Sanierung Hohe Kosten, ungewisse Zukunft

Nach dem Brand in der Freisinger Altstadt hat die Sanierung der beschädigten Häuser begonnen, fast überall redet der Denkmalschutz mit. Ladenbesitzer klagt über hohe Einbußen

Von Eva Zimmerhof, Freising

Wären da nicht die Männer in den weißen Overalls, die zwischen Tür und Schuttcontainer hin- und hereilen, würde es so aussehen, als wäre nichts geschehen. Dabei sind in der Altstadt wegen des Brandes an der Unteren Hauptstraße Anfang August Tränen und Schweiß bei Mietern und Feuerwehrmännern geflossen. Die teils unter Aufsicht des Denkmalamts stehenden Sanierungsarbeiten werden nun die Handwerker schwitzen lassen, die Kosten dafür treiben einigen Hausbesitzern die Tränen in die Augen.

Mit der Renovierung der vier beschädigten Gebäude an der Unteren Hauptstraße wurde der Freisinger Architekt Reinhard Fiedler beauftragt. Die Nummer 46 war allerdings nur indirekt betroffen durch Ruß- und Rauchschäden. Eine Spezialreinigungsfirma musste ran. "Ruß kriegt man durch Lüften nicht wieder raus", sagt Fiedler. Im Erdgeschoss sei die Situation im Ladengeschäft Mittermeier, "wo es immer gut und frisch nach Schokolade riechen muss", komplizierter gewesen. Wegen der Lebensmittelhygiene musste dort die Decke herausgestemmt werden.

Alles muss raus: Böden, Decken, Türstöcke. An der Unteren Hauptstraße 42 hat sich das Feuer bis ins Dachgeschoss gefressen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weit größeres Pech hatte der Obst- und Gemüsehandel Inkafrucht im Haus Nummer 42: Der Wasserschaden dort wäre "zu einem großen Teil verhinderbar" gewesen, sagt Inhaberin Ingeborg Katt. Anders als bei den Hauptgebäuden, die schon am Tag nach dem Brand Notdächer erhielten, hätten die Sanierungsfirmen das Dach des beschädigten Hinterhauses nicht ausreichend abgedeckt, schildert sie. Die Folge: In der zweiten Nacht nach dem Feuer habe es in Lager- und Büroräume hineingeregnet. "Das Wasser ist nur so reingeschossen", erzählt die Inhaberin. 30 bis 40 Zentimeter hoch sei das Wasser gestanden. Ohne Versicherung sei der Schaden eine "große Belastung" für den seit über 30 Jahren ansässigen Familienbetrieb.

Das Feuer, das auf einem Balkon der Nummer 42 seinen Anfang nahm, hatte sich an der Rückseite des denkmalgeschützten Gebäudes bis ins Dachgeschoss gefressen. Obwohl nur der hintere Teil zerstört ist, sieht sich Besitzer Franz Fuchs dazu gezwungen, über eine Generalsanierung nachzudenken. Allerdings werde er abwarten, was das Gutachten der Statiker konkret fordere, "damit das Haus nicht zusammenkracht", so Fuchs. Heizung, Wasserinstallation, Elektrik, Sanitär sollen in jedem Fall erneuert werden.

Der Lagerraum des Geschäfts "Inkafrucht" ist unbrauchbar, wie es mit dem Laden weitergeht, wissen die Inhaber noch nicht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Als "Chance" sieht Architekt Fiedler die Lage. "Spätestens alle 50 Jahre muss ein Gebäude sowieso saniert werden." Franz Fuchs und Ludwig Kropp stehen allerdings vor dem Problem, dass sie damit überrumpelt wurden. Die Besitzer von beschädigten Baudenkmälern haben Brandschutzversicherungen, die für Reparaturen des Brandschadens und auch Mietausfälle zahlen. Für Verbesserungen wie "Parkettboden statt Laminat" müsse er jedoch selbst aufkommen, sagt Kropp von der Erbengemeinschaft der Hausnummer 44, bei der das Feuer vor allem den Dachstuhl versengte. Architekt Fiedler berät bei den Gestaltungmöglichkeiten - soweit der Denkmalschutz solche zulässt: "Ob in die 44 wieder eine WG kommt oder pro Stockwerk eine Wohnung entsteht, ist noch offen."

