Rettet die Bienen Jetzt am Ball bleiben

Man will den Schwung vom Volksbegehren mitnehmen.

(Foto: dpa)

Das Freisinger Aktionsbündnis für das Volksbegehren zum Artenschutz will den aktuellen Schwung nutzen, um auf kommunaler Ebene Projekte anzustoßen. Flächen könnten grundlegend aufgewertet werden.

Von Petra Schnirch, Freising

Die Freude über den Erfolg des Volksbegehrens zum Artenschutz ist groß, dennoch will sich das Freisinger Organisationsteam nicht zurücklehnen und abwarten. Der aktuelle Schwung soll genutzt werden, um auf kommunaler Ebene Projekte anzustoßen. Außerdem sei es nötig, über die Rahmenbedingungen zu sprechen, sagte Christine Margraf, Artenschutzreferentin des Bundes Naturschutz für Südbayern, am Donnerstag bei einem Treffen des Trägerkreises. Mit einer Änderung des Naturschutzgesetzes allein sei es nicht getan.

Verbessert werden müsse beispielsweise die desaströse Situation in den Naturschutzbehörden, forderte Margraf. Auch daran müsse sich Ministerpräsident Markus Söder dann messen lassen. Darüber hinaus sollte Bayern seine Position bei den laufenden Verhandlungen zur EU-Agrarpolitik einbringen. Auch weit über Bayern hinaus hat der Ausgang des Volksbegehrens für Aufsehen gesorgt: "Wir haben es sogar in die internationale Presse geschafft", bilanzierte Margraf.

Mitarbeiter an wissenschaftlichen Instituten wie der Landesanstalt für Landwirtschaft können Tipps zur Förderung der Artenvielfalt geben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch im Landkreis lässt sich aber einiges machen, darin waren sich die Aktivisten des Trägerkreises einig. Stadt- und Gemeinderäte müssten sich mit dem Thema befassen, um substanzielle Verbesserungen auf kommunalen Flächen zu erreichen. Das sei ein "zusätzlicher Effekt und toller Gewinn" des Volksbegehrens. In der schon bald beginnenden Gartensaison könne man Gartenbesitzern vermitteln, wie sie ihren Außenbereich insektenfreundlich gestalten. Zudem sollte auf lokaler Ebene der Dialog mit den Landwirten geführt werden, ergänzte Ulrich Vogl (ÖDP).

Geplant sind weitere Veranstaltungen. Wissenschaftler sollen nach Möglichkeit eingebunden werden. Auch für einen Volksentscheid will das Organisationsteam am Ball bleiben. Der Kreis der Aktiven müsse sich "verstetigen", zur festen Einrichtung werden, "sonst versumpft das wieder", sagte Bernd Sutor, der als Lotse vor dem Freisinger Rathaus dafür warb, dass sich die Bürger in die Listen eintrugen. Er selbst sei anfangs skeptisch und "ein bisschen parteiverdrossen" gewesen, gibt er zu. Seine Erfahrungen während der zweiwöchigen Eintragungsfrist für das Volksbegehren waren, wie auch die seiner Mitstreiter, ausgesprochen positiv. Das Interesse am Thema Bienen- und Insektensterben sei groß. Er habe auf der Straße "offene Türen eingerannt". Mit einem Ergebnis von 18,5 Prozent liegt der Landkreis 0,1 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. In der Stadt Freising waren es sogar 23,4 Prozent.

„Mehr Fakten, weniger Emotionen“

Viele konventionelle Landwirte sehen das Ergebnis des Volksbegehrens äußerst kritisch. So auch Georg Radlmaier, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Seiner Meinung nach hat man bei dem Volksbegehren zu wenig mit der Vernunft, dafür aber viel mit Stimmungen und Emotionen gearbeitet. Einige der geforderten Punkte sehe er sehr problematisch, sagte der Landwirt, so etwa die zeitlichen Einschränkungen für das Walzen und Mähen von Wiesen. Besonders machen ihm aber die bis 2030 angestrebten 30 Prozent an Biolandfläche zu schaffen. "Ich weiß nicht, wie man das machen soll", sagt Radlmaier. Erstens gebe es aktuell keine derart große Nachfrage nach Bioprodukten und zweitens könne bei einer Umwandlung von konventioneller in ökologische Fläche viel weniger Nahrung produziert werden als bisher. Das könnte zu Engpässen führen, befürchtet Radlmaier.

Er hoffe auf "vernünftige Gegenvorschläge" bei den Gesprächen. Es wäre schön, wenn der Bauernverband stärker in die Gespräche involviert werde, um seine Sicht zu erklären, sagt Radlmaier. Erstrebenswert sei eine Lösung, bei der nicht nur die Landwirte zur Verantwortung gezogen würden. Oft schaue man zu einseitig auf die Bauern und beachte zu wenig, dass auch die Kunden Verantwortung tragen, etwa beim Kauf von nicht-saisonalem Obst und Gemüse aus dem Ausland. "Mehr Fakten und weniger Emotionen", das wünsche er sich. raos

Das Engagement der Unterstützer geht quer durch Umweltverbände und Parteien. Man erreiche dadurch mehr, als wenn man es nur auf Parteiebene versuche, bilanzierte Alina Graf (SPD). Die Kindergruppen der Naturfreunde engagierten sich in ihrer Gruppenstunde ebenfalls als Rathauslotsen, wie Sepp Rohrer berichtete. Auch mit Landwirten, die sich gegen das Volksbegehren positioniert hatten, seien an Infoständen gute Gespräche zustande gekommen, sagte Imker Marco Gasperini. Viele Landwirte hätten Angst, wie es mit ihren Betrieben weitergehe. Sie wüssten gar nicht, dass es an den Landwirtschaftsämtern Spezialisten für Diversifikation gebe, die Landwirte beraten. Georg Brunner aus Rudelzhausen zählt zu wenigen konventionell wirtschaftenden Bauern, die das Volksbegehren unterstützten, und stellte in seiner Gemeinde Plakate auf. "Ich sehe das als Chance, was jetzt kommt", sagte er. Der Bayerische Bauernverband ziehe bei vielen nicht mehr.

Das Team werde in jedem Fall zusammenbleiben, kündigte Vogl an, bis das gemeinsame Ziel erreicht sei. "Wir lassen uns nicht auseinander dividieren."