Ratschläge für den Neuen Der Weg auf den Olymp ist weit

Tobias Eschenbacher wird als Freisinger Oberbürgermeister vereidigt - die lange Bergtour kann beginnen

Von Kerstin Vogel

Ganz am Ende, da brach sich dann doch die Freude kurz Bahn: Seine erste Stadtratssitzung als Oberbürgermeister war gerade vorbei, da huschte Tobias Eschenbacher zur Glocke auf dem Tisch des Sitzungsleiters und schlug grinsend einmal schnell an, bevor er samt Stadtratskollegen, Amtsvorgänger Dieter Thalhammer und einigen Gästen aus dem Rathaus über die Straße ins Asamfoyer wechselte, um auf den Beginn der neuen Ära in der Stadt Freising anzustoßen.

Zuvor war genau dieser Anlass noch ein letztes Mal ausgiebig gewürdigt worden. Ernst hatte Eschenbacher die Eidesformel gesprochen und die Amtskette aus den Händen von Bürgermeister Rudi Schwaiger entgegengenommen. Nachdem Thalhammer beim Festakt am vergangenen Freitag bereits die goldene Bürgermedaille und die Ehrenbürgerwürde zuteil geworden waren, wurde ihm am Donnerstagabend nun auch noch der Titel des Altoberbürgermeisters verliehen. Außerdem wurde er von Uwe Brandl, dem Präsidenten des Bayerischen Gemeindetages mit dem bayerischen Löwen ausgezeichnet - als "immer treuer Weggefährte und Verfechter der kommunalen Idee". Sehr viel mehr Ehrungen sind für einen scheidenden Oberbürgermeister eigentlich gar nicht zu haben.

Augenzwinkernd verzichtete dagegen Regierungspräsident Christoph Hillenbrand auf eine neuerliche Aufzählung aller Verdienste Thalhammers, denn: "Zu viel Weihrauch macht selbst Heilige schwarz." Dafür bot Hillenbrand dem neuen Oberbürgermeister Eschenbacher seine Unterstützung an und gab sich zuversichtlich, dass dieser "schnell in eigene Fußstapfen finden werde", auch wenn sein Vorgänger die Messlatte sehr hoch gehängt habe.

Thalhammer selber sagte, er übergebe sein Amt mit einem guten Gefühl und wünschte seinem Nachfolger "Erfolg, Freude und Erfüllung, Kraft, Geduld und einen klaren Blick für das Wesentliche". Er riet ihm, auf seine Erfahrungen aus der Stadtratstätigkeit zu bauen, aber auch auf Menschenkenntnis und seine "Leidenschaft für Freising". Eindringlich riet er Eschenbacher, auf die Balance von Beruf und Familie zu achten damit "die persönliche Situation nicht aus dem Gleichgewicht gerät".

Ratschläge gab es für den neuen Oberbürgermeister auch von Landrat Michael Schwaiger, der sein Amt fast auf den Tag genau vor vier Jahren angetreten hat und sich noch gut an seine Gefühle damals erinnern kann. Nervös sei er gewesen, gleichzeitig voller Tatendrang und "tief bewegt, wegen der großen Verantwortung, die so ein Amt mit sich bringt". Seine Tipps für Eschenbacher: "Bleib Dir selbst treu, verbieg Dich nicht, aber halte die Ohren offen für gute Ratschläge und verlier Dein Privatleben nicht aus den Augen."

Mit einer Bergtour verglich Weihbischof Bernhard Haßlberger in einem Grußwort den Weg, der jetzt vor dem neuen Amtsinhaber liege - und blieb mit seinen Ratschlägen auch gleich im Bild: Jetzt gleich loszustürmen sei nicht zu raten, sagte er. Der Weg bis zum Gipfel sei weit, nicht Geschwindigkeit zähle am Ende, sondern die Ausdauer. Eschenbacher solle ein Tempo wählen, "das Sie auch durchhalten können." Der neue Altoberbürgermeister Dieter Thalhammer dagegen habe bei dem Abschiedsfest am vergangenen Freitag bereits das Ziel, den Gipfel erreicht, so Haßlberger weiter, er sei sozusagen "auf dem Olymp" angekommen.

Die Hürden, die er selber auf dem Weg zum Gipfel zu nehmen haben wird, hat Eschenbacher am Donnerstag in einer kurzen Antrittsrede skizziert. Ob neuer Wohnraum, Verkehrsinfrastruktur, Innenstadtkonzeption, Bildungs- und Betreuungs- oder Freizeiteinrichtungen - ihm gehe es vor allem darum, die Lebensqualität in der Stadt zu sichern und auszubauen. Eine gesunde, auf überschaubares Wachstum ausgerichtete Stadtentwicklung aber könne nur ohne die Erweiterung des Münchner Flughafens stattfinden, stellte Eschenbacher klar. Sein Aufruf: "Den Herausforderungen, die der Stadt Freising bevorstehen, müssen wir gemeinsam begegnen."