Rück-Übernahme vor dem Scheitern Tauziehen um Müller-Brot

Eigentlich wollte der frühere Eigentümer Ostendorf die insolvente Großbäckerei Müller-Brot zurückkaufen. Nun steht die geplante Übernahme offenbar kurz vor dem Scheitern - eine als unverzichtbar geltende Finanzierungsbestätigung fehlt. Die unterlegenen Bieter würden sofort übernehmen.

Von Katja Riedel

Die geplante Rück-Übernahme der insolventen Großbäckerei Müller-Brot durch den ehemaligen Mehrheitseigner Klaus Ostendorf und mehrere seiner Manager steht offenbar kurz vor dem Scheitern. Ostendorf und sein bisheriger Finanzgeschäftsführer Stefan Huhn hatten nach der Entscheidung des Gläubigerausschusses in der Nacht zum Donnerstag lediglich eine verbindliche Kaufabsicht unterzeichnet.

Die Übernahme von Müller-Brot durch Klaus Ostendorf steht vor dem Scheitern. Am Montag meldeten sich 155 Ex-Angestellte bei der Freisinger Arbeitsagentur arbeitslos.

(Foto: dapd)

Noch in der Nacht war ein Vertrag ausgearbeitet worden, den die beiden künftigen Gesellschafter bei einem Notar hätten unterzeichnen müssen. Dies ist bislang nicht geschehen. Eine als unverzichtbar geltende Finanzierungsbestätigung, die sie bereits am Donnerstag hatten vorlegen wollen, haben sie ebenfalls nicht herbeigebracht. Am Montag, 18 Uhr, endete die Frist, bis zu der beides vorliegen musste. Beteiligte rechneten nicht mehr damit.

In diesem Fall würde der Gläubigerausschuss neu entscheiden, hieß es aus Unternehmenskreisen. Es bestünden große Zweifel, dass Huhn und Ostendorf die nötigen Sicherheiten zusammenbekämen. Nach jetzigem Stand müssten sie Darlehen oder Bürgschaften in Höhe von zunächst 22 Millionen Euro vorlegen, um die Kaufsumme - die Übernahme von Altverbindlichkeiten bei der Commerzbank sowie etwa 3,5 Millionen Euro für 151 Filialen - zusammen zu bekommen.

Zudem benötigt das Unternehmen dringend zusätzliche Liquidität für das laufende Geschäft: für Backzutaten, mit denen nach einer möglicherweise schon in den nächsten Tagen wieder freigegebenen Produktion Brezen gebacken werden könnten. Geld braucht die Firma auch für Löhne und Mieten sowie die Umsetzung eines Hygienekonzeptes.

Hunderte gekündigte Mitarbeiter melden sich beim Arbeitsamt

Ob die Commerzbank, die erst im Herbst und in angespannter finanzieller Lage bei Müller-Brot eingestiegen war, dieses Finanzierungsrisiko weiterhin übernehmen will, blieb am Montag noch völlig unklar. Dem Vernehmen nach haben die Verantwortlichen der Bank bis in den späten Abend mit Ostendorf und dem Insolvenzverwalter Hubert Ampferl zusammengesessen. Eine Entscheidung soll nicht gefallen sein. Ampferl trägt seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. April das volle Risiko und haftet persönlich.

Deshalb soll er, der formal zur Neutralität verpflichtet ist, über die Entscheidung für Ostendorf und Huhn unglücklich gewesen sein. Im Gläubigerausschuss hatte sich die Commerzbank, für viele unverständlich, eindeutig zugunsten der alten Führungsriege positioniert und gegen ein von Experten als weit aussichtsreicher beurteiltes Konkurrenzkonzept der Gründertochter Evi Müller und des Münchner Bäckers Franz Höflinger. Dieses hatte auch die Insolvenzverwaltung befürwortet.

Mit der Entscheidung für Huhn/Ostendorf bekäme die Commerzbank - im günstigsten Fall - zwar 18,5 von 25 Millionen Euro zurück. Sie müsste aber selbst neu finanzieren - und ein immens hohes Risiko eingehen. Sie könnte noch mehr abschreiben, sollte der Kunde kein Vertrauen in Müller-Brot fassen.

Evi Müller und Franz Höflinger wollen etwas weniger zahlen, aber mehr als 20 Millionen Euro in das Unternehmen investieren, mit Hilfe privater Geldgeber. Hierfür sollen bereits Bestätigungen vorliegen. Sie sollen bereitstehen, sofort zu übernehmen. Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass Geschäftspartner den Ostendorf-Deal torpedieren.

So steht die Fabrik auf Erbpachtgelände - ob der Eigentümer einen neuen Vertrag mit Ostendorf schließt, ist unklar. Auch ist nicht gewiss, dass alle Filialvermieter neue Verträge unterzeichnen. Einige Filialen wurden am Montag nur lückenhaft mit Backwaren beliefert. Am Freitag hatte das Management die Pächter auf Engpässe vorbereitet. Am Montag meldeten sich 155 Ex-Angestellte bei der Freisinger Arbeitsagentur arbeitslos, bis Mitte der Woche werden alle 506 im Landkreis Betroffenen erwartet.