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Ausstellung in Hohenkammer:Im Spannungsfeld der Natur

HOHENKAMMER: Ausstellung 'Zwischen Blau und Blau' Evas Maria Kränzlein + Michael Eckle

Noch einen knappen Monat ist die Ausstellung "Zwischen Blau und Blau" zu sehen.

(Foto: Johannes Simon)

Schloss Hohenkammer zeigt derzeit die Werke von zwei ganz unterschiedlichen Künstlern, die doch einen gemeinsamen Ursprung haben: Michael Eckle und Eva Maria Kränzlein lassen sich von der Natur inspirieren. Zu sehen sind große Farbgemälde ebenso wie filigrane Collagen.

Von Florian J. Haamann, Hohenkammer

Unterschiedlicher kann Kunst auf den ersten Blick nicht sein: große, monochrome Farbflächenmalerei, immer mit der Farbe Ultramarinblau als Ausgangspunkt, und daneben Collagen aus in der Natur gefundenen Materialien und Gemälde mit Waldstillleben. Und doch kann man die Arbeiten von Michael Eckle und Eva Maria Kränzlein, die aktuell in einer Ausstellung im Foyer von Schloss Hohenkammer zu sehen sind, auf den selben Ursprung zurückführen. Die Natur.

Blickt man auf Eckles Farbflächen, dann weckt das unvermeidlich Assoziationen an das Meer und den Himmel. Dazu kommt, dass die Pigmente seiner Farbe, des Ultramarinblaus, aus Lapislazuli gewonnen werden und es seit jeher als eine der kostbarsten Farben gilt. Eckle ist von diesem - von seinem - Ultramarinblau so fasziniert, dass er es seit vielen Jahren zum Zentrum seines künstlerischen Schaffens gemacht hat. Kein Werk, in dem es nicht die zentrale Rolle spielt.

HOHENKAMMER: Ausstellung 'Zwischen Blau und Blau' Evas Maria Kränzlein + Michael Eckle

Voller Kraft sind die Gemälde des Künstlers Michael Eckle.

(Foto: Johannes Simon)

Ganz im Gegensatz zu seiner seltenen und kostbaren Farbe arbeitet Eva Maria Kränzlein viel mit dem, was die Natur ihr anbietet. Bei Spaziergängen im Wald sammelt sie Blätter, Äste, Flechten, die sie anschließend in ihrem Atelier zu Kunst macht. Es sind Werke voller Vergänglichkeit. Etwa wenn sie halb zersetzte Blätter auf einer schwarzen Leinwand präsentiert. Oder wenn sie ihre Fundstücke in filigranen, netzartigen Collagen arrangiert.

Der Wald als mystischer Ort

Allerdings beschränkt sich Kränzlein, die in Puchheim bei Fürstenfeldbruck arbeitet, nicht auf diesen Aspekt des Waldes. In ihren Gemälden zeigt sie noch einmal eine andere Perspektive, den Wald als mystischen Ort. Keine Lebewesen sind darauf zu sehen und doch wirken sie sehr lebendig. Die Bilder sind in Schwarz- und Weißtönen gehalten, was zu starken Kontrasten führt, das verstärkt die geheimnisvolle Stimmung noch weiter. Und dennoch entwickeln die Szenen eine starke Anziehungskraft. Als Betrachter wünscht man sich, die Wand zwischen Realität und Leinwand durchbrechen zu können, in diese Szenen einzusteigen und immer tiefer in diese Wälder zu spazieren, um zu entdecken, was sich hinter den Stämmen verbirgt.

HOHENKAMMER: Ausstellung 'Zwischen Blau und Blau' Evas Maria Kränzlein + Michael Eckle

Eva Maria Kränzlein arbeitet viel mit dem, was die Natur ihr anbietet.

(Foto: Johannes Simon)

Voller Kraft sind auch die Gemälde des Münchner Künstlers Michael Eckle. Wie ein Wissenschaftler hat er in den vergangenen Jahren die Wirkung, die Möglichkeiten und Grenzen des Ultramarinblaus erforscht. Und obwohl er ein echter Meister seiner Form ist, nimmt er es dabei nicht zu ernst. Seine Bilder haben immer etwas Spielerisches, Neugieriges. Das zeigt sich auch in den Titeln. So nennt er das größte Gemälde der Ausstellung, das direkt über dem Eingang hängt, "Ultramarinpinkorangegelb". Damit sind alle verwendeten Farben korrekt benannt. Es ist ein Triptychon mit einem orange-farbigen Elemente in der Mitte, flankiert von zwei ultramarinblauen Elementen. Allerdings nicht einheitlich in einem Ton gehalten, sondern das ganze Spektrum der Farbe präsentierend, bis hin zu fast schwarzen Streifen.

Durch das Aufeinandertreffen zweier so vordergründig unterschiedlicher Künstler, deren Werken eine lose, aber nicht unwichtige Verbindung haben, entwickelt sich in der Ausstellung ein interessantes und anregendes Spannungsfeld, das den Besucher zu einer intensiven Auseinandersetzung anregt - auch wegen der vielen Assoziationen, die das seit der christlichen Ikonografie omnipräsenten Blau und die märchenhaften Waldszenen in einem auslösen.

Die Ausstellung "Zwischen Blau und Blau" ist im Gutshof-Foyer Schloss Hohenkammer noch bis Sonntag, 22. November, täglich von 11 bis 20 Uhr zu sehen. Eine Führung ist voraussichtlich am Sonntag, 15. November, 15 Uhr.

© SZ/nta
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