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Naturschutz trifft Landwirtschaft in Rudelzhausen:Lieber ein bisschen weniger verdienen

Pestizid- und Düngereinsatz sowie Bodenerosion sind die ökologischen Probleme, die der Anbau von Hopfen mit sich bringt. Nicht nur Bio-Hopfenbauern suchen Alternativen, auch viele konventionelle Landwirte versuchen, zu minimieren. Georg Brunner gibt sich besondere Mühe - und wird öfter mal ausgebremst.

(Foto: Marco Einfeldt)

Hopfenbauer Georg Brunner zeigt während eines Rundgangs, dass Naturschutz und konventionelle Landwirtschaft doch harmonieren können. Er nimmt dafür finanzielle Nachteile in Kauf.

Von Alexandra Vettori, Rudelzhausen

Zur Begrüßung hat Hopfenbauer Georg Brunner Blätter von Trieben aus seinem Hopfengarten auf einen Tisch gelegt, darauf tummeln sich Marienkäferlarven und Marienkäfer. Brunner will den Gästen an diesem Sonntag zeigen: Artenschutz und konventionelle Landwirtschaft, das geht durchaus zusammen. 35 Interessierte hatten sich auf Einladung des Bundes Naturschutz Freising eingefunden, darunter viele Landwirte. Denn das Thema der Exkursion, "ein Jahr Volksbegehren für Artenvielfalt", brennt ihnen nach wie vor auf den Nägeln.

Das war die gesamte Tour über zu spüren: Sobald die Gruppe anhielt, entspannen sich hitzige Debatten, der Geschäftsführer des Bundes Naturschutz, Manfred Drobny, hatte immer wieder Mühe, sich Gehör zu verschaffen. In einem Punkt allerdings war man sich einig: Die kleinen und mittleren Bauernhöfe wollen alle behalten, die Bauern natürlich, aber auch die Naturschützer. Die Weichen der EU aber stehen, allen Ankündigungen zum Trotz, immer noch nicht entsprechend. Denn eine echte Förderung für Artenvielfalt gibt es nicht. Er sei sicher eine Seltenheit, räumte Brunner ein, als konventioneller Bauer und Mitglied im Bund Naturschutz. Doch er habe sich schon früher viele Gedanken gemacht, wie sein Hopfengarten Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein könne. Ja, er spritzt chemische Mittel, etwa gegen Läuse und die Rote Spinne, trotzdem tummeln sich viele Florfliegen und Marienkäfer hier. So viele, dass Brunner heuer wohl nicht noch einmal spritzen muss, denn die nützlichen Insekten fressen die Schädlinge, und das gratis.

Viel diskutiert wurde bei der Exkursion in und um den Hofengarten von Georg Brunner (2.von rechts).

(Foto: Privat)

Sowohl Naturschützer als auch Bauern wollen die kleinen und mittleren Höfe behalten

Weil Brunner Naturschutz und Artenvielfalt am Herzen liegen, macht er vieles, was ihm wirtschaftliche Nachteile verursacht. Zum Beispiel auf der Wiese am Hang über seinem Hopfengarten. Wunderschön blüht es da, sattpink leuchten ganze Teppiche der geschützten Heidenelke. "Die Fläche ist so schön, weil ich mich nicht an die Regeln gehalten habe", sagt Brunner. Dafür hat er jetzt den "Ackerstatus" für die zwei Hektar verloren, der ihm höhere Fördersätze brächte. Dafür aber hätte er die prachtvolle Wiese umackern müssen, spätestens nach fünf Jahren. Brunner wollte das nicht, jetzt ist es offiziell "Wiese" - mit niedrigeren Fördersätzen. Hier wäre ein neuer "Naturstatus" als Kategorie ein Anreiz, der, hoch genug dotiert, sicher mehr Landwirte motivieren würde. Ein Teilnehmer muss sich richtig aufregen: "So was müsste man den Leuten aus Minga zeigen: Schaut's Euch das an, für so eine Wiese haben wir den Ackerstatus verloren, jetzt zahlt ihr! Der bucklige Radweg bei Kirchdorf interessiert ja jetzt auch auf einmal alle!" Auch Drobny wünscht sich eine bessere Honorierung von Naturinitiativen.

Daneben bewirtschaftet ein anderer Landwirt extensives Grünland. Hier wachsen Pechnelke, Wiesenschlüsselblumen, "typische Holledauer", wie Drobny erklärt. Ideal wäre es, wenn das Mähgut abgefahren würde, doch die Bauern wissen nicht, wohin. So wird es gehäckselt und auf der Wiese gelassen, mulchen heißt das im Fachjargon. Ideal für die Blümchen ist das nicht, sie würden ohne den vergammelnden Grasschnitt besser wachsen. Für andere Landwirte mit Nutztieren ist der Schnitt uninteressant, auf den Feldern wäre es als Düngung ok, aber dazu müsste der Landwirt einen Antrag stellen. "Da hat man dann einfach keine Lust mehr", sagt er.

Auch im Hopfengarten fühlt sich Brunner in Sachen Artenvielfalt ausgebremst. Denn zwischen den Hopfenstangen lässt er wachsen, was eben so wächst, Gräser, Vogelmiere, Ehrenpreis, Taubnesseln. "Im Frühjahr blüht es hier und es sind viele Insekten da", erzählt er. Genau genommen aber unrechtmäßig; denn weil Rudelzhausen in einem roten Gebiet nach der Düngeverordnung liegt und die Nitratwerte im Grundwasser zu hoch sind, gelten auch für Hopfengärten Vorgaben. So muss Brunner zwischen den Hopfenreihen eine Stickstoff-zehrende Kultur pflanzen. Ob das die Artenvielfalt fördert, spielt keine Rolle.

© SZ vom 15.07.2020
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