Schule gegen Rassismus "Zuhause ist da, wo man sich wohlfühlt"

Respekt und Wertschätzung füreinander - auch das hat der Workshop mit Fatima Moumouni (3. v. l) und Dean Ruddock (r.) den Schülern in Neustift vermittelt.

(Foto: Andreas Gebert)

Jugendliche an der Mittelschule Neustift setzen sich auf künstlerische Art und Weise mit den komplexen Themen Rassismus und Identität auseinander. Ihre Texte zeigen, dass einige von ihnen früh die Erfahrung von Diskriminierung machen mussten.

Von Alexander Huber, Freising

Diskriminierung, Rassismus, Heimatbegriff und Identität - solche Themen im Unterricht an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, ist nicht einfach. Nichtsdestotrotz gehören Erfahrungen von Ausgrenzung und Ungleichbehandlung für viele Schüler der Mittelschule Neustift zur Lebensrealität. In der vergangenen Woche versuchten sogenannte Respekt Coaches des Vereins "In Via München" Siebt- und Achtklässlern auf künstlerische Art und Weise einen Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern.

Für den zweitägigen Workshop hatte Projektleiterin Friederike Alexander die beiden Poetry-Slammer Fatima Moumouni und Dean Ruddock gewonnen. Neben der spielerischen Heranführung an theoretische Grundlagen zur Entstehung von Rassismus oder Eurozentrismus bekamen die Jugendlichen in dem Projekt die Möglichkeit, in Texten ihre eigenen Diskriminierungserfahrungen, aber auch ihre Ideen von Heimat und Zuhause zu verarbeiten.

Herausgekommen sind sehr unterschiedliche Texte, die einerseits verdeutlichen, wie unterschiedlich Heimat für Menschen aussehen kann, andererseits zeigen sie, dass viele Jugendliche mit Migrationshintergrund früh Diskriminierungserfahrungen machen. Janies, 13, berichtet etwa davon, dass sie in ihrem Leben immer wieder auf Grund ihrer Hautfarbe beleidigt worden sei. "Heute ist mir das aber egal", fügt die Siebtklässlerin selbstbewusst an. Für Ali, 14, bedeutet Heimat, bei seinen Verwandten in der Türkei zu sein, denn dort fühle er sich gleichberechtigt. "Da schaut mich keiner komisch an", meint der Achtklässler. Die Vermittlung von theoretischem Wissen über Rassismus auf eine solche künstlerische Art und Weise sei wesentlich einfacher und für die Kinder interessanter, betont die Co-Leiterin des Workshops Fatima Moumouni. Dazu komme, fügt Dean Ruddock an, dass das Thema Rassismus sehr aufgeladen sei. "Da muss man erst einmal einen emotionalen Zugang schaffen", sagt der Poetry-Slammer.

Emotional sind die Texte der Jugendlichen auf jeden Fall, besonders wenn es um Heimat geht. Für Luis, 14, ist Heimat da, "wo ich mich immer sicher fühle". Und: "Heimat ist für mich Bayern". Ali findet: "Zuhause ist da, wo man sich wohlfühlt." Manchmal verbinden die Jugendlichen damit allerdings auch etwas sehr Konkretes. "Zu Heimat gehört für mich auch gutes Essen", stellt beispielsweise Luis in seinem Text klar.

In die Überlegungen der Jugendlichen zur Frage, was für sie Heimat ist, fließen auch immer wieder die Erfahrungen von Rassismus ein. Dieser besteht laut Dean Ruddock nicht nur aus einzelnen Übergriffen. In dem Seminar sei es auch darum gegangen, mit den Neustifter Schülern die Geschichte dieses Phänomens zu beleuchten, angefangen bei Entdecker Christoph Kolumbus und den Auswüchsen der Kolonialzeit.

Neben den von ihnen verfassten Texten berichteten die Jugendlichen der Neustifter Schule von den verschiedenen Übungen und Spielen, an denen sie im Laufe des Workshops teilgenommen haben. Beispielsweise, so Dean Ruddock, sei es darum gegangen, Privilegien unterschiedlicher Menschen in der Gesellschaft sichtbar zu machen.

Bei den Heranwachsenden hat die Beschäftigung mit dem Thema und den eigenen Erfahrungen bleibende Eindrücke hinterlassen. "Es hat mich zum Nachdenken gebracht", meint Ali. Luis betont, man müsse jedem den Respekt entgegenbringen, den er verdient. Und Janies sagt: "Man realisiert, wie gut es einem doch eigentlich geht."