder, die „Spaghettiiii“ in die Kameras rufen – und mittendrin – Schwimmlegende Franziska van Almsick. Die 47-jährige mehrfache Welt- und Europameisterin und zehnfache Medaillengewinnerin bei Olympia ist als Schirmherrin der Pool-School auf den Verkaufsflächen des Poolherstellers Desjoyaux, um auf die eklatant schlechten Zustände im Schwimmsport hinzuweisen. „Es fehlt an allem – an qualifiziertem Personal, an Trainern, die sich individuell um die Kinder kümmern, an finanziellen Mitteln und vor allem an Wasserflächen“, sagt van Almsick. „Immer mehr Schwimmbäder schließen und damit fehlt schlichtweg die Möglichkeit, dass Kinder überhaupt ins Wasser kommen.“

Franziska van Almsick und Desjoyaux-Geschäftsführer Axel Steinbach sprechen an diesem Nachmittag in Mintraching im Landkreis Freising auch über die jüngsten tragischen Ereignisse am Eibsee, wo ein Vater und sein sechsjähriger Sohn bei einem Bootsausflug ertrunken sind. Van Almsick zeigt sich erschüttert: „Der Sommer hat kaum begonnen, und es gibt bereits zahlreiche Todesfälle.“ Besonders alarmierend findet die ehemalige Spitzenschwimmerin die hohe Zahl an Nichtschwimmern in Freibädern: „Da rutschen Kinder ins Wasser, die überhaupt nicht schwimmen können. Es tut weh, das mitanzusehen.“

Auf der Website der Pool-School wird auf erschreckende Zahlen hingewiesen: Immer weniger Kinder können sicher schwimmen – jedes dritte Kind verlässt die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können, und jedes fünfte Kind lernt es gar nicht erst. „Hinzu kommt, dass viele Geflüchtete in unserem Land ebenfalls nicht schwimmen können“, erklärt Steinbach. Franziska van Almsick warnt: „Kinder ertrinken leicht, schnell und leise.“ Um das zu verhindern, entstand 2024 die Pool-School.

Kostenlos und unter Anleitungen von professionellen Schwimmtrainern der Sharky-Schwimmschule lernen an elf Standorten des Poolherstellers Kinder ihre ersten Schwimmzüge. Steinbach berichtet: „Als wir das Projekt auch für die Neufahrner und Freisinger gestartet haben, rechneten wir anfangs mit zehn, vielleicht zwanzig Anmeldungen.“ Inzwischen seien es mehr als 500.

Jedes Kind soll schwimmen lernen. Auch aufgrund der Schließung von Hallenbädern wird das immer schwieriger.
Jedes Kind soll schwimmen lernen. Auch aufgrund der Schließung von Hallenbädern wird das immer schwieriger. Fabian Sommer

Auch Eltern bestätigen: Einen Platz in einem Schwimmkurs für ihr Kind zu ergattern, sei ungefähr so schwer wie Tickets für ein U2-Konzert zu bekommen, sagt Mutter Sonja Ramirez Lopez: „Die sind nach fünf Minuten alle ausgebucht.“ Auch Julia Sedlmeier aus Hallbergmoos stand für den Schwimmkurs ihres vierjährigen Sohnes ein gutes Jahr lang auf sämtlichen Wartelisten. „Wenn Plätze frei werden und man nicht sofort auf die E-Mail klickt, sind sie auch direkt wieder weg“, berichtet Cedric Hornung aus Mintraching, Vater einer vierjährigen Tochter.

Im Bekanntenkreis der Eltern versuchen es viele mit teuren Privatkursen. Erst am Vortag hatte eine Mutter in der Whatsapp-Gruppe der Eltern verzweifelt gefragt, ob jemand ihren Kindern das Schwimmen beibringen könne. Den Platz in der Pool-School haben sie schließlich per Losverfahren bekommen – da hatten alle drei Glück.

Lehrkräfte sind überfordert, Schwimmunterricht fällt aus

Auch Missstände im Schulschwimmunterricht sind Thema: Mit ihrer Stiftung unterstützt Franziska van Almsick den Schwimmunterricht an Grundschulen. Sie erlebe oft, dass Lehrkräfte überfordert seien. „Man stelle sich vor: Eine Sportlehrkraft geht mit 30 Kindern ins Schwimmbad. Davon haben vielleicht zehn ein Seepferdchen, drei trauen sich kaum ins Wasser, fünf haben Bauchschmerzen und der Rest ist irgendwo dazwischen“, kritisiert van Almsick. Das sei eine Aufgabe, die eine einzelne Lehrkraft gar nicht stemmen könne. Hinzu kommt der häufige Ausfall des Schwimmunterrichts – das beobachtet die zweifache Mutter bei ihren eigenen Kindern: „Alle Lehrkräfte sind eingespannt, alles ist auf Ausnahmezustand – und was fällt als Erstes weg? Der Schwimmunterricht.“

Van Almsick appelliert an die Verantwortung der Eltern. Gerade weil Schwimmen eine koordinativ anspruchsvolle Sportart sei, reiche es nicht, wenn die Eltern nur vom Beckenrand aus Bewegungen vormachen. Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Es sei nicht glaubwürdig, wenn ich am Beckenrand stehe und sage: „Ach nee, das ist mir zu nass und kalt.“

Werbung für Schwimmkurse: Axel Steinbach, Geschäftsführer von Desjoyaux Pools in Neufahrn, und Franziska van Almsick.
Werbung für Schwimmkurse: Axel Steinbach, Geschäftsführer von Desjoyaux Pools in Neufahrn, und Franziska van Almsick. Renate Schmidt

Insbesondere die Kinder, die während der Corona-Pandemie keinen Schwimmunterricht hatten, seien sehr schwer zu erreichen. Dabei erinnert van Almsick an die gesellschaftliche Gewichtung des Schwimmen-Könnens: „Wir sind oft unglaublich stolz, wenn unsere Kinder früh Fremdsprachen sprechen oder ein Instrument beherrschen. Aber wenn ein Kind schwimmen kann, wird das oft als selbstverständlich abgetan – dabei ist es das längst nicht mehr.“

Natürlich habe nicht jeder das Glück, einen Pool im eigenen Garten zu haben, so van Almsick. Deshalb sei sie bei der Charity-Aktion direkt an Bord gewesen. Genau das werde gebraucht: praktische Lösungen, Kreativität und Zusammenarbeit. Denn es reicht nicht, immer nur zu sagen: „Ja, Kinder müssen schwimmen lernen“ – doch dann passiert nichts, so van Almsick „Wir müssen ins Tun kommen. Reden allein bringt nichts.“

Die Kurse der Pool-School sind für diesen Sommer ausgebucht. Wer jetzt nach einem Schwimmkurs für den nächsten Sommer sucht, kann sich auf der Website der Pool-School registrieren.

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