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Säkularisation in Freising:Aufbruch in eine neue Zeit

FREISING: Impressionen DOMBERG / Dom-Berg

Das geistliche Zentrum in Freising verlor nach der Säkularisation seine Bedeutung. Klöster wurden geschlossen. 1803 begann die kurfürstliche Regierung, Kirchen und Kapellen zu schließen und abzureißen.

(Foto: Johannes Simon)

Die Säkularisation hat Freising nachhaltig verändert. Klöster mussten schließen, Kirchen wurden abgerissen, sogar der Dom war in Gefahr. 1821 entstand dann das Erzbistum München und Freising - für die Gläubigen damals kein Grund zum Feiern, 200 Jahre später ist das anders

Von Peter Becker, Freising

"Aufklärung und Säkularisation bringen neue Trübsal." Mit diesen Worten überschreibt Domkapitular Michael Hartig im Oktober 1939 in seiner Festschrift zum 1200-jährigen Bestehen des Bistums Freising das Kapitel, das sich mit der Gründung des Erzbistums München und Freising vor 200 Jahren befasst. Diese wird 2021 gefeiert. Damals war den katholischen Gläubigen und dem Klerus allerdings wenig zum Feiern zumute.

Das Fürstbistum hatte sich von den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs, der in der Region von 1632 bis 1648 wütete, gut erholt und war neu erblüht. Doch "seit der Französischen Revolution drohte immer stärker das kommende Gespenst der Säkularisation, einer Frucht der Aufklärung", beschreibt Hartig die Gemütslage im Fürstbistum zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das hatte 1802 der bayerische Kurfürst Max Joseph aufgehoben.

Das geistliche Zentrum in Freising verlor seine Bedeutung. Klöster wurden geschlossen. 1803 begann die kurfürstliche Regierung, Kirchen und Kapellen zu schließen und abzureißen. Am 22. April 1803 fand im Mariendom der vorläufig letzte Gottesdienst statt. Es war das Requiem für den letzten Fürstbischof Josef Konrad, der am 4. April 1803 in Berchtesgaden gestorben war. Einen Tag später war die Tür zum Dom zugesperrt. Sogar dessen Abriss wurde in Erwägung gezogen.

"Schwierige Amtsgeschäfte"

Bis zur Wiederbesetzung des Bischöflichen Stuhls beauftragte der zuständige Erzbischof von Salzburg das bisherige geistige Ratskollegium mit der Weiterführung der Geschäfte. Seit 1815 führte die oft "schwierigen Amtsgeschäfte", wie Hartig schildert, Generalvikar Josef Heckenstaller, nach dem in Freising eine Straße benannt ist. Hartig nennt ihn einen "wahrhaft vorbildlichen Priester". Zu diesem Zeitpunkt war der Freisinger Dom seit zehn Jahren wieder geöffnet. General De Verdieu hatte ihn 1805 anlässlich des Geburtstags des französischen Kaisers Napoleon am 15. August aufsperren lassen.

In den Jahren 1808 bis 1816 griff der Staat wiederum in die Belange der Diözese Freising ein. Zunächst erhielt diese vom Erzbistum Salzburg dessen Gebiet links der Salzach zugewiesen. 1815 wurde Napoleon bei Waterloo geschlagen und in die Verbannung geschickt. Aufgrund der politischen Umwälzungen kamen die links der Salzach gelegenen Gebiete des Erzbistums Salzburg zur Diözese Freising hinzu. Der Bischofsstuhl blieb nach wie vor verwaist.

Neue Pläne für das alte Bistum

In seiner alten Form sollte das Bistum Freising nicht mehr entstehen. Längst gab es Pläne für ein Erzbistum München. "Durch das am 5. Juni 1817 zwischen dem Apostolischen Stuhl und dem König von Bayern (Ludwig I., Anmerkung d.Red.) abgeschlossene Konkordat wurde aus dem alten Bistum Freising und den von Salzburg, Chiemsee und Berchtesgaden neu hinzugekommenen Gebieten das Erzbistum München und Freising gebildet und die Frauenkirche in München zur Metropolitankirche bestimmt", schreibt Hartig.

Es tauchten aber immer wieder Schwierigkeiten auf. Es dauerte deshalb bis zum 1. November 1821, bis die Beschlüsse des Konkordats in die Tat umgesetzt wurden. Bereits 1818 hatte der damalige Papst Pius VII. Lothar Freiherr von Gebsattel als Erzbischof der neuen Erzdiözese München und Freising bestimmt. 1821 wurde er endlich in sein Amt eingeführt. Erst damit war die Aufgabe des Freisinger Generalvikariats der geistlichen Regierung beendet.

Heckenstaller hatte sein Amt als deren Generalvikar bereits 1818 beendet und wurde erster Dekan des neuen Münchner Metropolitankapitels. Der Sitz des Generalvikariats und der bischöflichen Kanzlei waren schon im Oktober 1821 nach München verlegt worden. Papst Pius VII. griff 1822 in den Zuschnitt des neuen Erzbistums ein und schlug die Dekanate Neuötting sowie Burghausen dem Bistum Passau zu.

Der Mariendom bleibt bestehen

Hartig kommt zu dem Schluss, dass die vom Heiligen Bonifatius 739 gegründete Diözese als Erzdiözese neu erstanden ist. Fast deren ganzes altes Gebiet war in dem neuen Gebilde aufgegangen. Der Name Freising blieb als Zuname der neuen Erzdiözese erhalten. Der Mariendom war nach dem Willen von Papst Pius VII. geblieben. Vom 16. bis 24. Oktober 1824 wurde dort das 1100-jährige Korbiniansjubiläum als erstes großes Fest der neuen Erzdiözese gefeiert. 1826 entstand auf dem Domberg das Priesterseminar des neuen Erzbistums. König Ludwig I. überließ diesem die ehemalige bischöfliche und seit dem Jahr 1803 königliche Residenz in Freising. Am 20. Dezember 1834 eröffnete das Lyzeum für die Priesterkandidaten des Erzbistums.

"So war Freising wieder mehr in den Mittelpunkt der Diözesaninteressen gerückt, ganz abgesehen davon, dass auch in der alten Domkirche alle Jahre der Erzbischof das Korbiniansfest feiert und die Neupriester weiht." Mit diesen Worten beendet Hartig sein Kapitel über die Gründung des Erzbistums München und Freising.

© SZ vom 05.06.2021
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