"Alter Wirt" in Fahrenzhausen Letzte Hoffnung Christian Rach

Die Schulden im "Alten Wirt" werden immer mehr: 250.000 Euro haben sich in den Jahren angesammelt. Jetzt hoffen die Wirtsleute Izabella und Florian Spiegelberger Hilfe von Sternekoch Christian Rach. Doch der hat sich noch nicht entschieden.

Von Kerstin Vogel

Sie stehen an einem Wendepunkt, das sehen Izabella und Florian Spiegelberger ganz klar: Vor zwei Jahren hat das Paar den Alten Wirt in Fahrenzhausen übernommen, doch die Bilanz ist grausam: 250.000 Euro Schulden haben sich aufgetürmt, der Traum von der eigenen Gastwirtschaft ist in Gefahr. Rettung soll nun einer bringen, der sich mit so etwas auskennt: Sternekoch Christian Rach, der für den Fernsehsender RTL als "Restauranttester" vor laufenden Kameras versucht, marode Gasthäuser mit neuen Konzepten vor dem Untergang zu bewahren. Die Spiegelbergers haben sich für die Serie beworben und hoffen inständig, dass der große Kollege aus Hamburg ihren Fall interessant genug findet und ihnen eine Folge widmet.

Zu wenig Gäste: Der Alte Wirt in Fahrenzhausen kämpft ums Überleben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Selber können sie sich nicht erklären, warum es nicht läuft. Tatsächlich wundert man sich: Der Alte Wirt, 1640 erstmals urkundlich erwähnt, präsentiert sich heute als schmucke Dorfgaststätte. Erst vor 20 Jahren hat die Gemeinde als Besitzerin in eine Sanierung investiert. Mit 40 Plätzen in der Gaststube und 30 im Nebenzimmer ist der Betrieb weder überdimensioniert, noch zu klein. Im Sommer kann zusätzlich der Biergarten geöffnet werden. 70 Besucher und mehr finden hier Platz, es gibt einen kleinen Kinderspielplatz - nur muss natürlich das Wetter stimmen. Vielleicht trug bislang auch nicht zur Gemütlichkeit bei, dass der Bauhof der Gemeinde im Stadl quer über den Hof untergebracht ist, doch das wird bald anders; der Umzug in einen Neubau an der B301 steht bevor.

Und natürlich erklärt der nahe Bauhof nicht, warum es im Restaurant nicht läuft, das weiß Florian Spiegelberger. Nur was ist es dann? Die Lage ganz sicher, man muss abbiegen von der Bundesstraße, an der die Konkurrenz wirbt, muss bis zur alten Dorfkirche fahren, das ist ein Problem. Mangelnde Fachkenntnis kann man den Spiegelbergers dagegen nicht vorwerfen, er ist Hotelfachmann, sie Restaurantfachfrau - und bis Ende November 2011 beschäftigte das Paar auch einen Koch. Dann konnten sie den Mann nicht mehr bezahlen, seither kocht Florian Spiegelberger. Nun macht es sich zumindest bezahlt, dass er von Anfang an in der Küche mitgearbeitet hat, seine Nase in die Kochtöpfe steckte. Das Essen komme bei den Gästen gut an, sagt er, auch wenn er ein bisschen zittert, sollte Rach nun kommen und seine Kochkunst kritisieren. Trotzdem würde ihm gerade die ehrliche Meinung des Experten helfen, vermutet der 35-Jährige.

Ein Experte eben, der dann vielleicht auch weiß, was am Konzept der Spiegelbergers nicht stimmt. Die nötige Leidenschaft bringen sie mit, daran gibt es keinen Zweifel. Als sie sich im Sommer 2009 um die Wirtschaft beworben haben und das alte Haus zum ersten Mal sahen, war ihnen gleich klar, dass es das sein soll. "Von außen jedenfalls", schränkt Izabella ein. Innen habe man einen zweiten Blick gebraucht; schmutzig sei es gewesen, weil die vorherigen Pächter schon im März aufgegeben hatten; überhaupt hatte zuletzt niemand Glück mit dem Alten Wirt, die Pächter wechselten häufig.

Die Spiegelbergers aber setzten von Anfang an auf qualitativ hochwertige Ware und bauten darauf, dass eine echte bayerische Wirtschaft in Fahrenzhausen schon gebraucht würde. Vor allem Izabella ist überzeugte Gegnerin der Tiermast, Florian kaufte das Fleisch beim Metzger und auch sonst setzt das Paar auf Regionalität. Von dieser Einstellung bis zur Biozertifizierung der Gastwirtschaft im Juni 2011 war es dann ein logischer Schritt - auch wenn das einigen Aufwand bedeutete. Denn die Zertifizierung selber ist nach Einschätzung des Wirtsehepaares gar nicht so schwer zu erhalten - man muss nur gut ein Jahr vorher lernen, mit den Biowaren richtig umzugehen; muss diese also bereits verwenden, ohne höhere Preise verlangen zu können - auch so ein Punkt, der den Schuldenberg vielleicht zu erklären hilft.

Und: "Es ist sehr teuer, es allen recht machen zu wollen", hat das Paar festgestellt. Man zahle in der Anfangszeit viel Lehrgeld, wenn man eine Gastronomie aufbauen wolle. Inzwischen aber ist die Grenze, bis zu der die beiden gehen wollen, fast erreicht. Deshalb die Bewerbung bei Rach, über dessen Wirken sie sich genau informiert haben. Weit mussten sie dafür nicht fahren: Der Franzose Tanguy Doron in Freising hat sich von dem Sternekoch schon beraten lassen und er ermutigte die Spiegelbergers.

Ob Rach auch den Alten Wirt retten wird, ist offen, noch hat sich das Team nicht entschieden. Allein ein bei RTL ausgestrahlter Doku-Beitrag, in der die Bewerbung aus Fahrenzhausen erwähnt wurde, hat jedoch Wirkung gezeigt. Am Tag danach habe man rund 1000 Clicks auf der Homepage gehabt, wo es sonst 20 bis 30 seien, berichtet Florian Spiegelberger. Ein Freund habe Hilfe angeboten, die Resonanz sei durchweg positiv - und erste zusätzliche Gäste seien auch schon erschienen. Trotzdem ruhen die Hoffnungen vor allem von Izabella auf dem Restauranttester: "Denn das, was wir jetzt machen, ist wie jeden Tag russisches Roulette."