Als der Angeklagte mit seinem Kumpel Ende August in Freising in den Regionalbus nach Erding einstieg, dachte sich die Fahrerin noch: "So ein hübscher und netter Kerl." Der junge Mann sei "gut drauf" gewesen und habe sich auf seinen Besuch auf dem Erdinger Herbstfest gefreut, berichtete die 56-Jährige als Zeugin in einer Schöffensitzung des Freisinger Amtsgerichts. Aber als der 26-jährige Freisinger dann seinen Ausstieg am Volksfestplatz verpasste, wurde er rabiat, beleidigte die Busfahrerin ganz übel und beschädigte durch einen Schlag mit der Hand die Windschutzscheibe, so die Anklage.
An einem anderen Tag beleidigte er in Freising einen Busfahrer und sprühte diesem sowie einem seiner Kollegen Pfefferspray ins Gesicht. Deshalb muss der 26-Jährige sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht verantworten. Weil der Prozess mit einem Verfahren wegen Geldfälschung verbunden worden ist, in dem noch ein wichtiger Zeuge gehört werden muss, ist bislang kein Urteil ergangen. Die Verhandlung wird fortgesetzt.
Der Angeklagte erzählte, die Busfahrerin habe ihm und seinem Freund angeboten, außerplanmäßig beim Volksfest zu halten, um sie aussteigen zu lassen. Sie seien dann ganz hinten im Bus gesessen, hätten was getrunken und Musik am Handy gehört, weshalb sie den Ausstieg verpasst hätten. Dann sei er zur Fahrerin nach vorne gegangen und habe sich beschwert. Diese habe ihm gesagt, angehalten und die Haltestelle ausgerufen zu haben. "Ich habe dann gesagt, wenn sie das nur nach vorne Richtung Scheibe macht, hören wir das hinten nicht - dabei habe ich mit der Hand nach vorne gedeutet und dabei wohl die Scheibe getroffen", behauptete der 26-Jährige.
Die Busfahrerin aus dem Landkreis Erding schilderte den Sachverhalt ganz anders. Sie halte prinzipiell nirgendwo anders als an regulären Bushaltestellen. Sie habe dem Angeklagten lediglich gesagt, dass er an der Haltestelle am Freibad aussteigen könne, weil die direkt am Volksfest sei. Als sie angehalten, beide Türen geöffnet und nach hinten gerufen habe, sei niemand ausgestiegen. Dann sei sie weitergefahren. Gleich danach an der nächsten roten Ampel kam der Angeklagte laut ihrer Aussage nach vorne und wollte aussteigen. Als sie ihm das verweigerte, "hat er mehrmals ,Du blöde Fotze' zu mir gesagt". Zudem, so die Busfahrerin, habe er gesagt: "Vor dir habe kein Ehrgefühl". Da sei sie sich "schon ein bisserl minderwertig vorgekommen".
An der nächsten roten Ampel hab der Angeklagte dann einfach ins Armaturenbrett gegriffen und per Knopfdruck die Türen geöffnet. Beim Rausgehen "hat er dann mit der Faust gegen die Scheibe geschlagen, so dass die gleich gesprungen ist". Der Sacheden betrug 1150 Euro. Der 26-Jährige stieg mit seinem Kumpel aus und flüchtete. Aufgrund der guten Personenbeschreibung eines Fahrgastes wurde er kurz darauf von der Polizei gefunden.
Bei dem Vorfall in Freising sagte der Angeklagte zu einem rumänischen Busfahrer, er solle die Klimaanlage ausmachen. Als dieser das mit Rücksicht auf die anderen Fahrgäste ablehnte, sagte der 26-Jährige: "Du Scheiß Ausländer,ich ficke dich." So berichtete es der 36-jährige Busfahrer in der Verhandlung. Ein erster Versuch, die Polizei zu rufen, scheiterte. Der Angeklagte stieg aus, kam aber zwei Stunden später wieder zur Bushaltestelle am Bahnhof, wo der Fahrer mit seinem Kollegen vor dem Bus stand. Als der Angeklagte einsteigen wollte, habe er ihn aufgehalten und sein Handy herausgenommen, um die Polizei zu rufen. "Dann hat er ein Pfefferspraygezückt, uns ins Gesicht gesprüht und ist davon gelaufen", so der Busfahrer. Sein 33-jähriger Kollege bestätigte das.
Der Angeklagte dagegen sagte, er habe bezüglich der Klimaanlage nur gesagt: "Schon wieder ein Ausländer, der kein Deutsch versteht." Beim späteren Wiedersehen seien die beiden Fahrer auf ihn zugelaufen. Dann sei er geflohen und habe im Laufen nach hinten den Verfolgern ins Gesicht gesprüht.
Der Angeklagte entkam jedenfalls. Ein paar Monate später traf und erkannte der 33-jährige Busfahrer ihn jedoch wieder. Er machte ein Foto von dem Angeklagten, so dass der schließlich doch noch ausfindig gemacht werden konnte.