Lange Trockenperioden, gefolgt von sintflutartigen Regenfällen: Der Klimawandel stellt Gartenbesitzer und Landschaftsplaner vor neue Herausforderungen. Gefragt sind deshalb Konzepte, die besser mit den zunehmenden Wetterextremen umgehen können. Besonders innovativ sind hier die Weihenstephaner Gärten, die doch auch als Anschauungsort für Studierende dienen. Ein Baustein dieser Entwicklung ist im Staudensichtungsgarten das Modellprojekt „Regengärten“. Im Mittelpunkt steht ein zeitgemäßer Umgang mit Wasser. Das Vorhaben soll im Herbst umgesetzt werden und hat Vorbildcharakter für private Gartenbesitzer, aber auch für Planer und Planerinnen von städtischem Grün.
Seit knapp drei Jahren ist Swantje Duthweiler, Professorin für Pflanzenverwendung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), wissenschaftliche Leiterin der fünf Weihenstephaner Gärten. Gemeinsam mit ihrem 20-köpfigen Team gestaltet sie die Anlagen derzeit so um, dass die Pflege einerseits weniger aufwendig und andererseits nachhaltiger ist. Auf künstliche Bewässerung wird weitgehend verzichtet. Stattdessen wird auf robuste, mehrjährige Stauden und ein spezielles Substrat gesetzt. Im Hofgarten auf dem Weihenstephaner Berg ist die Neugestaltung abgeschlossen, im Sichtungsgarten stehen die Arbeiten noch bevor.
Der größte Eingriff ist auf einem breiten Kiesweg in der Nähe des Eingangs geplant. Im Herbst sollen dort Versickerungsmulden entstehen, die mit einer Zisterne verbunden sind. „Wir können dann das Wasser nutzen, das wir haben“, erklärt Duthweiler. Durch einen Überlauf fließt bei starken Regenfällen ein Teil direkt in die stufenförmig angelegten Beete ab und belastet so die Kanalisation weniger. Bisher kam es im oberen Bereich des Gartens immer wieder zu Überschwemmungen.
Parallel dazu soll ein mit Lehm abgedichtetes Verdunstungsbecken entstehen, das Wasser zurückhält. Bei Hitze kann es zur Abkühlung des Stadtklimas beitragen. „Das sind verschiedene Schwammstadt-Bausteine“, erklärt Duthweiler. Das heißt, das Wasser wird lokal gespeichert und genutzt statt schnell abzufließen. Der Freistaat fördert die Maßnahme auf Initiative des FW-Landtagsabgeordneten Benno Zierer mit 285 000 Euro. Ohne Unterstützung könnte die Hochschule ein solches Projekt nicht umsetzen.


Was Besucherinnen und Besucher im Staudensichtungsgarten auch erfahren: Welche Pflanzen trockenheitsresistent sind und selbst mit Wasser zurechtkommen, das durch Streusalzreste belastet ist – ein gerade entlang von Straßen nicht zu unterschätzendes Thema. Swantje Duthweiler empfiehlt etwa verschiedene Gräser, Steppensalbei, Steppen-Wolfsmilch oder Schachbrettblume. Gemeinsam mit der TU München hat die HSWT drei Jahre lang zur Regenversickerung geforscht. Dabei konnten positive Effekte für eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung, Stadtklima und Biodiversität nachgewiesen werden.
Neben der bewilligten Förderung gibt es in diesen Tagen einen weiteren Grund zur Freude. Der Staudensichtungsgarten steht seit zwei Monaten als Baudenkmal unter Denkmalschutz. Für Swantje Duthweiler war die Nachricht „eine große Freude“ und eine „unheimliche Wertschätzung für den Sichtungsgarten“. Das bedeutet nicht, dass sich dort nichts mehr verändern darf. Die Forschung sei Teil des Denkmalschutzes, erklärt sie.


2027 gibt es bereits einen weiteren Grund zum Feiern. Dann wird der Staudensichtungsgarten, den nicht nur die Freisinger Bevölkerung als Ausflugsziel schätzt, 80 Jahre alt. Angelegt hatte ihn der Gartenbauwissenschaftler Richard Hansen, der schon damals ein aus heutiger Sicht modernes Konzept verfolgte. Er interpretierte ganze Landschaftsausschnitte wie Heide oder Steppe mit den passenden Pflanzengemeinschaften. „Das ist nahe an dem, was wir heute machen“, sagt die wissenschaftliche Leiterin der Gärten.
An die Anfänge unter Hansen erinnert künftig ein Streifen, der sich quer durch den Garten ziehen wird und historische Gestaltungselemente wieder aufgreift. Die alten Sorten seien teils schwierig zu finden, nach einigen werde europaweit gesucht, erzählt Duthweiler. Weitere Beete erinnern an die Gestaltungskunst von Peter Kiermeier im Stil englischer Landhausrabatten. Sie bestechen durch Form und Farbkomposition, sind aber pflegeaufwendig. Kiermeier leitete die Gärten fast drei Jahrzehnte lang bis 2006. „Wir wollen Elemente aus früherer Zeit erlebbar machen“, erklärt Duthweiler – als Zeitfenster der Gartenkunst.

Die Neugestaltung soll 2028 abgeschlossen sein. Swantje Duthweiler plant einen weiteren Eingang – direkt an der Ecke Am Staudengarten/Thalhauser Straße nahe der Bushaltestelle. Allein in diesem Frühjahr pflanzte das Gärtnerteam 9000 Stauden sowie viele Bäume und Sträucher. Das erhöht die Artenvielfalt deutlich. Zudem wurden schattige Bereiche wie der Haselnusshain durch einen Rückschnitt und Nachpflanzungen besser zugänglich gemacht, Bänke laden zum Verweilen ein.
Seinem eigentlichen Zweck als Lehr- und Forschungsgarten aber bleibt die Anlage treu. Dazu gehört die Sichtung von Stauden und Gehölzen. Die Weihenstephaner Anlage ist Teil eines Netzwerks von 20 weiteren Sichtungsstandorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien. Die Ergebnisse finden europaweit Beachtung und sind im Internet unter www.staudensichtung.de einsehbar. Eines der Staudensortimente, die derzeit getestet werden, ist der Steppensalbei. Seit drei Jahren stehen hier alle Sorten, die im Handel verfügbar sind, nebeneinander. Die Fachleute bewerten sie nach Kriterien wie Vitalität, Robustheit und Gesundheit, um besonders empfehlenswerte Züchtungen zu identifizieren.

