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Performance in Freising:Pure Musik

Das Publikum konnte sich frei im Raum bewegen. Manche saßen auf einem Stuhl in der Mitte des Tonnengewölbes im Schafhof, andere lagen auf dem Boden, um die Klänge ganz konzentriert aufzunehmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bei der "Archäologie der Klänge" präsentieren vier Laptopspieler und vier klassische Instrumentalisten im Schafhof einen Musikzirkus, der nichts mit einem Konzert im eigentlichen Sinn zu tun hat.

Es war eine ungewöhnliches Erfahrung. Kein Konzert, sondern einen Musikzirkus haben vier Laptopspieler und vier Musiker auf ihren klassischen Instrumenten jetzt an acht Musikinseln im Tonnengewölbe des Europäischen Künstlerhauses Schafhof präsentiert. Ergänzt wurde das dreistündige akustische Erlebnis mit dem Titel "Archäologie der Klänge" durch eine Licht-Installation. Zu hören gab es pure Musik, Klänge, die nichts mit dem zu tun hatten, was man sonst üblicherweise unter Musik versteht.

Auch von Improvisation grenzt sich die Darbietung der Gruppe "Echtzeithalle München" ab, denn improvisiert werde über ein bestimmtes Thema, erläuterte Dieter Trüstedt, der an seiner Musikinsel vor einem Laptop stand. Vorgegebene Themen, an denen sich auch der Zuhörer hätte orientieren können, gab es nicht. Dennoch hatte jeder der Mitwirkenden eine Art Partitur für die "Archäologie der Klänge - eine akustische Intervention" vor sich. Darauf waren jeweils neun Sätze mit Titeln wie "Zeitrauschen", "Nachtvogel", "Tonzeiten" oder "Sommerflieger" mit Zeitangaben für die elektronische Musik festgehalten. Diese Computerklänge seien vor der Performance aus einem Katalog mit 64 "Presets" ausgewählt worden und aus dem Rauschen geformt, heißt es in der Erläuterung. Die an vier Stellen im Raum verteilte "Computermusik" erzeugte die Stimmung und gab das Zeitmaß an, an dem die vier Solomusiker dann ihre Klänge orientierten. Irgendwo zwischen der seriellen Musik eines Stockhausen oder Ligeti und dem "musicircus" nach John Cage bewegte sich diese außergewöhnliche Performance, die nicht für ein Publikum, sondern nur um der Sache selbst willen aufgeführt wurde. "Wir machen Musik pur", beschrieb Trüstedt.

Die Zuhörer können sich frei im Raum bewegen

Ganz alleine waren die Mitwirkenden jedoch nicht, im Tonnengewölbe bewegten sich während dieses "Wandelkonzerts" einzelne Personen, die an den Wänden standen, irgendwo im Raum verteilt auf einem Stuhl saßen oder in der Mitte des Tonnengewölbes auf dem Boden lagen, um die Klänge ganz konzentriert in sich aufzunehmen. Im Gegensatz zu "normalen" Konzerten war der Zuhörer vollkommen frei, konnte sich im Raum bewegen, ihn verlassen und wiederkommen, seinen Impulsen frei folgend. Die "Musik" stoppte immer wieder nach 20 Minuten, machte eine einminütige Pause und begann mit neuen Klang- und Zeitbildern.

Was während so eines dreistündigen Events passiert, weiß vorher niemand. Die Musiker an den Instrumenten - alle haben ihr Metier gelernt, studiert und arbeiten als Berufsmusiker in verschiedenen Bereichen - lassen sich vom Moment mitreißen und kommunizieren mit ihren Instrumenten miteinander. Plötzlich erklangen wilde Läufe auf dem E-Piano (Hans Wolf), die von nicht weniger lauten Hornklängen (Wilfried Krüger) beantwortet wurden. Wie zur Beruhigung strich lmar Guantes seinen Kontrabass und zupfte vorsichtig die Saiten. Weitere Mitwirkenden dieses Abends, der zunächst sehr meditativ, ruhig und getragen begonnen hatte, waren Veronica Hoffmann, Sebastian Loh, Martin Siegler und Dieter Trüstedt mit "Pure Data" am Laptop sowie Ulrike Trüstedt (Bassrohr) und Mona Kreipe als Vorleserin. Jede Performance der Echtzeithalle, auch an diesem Abend, wird aufgenommen und kann nachgehört werden.