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Rufbus im Landkreis Freising:Von der Disco sicher nach Hause

Viele Ehrenamtliche sind aktiv, damit das Rufbussystem für Jugendliche am Wochenende funktioniert. Derzeit freilich ruhen die Aktivitäten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit 2002 können sich junge Leute am Wochenende im Landkreis vom Rufbus abholen lassen. Die Fahrer-Teams sind mit Taschenlampe und Mülltüten für alle Eventualitäten gerüstet.

Von Nadja Tausche, Freising

Eine Straßenkarte und die Formulare für potenzielle neue Fahrer sind bei jeder Fahrt dabei. Sie sind in einem Koffer verstaut, der in der Zentrale des Rufbusses in Freising auf seine nächste Fahrt wartet. Darin ist auch eine Taschenlampe - falls jemand im Bus zum Beispiel seinen Geldbeutel unter die Sitze fallen lässt - sowie Mülltüten, Küchenrolle und Einweghandschuhe: "Wir sind darauf vorbereitet, dass sich auch mal jemand übergeben muss", sagt Victor Weizenegger, der den Betrieb beim Rufbus leitet. Manche der Fahrgäste seien schließlich betrunken.

Der Rufbus Freising bringt in den Wochenendnächten junge Menschen von einem Ort zum anderen. Wer ihn braucht, ruft in der Zentrale an oder kann den Bus mittlerweile auch per Android-App buchen. Das Ziel: "Wir wollen jungen Leuten die Möglichkeit geben, wegzugehen und unabhängig von ihren Eltern zu sein", sagt Weizenegger. Der Rufbus verhindere auch, dass Jugendliche bei betrunkenen Freunden ins Auto steigen oder selbst in dem Zustand fahren.

Neue Fahrer dringend gesucht

Seit dem Jahr 2002 gibt es das Angebot im Landkreis Freising. Angenommen werde es gut, sagt Weizenegger: Der Bedarf sei da. Derzeit sucht man beim Rufbus aber händeringend nach Fahrern. Früher seien teilweise acht Fahrzeuge im Einsatz gewesen, derzeit habe der Verein ein eigenes und könne bei Bedarf vier weitere anmieten. "Die Helfer sind aber der limitierende Faktor", so der stellvertretende Vorsitzende. Die Helfer, das sind die Busfahrer, die immer Freitag- und Samstagnacht ehrenamtlich im Einsatz sind. Der Stamm besteht derzeit aus zehn bis 20 Leuten, bei jeder Fahrt braucht es außerdem einen Beifahrer.

Haben sie gerade keinen Einsatz, warten sie in der Zentrale. Dort gibt es eine Küchenzeile, Kaffee und Saft, Fernseher. Auf einem Schreibtisch stehen drei Bildschirme und drei Telefone: Dort sitzt der sogenannte Disponent, er weiß, auf welchen Routen die Busse fahren und wann sie wo gebucht wurden. Wenn die Helfer abends anfangen, stehe die Route für die Nacht oft schon fest, erklärt Weizenegger: Am besten buche man schon vor dem Weggehen den Bus für die Heimfahrt. Oft kämen aber auch spontan neue Aufträge dazu oder fielen auch mal weg: Die jungen Leute seien spontaner geworden.

Meist fährt der Rufbus in Richtung Hallertau

Der typische Fahrgast des Rufbusses ist zwischen 16 und 20 Jahre alt und will nach Hause. Innerhalb Freisings wird der Rufbus selten gebraucht, in Richtung Hallertau dafür umso mehr. Mitfahrer zahlen zwischen einem und vier Euro pro Fahrt, pro vier Kilometer Luftlinie Entfernung ist es ein Euro. Ältere Fahrgäste nehme man nicht gerne mit, sagt Weizenegger: Der Rufbus werde schließlich großteils von der Jugendhilfe des Landratsamtes finanziert, man sei für junge Leute da. Zuschüsse bekommt der Verein außerdem von zwei Banken, der eigene Bus wurde vom Lions-Club gesponsert. "Die Förderung ist da und der politische Wille, diese Förderung aufrechtzuerhalten, auch", sagt Weizenegger. Sorgen macht ihm aber die Regelung, dass sowohl Fahrer als auch Beifahrer mittlerweile ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen. Dadurch sei der Aufwand, als Rufbusfahrer einzusteigen, höher.

Ursprünglich hatte der Kreisjugendring Freising die Trägerschaft für den Rufbus inne. Irgendwann habe man aus rechtlichen Gründen einen eigenen Verein gegründet, den Subfur e. V., erzählt Simon Schindlmayr, Vorsitzender des Rufbusses - er war damals im Vorstand des Kreisjugendrings und von Anfang an beim Rufbus dabei. "Die Nachfrage war immer gut", sagt er, heute wie damals. Geändert habe sich das Verhalten der jungen Leute - und zwar zum Positiven: "Die bedanken sich aktiv", seien höflich, früher sei das oft anders gewesen.

Regionalbusse sind keine Konkurrenz

Sollte nun der Landkreis die regulären Busverbindungen ausbauen, damit nicht der Rufbus mit seinen Ehrenamtlichen deren Aufgaben übernehmen muss? "So intensiv kann man die Busverbindungen gar nicht ausbauen, dass das wirklich attraktiv ist", meint Weizenegger. Kleine Orte für die wenigen Fahrgäste nachts vernünftig anzubinden, lohne sich oft nicht. Wenn er einen Wunsch für den Rufbus frei hätte, würde er die Zahl der ehrenamtlichen Helfer verdreifachen. Um dem näherzukommen, macht der Verein gerade Werbung.

Die Fahrer zu bezahlen und die Arbeit so attraktiver zu machen, daran habe man auch schon gedacht - "aber uns geht es um den Gedanken des bürgerlichen Engagements", die Fahrer sollten das gerne machen. Und das täten sie auch. Es seien die kleinen Erfolgserlebnisse, die Spaß machten: Einmal habe ein Mädchen angerufen, sie stehe vor einer Disco in Oberhaindlfing - und ihr Freund könne nicht mehr gerade stehen. Man habe sofort einen Bus hinschicken können: "Ich weiß nicht, was die sonst gemacht hätte", sagt Weizenegger. Es sei ein gutes Gefühl, nach der Schicht zu wissen, dass alle sicher heimgekommen sind.

Die Lokalausgaben der Süddeutschen Zeitung suchen im Oktober gemeinsam mit dem MVV den Busfahrer oder die Busfahrerin des Jahres. Teilnahmecoupons liegen in allen Regionalbussen aus. Ihren Favoriten oder ihre Favoritin können Fahrgäste aber auch per Mail vorschlagen: busfahrer-aktion@mvv-muenchen.de.

© SZ vom 31.10.2019
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