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Mitten in Freising:Autopiloten gegen Radl-Romantiker

Verkehr; Strassenbau; Infrastruktiur

Die Schlüterbrücke über die Isar soll vierspurig ausgebaut werden. Die Freisinger "Allianz Klimanotstand" fordert den Verzicht darauf.

(Foto: Johannes Simon)

Endlich dreht sich nicht mehr alles um Corona - die Diskussion um einen Ausbau der Schlüterbrücke bietet Konfliktstoff.

Glosse von Alexander Kappen, Freising

Es ist ja irgendwie beruhigend, dass es auch abseits von Corona noch Themen gibt, über die es sich trefflich streiten lässt. Also nicht nur über Fragen wie "Maskenpflicht - ja oder nein?", "Impfen - ja oder nein?", "Sollen Kneipen in Impfzentren umfunktioniert werden, um die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen?" oder "Werden wir überhaupt jemals ausreichend Impfstoff haben, und geht zur Not auch ein Doppelbock?".

Die Freisinger haben den ersten Schritt in die Normalität bereits getan und - Covid hin, 19 her - gleich zum Jahresauftakt ein völlig anderes Streitthema für sich entdeckt: Braucht die Schlüterbrücke vier Spuren oder reichen auch deren zwei? Die Freisinger Allianz "Klimanotstand" hat jetzt in einem Schreiben an Landrat, OB, Kreis- und Stadträte gefordert, auf einen vierspurigen Ausbau der Brücke zu verzichten, um einer dringend notwendigen Verkehrswende nicht im Weg zu stehen. Und die Facebook-Allianz "Is' mir doch wurscht" hat sich natürlich nicht lumpen lassen und postwendend zur Gegen-Attacke geblasen. Battle eröffnet. Antiquierte Autopiloten gegen Radl-Romantiker. Umweltfreaks gegen Unverbesserliche.

Unterm Strich haben sich ja doch alle lieb

Die Einen treffen nur verkehrspolitische Entscheidungen in altem Fahrwasser, sagen die Anderen. Was wollten denn die Anderen überhaupt? Die sind doch eh nur eine wichtigtuerische Minderheit am Rande der Bedeutungslosigkeit, sagen die Einen. Während die Einen sich insgeheim wahrscheinlich genüsslich vorstellen, wie die Anderen im Greta-Thunberg-Batik-Fanshirt auf ihrem mit Atomstrom aufgeladenen E-Bike auf der zweispurigen Schlüterbrücke im Stau stehen, wünschen die Anderen den Einen in ihren dicken SUVs alle Kolbenfresser dieser Welt an den Hals. Also wahrscheinlich. Oder auch nicht.

Unterm Strich haben sich ja doch alle lieb und sind bereit zu Zugeständnissen. Etwa, wenn ein Vierspurist den Zweispuristen auf Facebook für den Fall, dass die Brücke ausgebaut wird, noch eine fünfte Spur anbietet: für Fahrräder. Diese könnte man, nur so eine Idee, dann auch als Pannenstreifen nutzen - falls der SUV mal einen Kolbenfresser hat.

© SZ vom 27.01.2021/ilos
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Die Freisinger "Allianz Klimanotstand" appelliert an Kommunalpolitiker, auf den vierspurigen Ausbau der Schlüterbrücke zu verzichten. Das Projekt stehe der dringend notwendigen Verkehrswende im Weg.

Von Kerstin Vogel

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