Teuer zu stehen kommt die Besitzer, dass sie sich an Denkmalschutzbestimmungen halten müssen. "Ein neuer Dachstuhl wäre deutlich günstiger, als den alten zu sanieren", ärgert sich Fuchs über die Mehrkosten. Für ihn bedeutet die aufwendige Sanierung auch ein "zeitliches Problem". Jeder einzelne Balken wird derzeit vermessen. Putz und Tapeten müssen von den Wänden geholt, Teppichböden und oft viele weitere Bodenschichten müssen entfernt werden. Für jeden Schritt muss der Architekt die Erlaubnis des Landesamtes für Denkmalpflege einholen, immer wieder sind neue Gutachten notwendig. Doch Fiedler hat Geduld: "Es ist spannend, die einzelnen Bauphasen in den alten Gebäuden zu entdecken." Im Stadtarchiv stellt er unterdessen Nachforschungen zur Bauhistorie der Häuser an, und findet so heraus, wie verschiedene Besitzer diese im Laufe der Zeit verändern ließen.

Das Feuer am 3. August hatte einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst.

(Foto: Marco Einfeldt)

Besser getroffen als die anderen Hausbesitzer hat es Stefan Schwingshandl, dem der Eckbau mit der Nummer 40 gehört. Dessen oberen drei mit Löschwasser vollgesogenen Etagen lässt er gerade entkernen. "Vor einer Woche kam der Bescheid, dass mein Haus aus der Liste der Baudenkmäler gestrichen ist", sagt Schwingshandl. Nicht jedoch wegen des Brandschadens, sondern "wegen der baulichen Veränderungen durch den Vorbesitzer". Denkmalschutzauflagen gilt es daher zumindest bei der Innensanierung nicht zu beachten. An der Außenfassade, die unter Ensembleschutz stehe, werde sowieso nichts verändert, verspricht Schwingshandl, der den Schaden in seinem Haus auf eine halbe Million Euro schätzt. Er hoffe, dass die Versicherung dafür aufkommen werde. Viele Verbesserungen müsse er an dem Gebäude nicht vornehmen, das zuvor in einem "ordentlichen Zustand" gewesen sei.

Luxusapartments beziehungsweise "goldene Wasserhähne" plant der Besitzer indes nicht: "Die Miete hat bisher bei elf Euro pro Quadratmeter gelegen, das wird auch bei dieser Größenordnung bleiben." Eventuell würden sogar einige der vorherigen Mieter wieder einziehen. Diese müssen sich allerdings noch gedulden, laut Fiedler ist die Nummer 40 erst in etwa einem Jahr bezugsfertig. Für die beiden Baudenkmäler rechnet der Architekt mit einer Sanierungszeit von je eineinhalb Jahren.

Zukünftig eine andere Mieterklientel anzusprechen, plant auch Vermieter Fuchs nicht. Er sorgt sich vielmehr um das Geschäft Inkafrucht: Dieses habe jetzt schon hohe Einbußen zu verkraften. "Wenn die Baumaßnahmen beginnen, wird es nicht einfach für die Besitzer", so Fuchs. Vielleicht werde man nach einer vorübergehenden Lösung suchen müssen. Pläne, wie sie größere Sanierungsarbeiten überstehen können, haben Ingeborg und Ulrich Katt, die ihre Waren zum Teil selbst anbauen, noch keine. "Es steht ja noch nicht fest, was auf uns zukommen wird", sagt Ulrich Katt. Doch die Lage an der Hauptstraße sei "für das Geschäft entscheidend". In die leere Fischergasse zum Beispiel gehe heutzutage niemand mehr, ergänzt seine Frau. "Und das ist das Wichtigste: dass unsere Kunden weiterhin kommen."