Preis für Reit- und Fahrverein FreisingZum Erfolg gepuzzelt

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Patrick Radlmeir trainiert mit Laura die Übungsform Arabesque.
Patrick Radlmeir trainiert mit Laura die Übungsform Arabesque. (Foto: Marco Einfeldt)

Hinter dem Sieg beim deutschen Voltigierpokal steckt hartes Training - meist auf einem Holzpferd. Der "Zauberfuchs" macht unterdessen verdient Urlaub.

Von Charline Schreiber, Freising

Dass auf dem Rücken der Pferde das Glück der Erde liegen soll, konnte der Reit- und Fahrverein Freising am letzten Oktoberwochenende für sich als Wahrheit festmachen: Im Pferdezentrum im mittelhessischen Alsfeld gewann der Verein den deutschen Voltigierpokal und ist damit in Deutschland der beste seiner Gruppe.

Ein Besuch bei den Preisträgerinnen an einem Donnerstabend bei einem ihrer Trainings. In einem Raum, an der Spitze einer steilen Holztreppe in einer Massenhausener Schreinerei, trainiert die Gruppe aktuell auf einem Holzpferd. Unüblich ist das nicht. In Spitzenvereinen gehöre die Vorbereitung von Küren auf einem Pferdeersatz dazu. "Wer auf dem Holzpferd nicht stehen kann, der schafft das auch auf einem richtigen Pferd nicht", erklärt Angela Struck, seit 2007 Trainerin für Voltigiergruppen. Und: Das echte Voltigierpferd, HulaPalu, ein niederländisches Warmblut und wegen seiner dunkelfüchsigen Farbe vom Verein auch Zauberfuchs genannt, hat nach mehreren Wettkämpfen in den vergangenen Monaten eine mehrwöchige Urlaubspause verdient, so Struck.

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Die Sportlerinnen sich durchtrainiert und muskulös

Zu Beginn des Trainings wärmt sich das siebenköpfige Team, sechs Frauen und ein Mann, auf. Sie dehnen sich, springen Springseil, machen Sit-Ups, heben die Knie im Laufschritt hüfthoch. Die Körper der Voltigier-Sportlerinnen sind durchtrainiert und muskulös, ein unverkennbarer Beweis für jahrelanges und hartes Training. Fast alle Mitglieder der Gruppe sind, je nach Alter, bereits zehn Jahre oder länger mit dabei.

Auf den deutschen Voltigierpokal habe sie das Team intensiv vorbereitet, betont Struck. Erwartet habe der Verein seinen Sieg nicht, auf das Treppchen wollten sie es schaffen, das schon, aber gleich der erste Platz? Das Team trat in der M-Gruppe an, einer mittelstarken Leistungsklasse. Für die Bewertung der Kür- und Pflichtübungen habe das Preisgericht genaue Kriterien, verrät die 33-Jährige. Es werde die Varianz der Choreografie beurteilt, der Schwierigkeitsgrad der Figuren, das Gesamtbild, wie Anzug- und Musikauswahl, aber auch das Pferd HulaPalu bekommt seine eigene Note. Angetreten sind die Sportlerinnen in Anzügen zum Thema Märchen. Figuren wie das Rotkäppchen und der Wolf waren in den Outfits klar erkennbar.

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(Foto: Marco Einfeldt)

Auf dem Bild üben (v.l.) Laura, Johanna und Laura auf dem Holzpferd.

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(Foto: Marco Einfeldt)

Voltigier-Trainerin Angela Struck.

Trotz ihres Erfolges - fehlerfrei waren die Übungen nicht. Eine der Sportlerinnen stürzte während des Auftritts, kaschierte den Vorfall aber so, dass der Punkteabzug nicht schwerwiegend war. Denn Bodenberührungen und Stürze fallen Preisrichtern besonders negativ auf und können im Ernstfall die Gesamtwertung stark beeinflussen. Mit dem Gewinn des deutschen Voltigierpokals konnte der Verein den Aufstieg in die S-Gruppe, die höchste Leistungsklasse, erreichen. "Dieses Jahr waren wir einfach sehr gut", weiß Struck.

