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Satire gehört zum Programm:Dafür und auch ein bisschen dagegen

"Die Partei" gründet einen eigenen Freisinger Kreisverband und meint es mit ihren Anliegen bierernst

Europa hat am Samstag das 60-jährige Bestehen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gefeiert. Ein nicht minder bedeutendes Ereignis fand zeitgleich in Freising, im Restaurant "Portofino" statt: Die Neugründung des Kreisverbandes von "Die Partei". Zwar überstieg die Zahl der Tagesordnungspunkte an diesem Abend die Zahl der Anwesenden, dennoch war die Stimmung alles andere als getrübt. Die vier versammelten Gründungsmitglieder blicken überaus zuversichtlich in die Zukunft.

So strebt der gerade neugegründete Kreisverband von "Die Partei" neben einer Teilnahme an den Kommunalwahlen 2020 schon in diesem Jahr die Teilnahme an einer überaus wichtigen politischen Wahl an. Genauer gesagt geht es um die Bundestagswahl im Herbst, bei welcher sie gerne einen Direktkandidaten stellen möchte. Um sich bessere Chancen auszurechnen plant "Die Partei" in Freising eine Kooperation mit ihrem Pendant in Pfaffenhofen. Dieser Kreisverband muss allerdings erst einmal noch offiziell gegründet werden, sodass man sich zunächst einstimmig darauf einigte, den Programmpunkt bis auf weiteres zu vertagen.

Die Partei wünscht sich die Einführung der Faulenquote

Stattdessen widmete man sich wichtigeren Themen. Nachdem Andreas Decker, bis dato parteilos, ohne Gegenstimmen zum Vorsitzenden und Zeljko Matas, ebenfalls bis jetzt parteilos, ohne Gegenstimmen zu seinem Stellvertreter gewählt wurde, ging man zu inhaltlichen Punkten über. "Wir plädieren für die Einführung des individualisierten Bürgerentscheids", erklärte Andreas Decker. Nur Personen, die auch wirklich von einer Entscheidung betroffen seien, dürften an der Abstimmung teilnehmen. "Außerdem sind wir gegen den Bau der Dritten Startbahn", so Decker weiter. Normalerweise seien sie ja eine Partei des "Dafür". Für Tierschutz, für die Beibehaltung der Winterzeit, für die Einführung einer Faulenquote, so ist es zumindest im Bundesparteiprogramm zu lesen. In diesem Fall sei man aber definitiv dagegen. Punkt drei auf der Programmliste behandelt ebenfalls ein lokalpolitisches Thema. Man wolle auch Satire betreiben, da sei es natürlich besonders wichtig, gezielt Freisinger Themen anzusprechen. "Und da wir uns ja bekanntlich auch für den Umweltschutz einsetzten, stimmen wir somit für die Wiederherstellung des Urzustandes der Moosach", fährt Decker fort. Diese solle zukünftig komplett und nicht nur in Teilen geöffnet werden.

Ein Bierbrunnen für Freising und endlich auch weibliche Parteimitglieder

Außerdem fordert "Die Partei" den Bau eines Bierbrunnens in der Innenstadt. Zum einen sei Freising nun mal die Stadt mit der ältesten Brauerei der Welt und das müsse gebührend gewürdigt werden. Zum anderen gebe es ja schon seit längerem Diskussionen über Maßnahmen zur Verschönerung und Aufwertung der Innenstadt. Mit diesem Projekt wolle "Die Partei" nun dazu beitragen. Ganz unabhängig davon sei es ein erklärtes Ziel, Mitglieder zu gewinnen, bekräftigten alle Anwesenden. Vor allem, um die maue Frauenquote des Abends, die exakt null Prozent betrug, aufzubessern.

Außerdem werde man versuchen, in Zukunft gezielt junge Mitglieder zu werben. Auf Facebook seien sei man ja schon präsent, man wolle sich aber medial noch weiter vernetzen. Eine eigene Homepage wäre da auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang. "Die Partei" meint es auf jeden Fall ernst: "Wir müssen uns nicht mit anderen Spaßparteien vergleichen", erklärt Decker zum Schluss und verspricht: "Wir werden unsere Ideen nicht nur halbherzig umsetzten."

© SZ vom 28.03.2017/clli

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