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Premiere nach fünfwöchiger Pause:Schloss Hohenkammer: Neustart in Zeiten der Krise

Das Schloss Hohenkammer öffnet seinen Hotelbetrieb am Sonntag, 19. April, wieder für Geschäftsreisende. Zwei Wochen lang sind die knapp 30 Auszubildenden für den Betrieb verantwortlich. Sie wollen die Chance nutzen.

Nach fünfwöchiger Schließung öffnet das Schloss Hohenkammer seinen Hotelbetrieb am Sonntag, 19. April, zumindest für Geschäftsreisende. Damit verbunden ist eine Premiere: Verantwortlich für den Ablauf und alle anfallenden Arbeiten an der Rezeption, im Housekeeping, in Küche und Service sind zwei Wochen lang die knapp 30 Auszubildenden. Zum Schutz von Personal und Gästen würden an der Rezeption Trennwände angebracht, schildert Geschäftsführer Martin Kirsch. Auch der nötige Abstand werde gewahrt. Kirsch rechnet ohnehin mit nicht mehr als zehn bis zwölf Gästen in dem Tagungshaus mit seinen 168 Zimmern. In normalen Zeiten sei es meist ausgebucht.

Chance in der Krise: Die Azubis um ihre Sprecherinnen Vanessa Kompaß und Sophia Fendl (von links) leiten den Hotelbetrieb von Schloss Hohenkammer, rechts Paulina Zielosko, stellvertretende Hausdame.

(Foto: Schloss Hohenkammer)

"Für uns alle ist das eine große Aufgabe", sagt Azubisprecherin Sophia Fendl. Gemeinsam mit Jonathan Liebhart und Vanessa Kompaß gehört sie dem Kompetenzteam an und teilt ihre Mitstreiter ein. Sie sei schon etwas "aufgeregt und angespannt", gesteht die 20-Jährige, sie sehe das aber als große Chance. Es sei nicht selbstverständlich, dass man Azubis so viel Freiraum lasse. Vom Schichtplan über das Angebot der Küche - die jungen Leute nehmen die gesamte Organisation selbst in die Hand. "Man lernt unglaublich viel dabei", sagt Sophia Fendl, die im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung als Hotelfachfrau mit Zusatzqualifikation Europäisches Hotelmanagement absolviert. Das übrige Team steht den Azubis bei Problemen natürlich zur Seite, wie Kirsch betont.

Die Auswirkungen von Corona auf das Haus seien "katastrophal"

Für Geschäftsreisende und Monteure dürfen Hotels und andere Unterkünfte trotz der Corona-Beschränkungen geöffnet werden. Deren Restaurants aber bleiben geschlossen. Mittag- und Abendessen können in Schloss Hohenkammer auf Wunsch aber aufs Zimmer bestellt werden. Frühstück wollen die Azubis in einem Gemeinschaftsraum servieren, à la carte und nicht am Büfett, das haben sie laut Kirsch selbst so beschlossen. Seit zwei Wochen bereiten sie den "Take over" vor. Fünf Ausbildungsberufe werden derzeit in Schloss Hohenkammer angeboten: Hotelfach, Restaurantfach, Veranstaltungskauffrau/-mann, Koch/Köchin sowie Landwirt/Landwirtin.

Das Azubi-Projekt ist ein kleiner Neustart. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auch auf sein Haus bezeichnet Kirsch als katastrophal. "Aber das trifft ja alle gleich." Dürfte man das Hotel von der kommenden Woche an wieder komplett öffnen, käme man "mit einem blauen Auge" davon, danach aber sehe es nicht aus. Es seien bereits Veranstaltungen und Tagungen mit einem Gesamtvolumen von einer Million Euro storniert worden. Kirsch hofft, dass der Betrieb bald stufenweise anlaufen kann - mit kleinen Gruppen, die in großen Tagungsräumen Abstand halten können. Kleine Hoffnungsschimmer gibt es bereits: Für Herbst hätten Veranstalter wegen einer eigentlich in Berlin geplanten Tagung angefragt, weil sie das städtische Umfeld meiden wollten, schildert Kirsch.

Auf Kündigungen konnte man bisher verzichten

In den ersten zwei Wochen nach der Schließung des Tagungshotels waren die 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Aufräum-, Maler- und Renovierungsarbeiten sowie in der eigenen Landwirtschaft beschäftigt. Seit 1. April ist die Arbeitszeit laut Kirsch von 39 auf acht Wochenstunden reduziert worden. Lediglich zwei Angestellte arbeiteten jeweils voll, sie würden in der Landwirtschaft von Gut Eichethof eingesetzt, um fehlende Saisonarbeiter zu ersetzen. Die Beschäftigten nähmen Urlaub oder bauten ihr Arbeitszeitkonto ab. Auf Kündigungen, auch der 2020 neu eingestellten Mitarbeiter, habe man auf diese Weise verzichten können.

Geschäftsreisende spielen auch im Normalbetrieb in Hohenkammer kaum eine Rolle, wie Kirsch erklärt. Der Komplex mit 33 Konferenz- und Gruppenräumen lebe von Tagungen und Veranstaltungen. Wegen der günstigen Lage im Münchner Norden buchten Geschäftsleute aber oft kurzfristig frei gewordene Zimmer.

Geschäftsführer Kirsch kann der schwierigen Situation sogar ein paar positive Aspekte abgewinnen: Viele könnten nun besser mit digitalen Medien umgehen. Auf der anderen Seite habe sich aber auch gezeigt, dass Konferenzen per Telefon anstrengend seien und man im persönlichen Gespräch schneller zu einem Ergebnis komme. Darüber hinaus "werden die Leute wissen, wie schön es ist, wenn man sich wieder treffen kann".

© SZ vom 16.04.2020/nta

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