Die erste Mahd auf Wiesen und Feldern hat in diesen Tagen begonnen. Damit beginnt eine lebensgefährliche Zeit für Rehkitze und andere Wildtiere. Denn die Jungtiere verharren bei Gefahr instinktiv regungslos im Gras. Sie sind Mähwerken schutzlos ausgeliefert – und erleiden nicht selten einen schrecklichen Tod. Um das zu verhindern, sind deutschlandweit wieder viele ehrenamtliche Rehkitzretter aktiv.
Der Neufahrner Tierschutzverein „Wir retten Rehkitze“ ist bundesweit einer der am schnellsten wachsenden Vereine in diesem Bereich. Rund 200 Helfer und 13 Drohnen sind im Einsatz – im Umkreis von etwa 50 Kilometern rund um Neufahrn bei Freising. Die Kitzrettung ist für die Landwirte kostenlos, berichtet Vereinsvorsitzende Martina Zander. Allerdings müssten diese ihre Felder vorab anmelden. „Der Mähtermin sollte ein bis zwei Tage zuvor bekannt gegeben werden.“ Wichtig sei, dass die Landwirte ihre Felder vollständig mit Drohnen abfliegen lassen. „Sonst werden die Kitze an einem späteren Tag doch noch zum Opfer“, sagt Zander.
Die Neufahrner Tierschützer sind rund drei Monate im Jahr nach der Setzzeit und der Mahd aktiv. Früh am Morgen oder auch am Abend ist das Team unterwegs. Gefunden werden die jungen Rehe mithilfe von Wärmebild-Drohnen. „Gerade in den frühen Morgenstunden, wenn der Boden noch kalt ist und sich der warme Körper der Tiere deutlich davon abhebt, erkennt die Wärmebildtechnik sie sehr gut“, berichtet Zander. Die Kitze werden dann vorsichtig aus den Wiesen geholt und für kurze Zeit in einen schützenden Korb gelegt. Nach der Mahd wird das junge Reh wieder an einer geeigneten geschützten Stelle freigelassen; die Mutter findet es durch Lockrufe wieder und sucht ein neues Versteck.
Martina Zander hat die Rehkitzrettung zu ihrer persönlichen Lebensaufgabe gemacht. Die 59-Jährige gründete bereits im Dezember 2022 den Verein „Wir retten Rehkitze“. Als sie den Verein ins Leben rief, wurden noch etwa 80 Prozent der Mähflächen nicht abgesucht. Diese Quote sei aber bislang nicht erreicht, erzählt die Tierschützerin. „Noch immer sterben deutschlandweit jedes Jahr etwa 100 000 Kitze durch Mähwerke.“ Das seien nach wie vor zu viele. Inzwischen hätten aber immer mehr Jäger eine eigene Drohne, die Zahl von Vereinen mit entsprechender Technik sei gestiegen.
Öffentlichkeitsarbeit gehört für den Verein zu den zentralen Aufgaben. Infostände werden organisiert, Vorträge gehalten und zuletzt sogar ein Buch zur Rehkitzrettung mit vielen Geschichten, Informationen, Fotos und Zeichnungen herausgegeben. „Das Thema ist in Deutschland glücklicherweise bereits bekannter“, sagt Zander. Und auch der Verein selbst: Er bekam im vergangenen Jahr den Deutschen Tierschutzpreis in der Kategorie Publikumspreis verliehen.

