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Schnupf-Club Nandlstadt:Fünf Gramm, zwei Finger, eine Nase

Max Weinmann und Rupert Grottenthaler (rechts) vom Schnupf-Club Nandlstadt huldigen einer alten bayerischen Tradition: dem Tabak-Schnupfen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Schnupf-Club Nandlstadt, der einzig verbliebene in der Region und kürzlich Ausrichter der Deutschen Meisterschaft, feiert heuer sein 60-jähriges Bestehen.

Was Max Weinmann und Rupert Grottenthaler für ihr Hobby benötigen, passt in einen Einkaufskorb: zwei Tabakdöschen, zwei Latze, eine Waage, ein Pinsel. Weinmann ist Vorsitzender des Schnupf-Clubs Nandlstadt, Grottenthalers Vater hat den Club vor 60 Jahren gegründet. Es ist der einzige Schnupfverein im Landkreis und einer von deutschlandweit 27 Mitgliedsvereinen im Deutschen Schnupferverband. Vor wenigen Tagen haben die Nandlstädter die 52. Deutsche Schnupfmeisterschaft ausgetragen - und sind dabei erstmals mit einer eigenen Frauenmannschaft angetreten.

Bei Schnupfwettbewerben geht es darum, sich innerhalb einer Minute fünf Gramm Schnupftabak in die Nase zu schieben, in Einzel- und Mannschaftswettkämpfen. Später wird der Tabak wieder aus der Nase geschnäuzt. Es kommt bei den Wettkämpfen auf die Feinheiten an. "Man darf nur mit zwei Fingern schnupfen", erklärt Weinmann. "Was herunterfällt, wird gewogen, mit einer Milligrammwaage", sagt Grottenthaler. Diese Genauigkeit ist nötig, denn es kann durchaus knapp zugehen. Bei der jüngsten Meisterschaft schnupften die beiden Besten im Einzelwettkampf der Männer je 4,962 Gramm. Darum werden zusätzlich bis zu 20 Sauberkeitspunkte vergeben. Heuer war ein Punkt ausschlaggebend für den Sieg des Dettenhofers Christian Knauer. Mit ihren eigenen Ergebnissen bewegen sich die Nandlstädter im unteren Mittelfeld. Die beiden Männermannschaften erreichten Platz 14 und 18 unter 19 angetretenen Teams. Die erst seit August trainierende Frauenmannschaft schaffte den zweiten von drei Plätzen. Etwas besser ging es für die Ausrichter in den Einzelwettkämpfen aus: Dort erreichte Christine Bichmaier als beste Nandlstädterin den siebten Platz bei 16 Schnupferinnen; bei den Männern war Georg Stanglmaier mit Platz 60 von 109 am erfolgreichsten.

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Trainiert wird in Nandlstadt einmal im Monat

Für Weinmann und Grottenthaler sind diese Resultate aber kein Grund, enttäuscht zu sein. "Die ganze Schnupfveranstaltung ist mehr oder weniger eine Gaudi", sagt Weinmann. Von den 65 Mitgliedern würden zwölf aktiv schnupfen. Der Club treffe sich einmal im Monat zum Training, vor der Meisterschaft seit August wöchentlich. Ansonsten stehe das Gesellige im Vordergrund: Grillfeste, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern. Man treffe sich aber auch mit anderen Vereinen in der Region oder nehme am Nandlstädter Hopfenfest teil.

Bei Meisterschaften stellt der Verband den Tabak, für Club-Treffen und den privaten Gebrauch verwenden die Schnupfer ihren eigenen. 5,50 Euro koste ein 100-Gramm-Päckchen, sagt Grottenthaler. Dem Tabak sind Öle beigemischt, früher wurde stattdessen Schmalz verwendet; daher heißen diese häufig verwendeten Sorten Schmalzer. "Das wird dann geschmeidiger", erklärt er. "Das bröselt dann nicht so, ist nicht so trocken", ergänzt Weinmann. Daneben gibt es den Snuff, der nicht so klebt und oft mit Menthol oder Eukalyptus aromatisiert ist.

"Das Schnupfen ist eine alte Tradition in Bayern", sagt Grottenthaler. "Vor 50 Jahren hat sich der Verband gegründet, da sind die Wettbewerbe eingeführt worden." "Die erste Weltmeisterschaft war in England. Dort gibt's ja noch Tabakfabriken. Das war 1978. Die zweite Weltmeisterschaft, die war dann schon in Nandlstadt", sagt Grottenthaler. "Ansonsten sind immer noch Mannschaften aus den USA dabei, Soldaten, die hier stationiert sind.

"Wie bei allen Vereinen gibt es Nachwuchsprobleme"

Das Schnupfen scheint ein Faible im deutschsprachigen Raum zu sein, Clubs gibt es vornehmlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Zehn Jahre vor der Verbandsgründung, am 11. November 1959, gründete sich der Nandlstädter Schnupf-Club. Nachdem es zwischenzeitlich weitere Schnupfvereine im Umkreis gegeben habe, etwa in Moosburg, Mainburg und München, sei ihr Club derzeit der einzige in der Region, sagt Grottenthaler. "Es werden leider weniger", sagt er. "Wie bei allen Vereinen gibt es Nachwuchsprobleme." Der jüngste Beitritt im Club liegt fünf oder sechs Jahre zurück.

Der jüngste aktive Schnupfer im Club sei um die 40, sagt Grottenthaler. Er selbst ist 60, Weinmann 73. Aber Grottenthaler betont: "Es gibt jetzt schon auch wieder Jüngere, die anstatt zu rauchen, Schnupftabak nehmen." Dass die Zahl der Schnupfer tendenziell rückläufig ist, zeigt sich bei den Wettkämpfen: 22 Mannschaften traten heuer in Nandlstadt an, "früher waren's wesentlich mehr, teilweise über 40 bei Weltmeisterschaften", erinnert sich Grottenthaler.

Dennoch, die Nandlstädter Schnupfer pflegen und lieben ihr Hobby. Das wird deutlich, wenn sie darüber sprechen. "Das ist faszinierend, wie die das machen, dass nix mehr drin bleibt", schwärmt Weinmann über Profischnupfer. "Man braucht schon eine Fingerfertigkeit, muss ausprobieren, wie man sitzt, wie man die Dose hält", sagt Grottenthaler. "Manche benutzen zwei Nasenlöcher zum Schnupfen, manche nur eins." Schwierig sei das, sagt Weinmann. "Man muss schon trainieren."

Auch außerhalb der aktiven Schnupfer-Szene findet die Tradition offenbar nach wie vor Anklang. Die 52. Deutsche Meisterschaft in der Hopfenhalle in Nandlstadt sei mit etwa 400 Gästen gut besucht gewesen, sagt Grottenthaler. Für das Jubiläum zum 60-jährigen Bestehen will der Club gegen Jahresende ein Fest ausrichten; es soll mit einem Wettkampf vor Weihnachten verbunden werden.

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