Nun hat es der Stadtrat schwarz auf weiß: Die Sanierung des Asamkomplexes in der Innenstadt wird enorm teuer. Die bisher angenommenen 40 bis 50 Millionen Euro dürften am Ende deutlich überschritten werden. Zwar wurde die Kostenschätzung am Montag in einer dreistündigen Sondersitzung des Stadtrats auf "nur" 40,5 Millionen beziffert. Nicht berücksichtigt sind jedoch die zu erwartenden Baupreissteigerungen in den Jahren bis zur Fertigstellung. Außerdem kommen für die Außenanlagen mit dem Lastenaufzug im Süden noch einmal geschätzt vier Millionen Euro dazu. Weitere Kosten fallen für die Auslagerung von Asamtheater, Museum und Kulturamt sowie für Interimslösungen oder Stellplatzablöse an.
Trotz dieser Summen herrschte im Stadtrat Einigkeit: An der Sanierung des 300 Jahre alten Gebäudekomplexes führt kein Weg vorbei. Die Stadt muss hier investieren, auch wenn es finanziell wehtut - und eine drei bis vier Jahre währende Bauzeit die Innenstadt erheblich beeinträchtigen wird. Staub, Lärm und eine massive Belastung auch der angrenzenden Straßen durch den Baustellenverkehr listeten die Planer dabei ebenso auf wie die notwendige Räumung des Gebäudes. Für Theater, Museum, Touristinformation, Steuer- und Kulturamt müssen Ausweichquartiere gefunden werden, der Parkplatz im Innenhof des Asamgebäudes wird nicht mehr zur Verfügung stehen - und die Einzelhändler im Erdgeschoss müssen zumindest vorübergehend eine neue Bleibe finden.
Doch dass etwas geschehen muss, daran ließen die zahlreichen Experten, die zu der Sondersitzung ins Rathaus gekommen waren, keinen Zweifel. Punkt für Punkt listete zunächst der Freisinger Ingenieur Wolfgang Brandl die Mängel auf: Der Baugrund unter dem Gebäudekomplex ist schlecht, die Pfahlgründungen sind zum Teil nicht mehr standsicher. Die Geschossdecken sind überlastet, das Holz im Dach ist teilweise verfault, der Dachstuhl insgesamt in katastrophalem Zustand, das Mauerwerk feucht - vom Brandschutz gar nicht zu reden. Unter anderem fehle die komplette Lüftung, ergänzte wenig später Architekt Anton Mang die Aufzählung - bei einer Veranstaltungsstätte dieser Größenordnung eigentlich völlig undenkbar. Alle Elektroleitungen müssen außerdem erneuert werden, Fassadenputze sind zu restaurieren, ebenso die alten Fenster.
Sollte die Stadt diese umfangreiche Generalsanierung allerdings stemmen - auch das war eine Botschaft dieses Abends - dann schafft sie ein "kulturelles und merkantiles Zentrum für die Bürgerstadt Freising", das seinesgleichen sucht, eine Art Bürgerhaus mit der enormen Geschossfläche von 10 000 Quadratmetern. Mit der Modernisierung und Sanierung soll eine Gastronomie für 70 Gäste im Erdgeschoss entstehen. Außerdem wird es hier weiter Geschäfte geben. Das Stadtmuseum wird erweitert, das Foyer zum Hof hin geöffnet, vergrößert und repräsentativ gestaltet. Ins Museum sowie ins Theater gelangt man von dort aus in Zukunft über eine neue, breite Treppe, die laut Mang "den neuen Hauptverbindungsweg zwischen den Geschossen formuliert". Geplant ist außerdem ein zusätzlicher Mehrzwecksaal.
Für die Theaterbesucher wird die Technik im Asamsaal optimiert, ein neues Gestühl soll die Sicht auf die Bühne verbessern. Die neue Bühnentechnik wird außerdem die körperlichen Belastungen der Angestellten minimieren. Die gesamte Haustechnik wird ebenfalls erneuert, dabei soll künftig die Stadtmoosach mittels einer Wärmepumpe zur Beheizung und Kühlung des Gebäudes genutzt werden. Lange diskutiert hatten die Stadträte im Vorfeld über eine mögliche Auslagerung der Toilettenanlagen. Diese Idee war aber schon im Juli vom Hauptausschuss verworfen worden. Nun will man ein "repräsentativ einladendes WC" im Erdgeschoss des Asamgebäudes, das auch von der Brennergasse her zu erreichen sein soll.
Ebenfalls vom Tisch ist schon seit ein paar Monaten die Idee, den Innenhof des Asamkomplexes zu überdachen - dafür halten die Stadträte an dem Projekt "Asamplatz" im Süden des Gebäudes fest. Dieser Bereich am Fuß des Dombergs wird derzeit als Parkplatz genutzt, soll nun aber städtebaulich aufgewertet und in Zukunft auch als Veranstaltungsort für Klassikkonzerte oder Kunsthandwerkermärkte genutzt werden können.
Noch nicht geklärt ist die Frage, wie viele Zuschüsse die Stadt für das Projekt erwarten kann. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher geht von "mindestens zehn Prozent", möglicherweise mehr, aus. Die Planer sollen nun wie vorgestellt weiterarbeiten, die entsprechenden Beschlüsse dazu fielen am Montag einstimmig aus. Hochbauamtsleiter Robert Naujokat sprach von einem "guten Kompromiss zwischen Wünschenswertem und Möglichem".