Radioaktives Wasser in der Isar Viele Fragen sind noch offen

Die TU München will schwach radioaktives Abwasser in die Isar entsorgen. Die Stadt Freising befürchtet Auswirkungen auf ihr Trinkwasserschutzgebiet.

(Foto: Linus Mirgeler/dpa)

Die Stadt Freising befürchtet negative Auswirkungen auf ihr Trinkwasser, wenn, wie von der Technischen Uni München beantragt, im Garchinger Campus weitere 30 Jahre lang schwach radioaktives Wasser in die Isar fließt.

Von Kerstin Vogel, Freising

"Wir sind nicht hysterisch, aber es gibt einfach noch viele Punkte, die zu klären sind": Mit diesen Worten hat der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses begründet, warum auch die Stadt Freising mit einer weiteren Einleitung radioaktiven Abwassers in die Isar nicht so recht glücklich ist. Bekanntlich möchte die TU München aus ihren nukleartechnischen Forschungseinrichtungen in Garching für weitere 30 Jahre schwach radioaktives Abwasser in die Isar entsorgen und hat dazu einen entsprechenden Genehmigungsantrag gestellt. Die bisherige Genehmigung läuft Ende 2019 aus.

Die Stadt Freising sieht sich insofern davon betroffen, als sie vor allem durch die lange Einleitungszeit negative Auswirkungen auf ihr Trinkwasserschutzgebiet fürchtet. Zumindest das Wasserwirtschaftsamt München hat diese Bedenken als berechtigt bezeichnet, der Fachbereich Strahlenschutz am Landesamt für Umweltschutz dagegen sieht keine Gefahren für das Freisinger Trinkwasser. Auch wegen dieses Widerspruchs fordert die Stadt Freising nun, "dass durch einen unabhängigen Fachgutachter dezidiert zu prüfen ist, ob innerhalb des doch langen Einleitungszeitraums von weiteren 30 Jahren mit negativen Beeinträchtigungen der Trinkwasservorkommen der Stadt zu rechnen ist, beziehungsweise dies tatsächlich ausgeschlossen werden kann".

Dem Antrag liegt eine Erhebung von 1990 zugrunde

Kritisiert wird in der Stellungnahme der Stadt, die Beate Metz vom Umweltamt ausgearbeitet und dem Planungsausschuss vorgelegt hatte, auch, dass dem aktuellen Antrag der TU eine Sachstanderhebung zur Klärung der geologischen und hydrologischen Verhältnisse im Bereich des Forschungsreaktors zugrunde liegt, die aus dem Jahr 1990 stammt. Hier soll nach Wunsch der Stadt geprüft werden, ob diese Erhebung für den Zeitraum von 2020 bis 2050 überhaupt noch Bestand habe und ob nicht eine Neubewertung notwendig wäre. Wegen der langen Einleitungszeiträume sollten außerdem die Freisinger Trinkwasserbrunnen auf Radionuklide untersucht werden, so eine weitere Forderung.

Ebenfalls geprüft werden müsse, ob es neben der Einleitung in die Isar nicht auch andere Entsorgungsmöglichkeiten für die schwach radioaktiv belasteten Betriebsabwässer aus den Forschungseinrichtungen gebe, heißt es in der Stellungnahme aus dem städtischen Umweltamt weiter - und: Wegen der langen Einleitungszeiträume müsste aus Sicht der Stadt eigentlich auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden, die nicht vorgesehen ist. Es liege auch in der Verantwortung von Kommunalpolitikern, abzuwägen zwischen den Erfordernissen der Forschung und einer eventuellen Belastung der Bürgerinnen und Bürger, verdeutlichte Oberbürgermeister Eschenbacher die Notwendigkeit der Stellungnahme, die im Übrigen auch Umweltreferent Manfred Drobny (Grüne) als "sehr gut" lobte. Zwar würden in Garching keine hohen Mengen an radioaktivem Abwasser in die Isar geleitet, dafür aber handele es sich um eine Dauerbelastung über einen sehr langen Zeitraum. Dass hier seitens des Freistaats auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet werden solle, sei "verwegen", kritisierte Drobny.

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