Durch die Corona-Pandemie seien aber auch viele Vereine im Trainingsrückstand. Das liege vorwiegend daran, dass die Restriktionen des Bundes den Vereinen ein Gruppentraining zeitweise nicht erlaubt hätten, sagt Struck. Über Videotelefonate versuchten die Sportlerinnen diese Rast auszugleichen. Das Training am Pferd, das, was das Voltigieren aus macht, fiel dabei weg, dafür wurde aber die Grundfitness gestärkt - Kondition, Flexibilität und Kraft.

Im Winter nach der Turniersaison probieren die Sportlerinnen im Training neue Techniken aus und bauen eine neue Kür auf. Nach dem Erfolg in Alsfeld tastet sich die Gruppe wieder langsam an neue Übungen heran. Nacheinander führen sie Hebefiguren aus, lehnen sich in einen Bogengang oder eine Brücke. Das Vertrauen untereinander ist ein festsitzendes Fundament, auf dem die Sportlerinnen ihre Leistung aufbauen. Während die einen auf dem Pferd Übungen ausprobieren, beobachten die anderen die Ausführung und rufen ihnen Tipps wie "Zehen strecken!" oder "Das Bein länger machen!" zu. Die Spezialschuhe, weiches Leder oder Synthetikstoff auf einer rutschfesten Gummisohle, geben den Sportlerinnen auf dem Rücken des Holzpferdes den nötigen Halt. Vergleichbar sei das Voltigieren mit dem Turnsport, sagt die Trainerin. Im Voltigieren müsse die Technik aber mit dem Schwung des Pferdes kombiniert werden, erst dann sei die Ausführung sauber. Um ihre Technik zu verbessern, trainieren die Sportlerinnen sowohl ihre Kraft als auch ihre Beweglichkeit. Weil der Verein klein und die finanziellen Mittel beschränkt seien, finde das Training immer so statt, wie es die Mittel hergeben, sagt Struck - draußen oder eben in den Räumlichkeiten der Schreinerei. "Wir puzzeln uns da so durch und trainieren eigentlich überall, wo man uns lässt", erzählt die 33-Jährige.

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(Foto: Marco Einfeldt)

Sie haben für den Reit- und Fahrverein Freising den deutschen Voltigierpokal gewonnen. Hier sieht man die jungen Frauen bei der Gymnastik zum Aufwärmen

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(Foto: Marco Einfeldt)

Turnierpferd Holapalu genießt jetzt Freizeit mit Trainerin Angela Struck

Die Gruppe ist humorvoll, sie motivieren sich gegenseitig, klingen im Austausch miteinander fast wie eine kleine Familie. Der Altersunterschied in Voltigiervereinen sei oft größer als in anderen Sportvereinen, erklärt Sportlerin Laura Lutz. Sie selbst ist mit 29 Jahren die älteste der Gruppe, die Jüngste ist acht Jahre alt. Ein Problem sei das nicht, jeder werde gleichwertig behandelt und eingebunden. Gerade weil der Sport so zeitintensiv sei und die Gruppe viele Stunden miteinander verbringe, sei die Symbiose des Teams wichtig.

Neben Training, Arbeit und Schule bleibt kaum noch Zeit für Privates

Die Sportlerinnen erzählen, dass neben dem Training und der Arbeit oder Schule wenig Zeit für Privates bleibt. Sonntags werde bis zu vier Stunden trainiert und auch unter der Woche seien sie oft erst nach 21 Uhr zuhause. Bei Freunden stieße das immer wieder auf Unverständnis. "Auf dem Niveau geht es nur ganz oder gar nicht. Unser Alltag ist: Arbeiten, Training, Schlafen. Man muss sich bewusst sein, dass das ein Leistungssport ist", betont Lutz.

Das Ziel sei es immer gewesen, die S-Gruppe zu erreichen, erzählt die Trainerin. Jetzt, wo das Ziel erreicht ist, gehe es darum, die Leistung zu halten und noch weiter über sich hinauszuwachsen. Ein Herzenswunsch der Gruppe ist es, bei der deutschen Meisterschaft auf dem Treppchen mit den bayerischen Spitzenteams zu stehen.

© SZ vom 20.11.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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