Die Neugestaltung des Moosburger Bahnhofs entwickelt sich zu einem Dauerbrenner. Nicht nur zum Leidwesen der Zugfahrgäste, die schon seit Jahren mit einem alten und recht unwirtlichen Bahnhofsgebäude vorliebnehmen müssen. Auch im Moosburger Stadtrat ist das Bedauern groß, dass es mit der geplanten Sanierung beziehungsweise einem möglichen Neubau nicht so schnell vorangeht, wie man sich das wünscht. Da sich wegen eines Wechsels des Planungsbüros die Sache noch weiter verzögern wird, beschloss der Stadtrat am Montag auf Antrag der CSU-Fraktion einstimmig, zwischenzeitlich zumindest die Fassade neu zu streichen.
Der Antrag von AfD-Stadtrat Gerhard-Michael Welter, das Gebäude mindestens dreistöckig zu bauen und darin ein Ärztehaus unterzubringen, wurde dagegen mit 20:1 Stimmen abgelehnt. Auch sein bereits in der Vergangenheit geäußerter Vorschlag, prüfen zu lassen, ob man die Gleise überbauen und in dem Trakt ein Fitnessstudio einrichten könnte, stieß im Gremium auf keine Gegenliebe.
Schon im Bürgermeisterwahlkampf 2020 hatte Welter ein Ärztehaus in einem dann aufgestockten neuen Bahnhofsgebäude ins Spiel gebracht. Ebenso das Überbauen der Gleise. Damals wollte er dort aber noch eine Panorama-Gastronomie unterbringen.
In der Beschlussvorlage für die Sitzung am Montag wies die Rathausverwaltung darauf hin, dass die Stadt lediglich das Bahnhofsgebäude gekauft habe und weitere Flächen von der Bahn nicht veräußert würden, weil sich dort betriebsnotwendige Anlagen und Gewerke, etwa Kabel und Oberleitungen, befinden. "Uns gehört nur das, was grundflächenmäßig mit dem Gebäude überbaut ist", betonte Bürgermeister Josef Dollinger (FW). Und selbst für diese Fläche gebe es durch das Eisenbahn-Bundesamt keine Freistellung von Bahnbetriebszwecken, hieß es in der Beschlussvorlage: "Eine Zustimmung für den Bau eines mehrgeschossigen Gebäudes mit bahnfremder Nutzung würde daher von Seiten der DB AG nicht erfolgen." Die Lage für ein Ärztehaus "ist mit Sicherheit ideal", räumte auch der Bürgermeister ein, "aber an dieser Stelle ist es rechtlich nicht zu verwirklichen - und eine Überbauung der Gleise geht schon mal gleich gar nicht". Doch Welter beharrte drauf, "dass es auf der Fläche, die der Stadt gehört, schon möglich sein müsste, zwei Stockwerke drauf zu bauen - das müsste schon sauber rechtlich geprüft werden".
Jeder, der sich informiere, wisse dass das rechtlich nicht möglich sei, entgegnete Johannes Becher (Grüne). "Und wer für einen Überbau der Gleise stimmt, der muss wissen, dass mit dem Bauvorhaben dann in 100 Jahren nichts weitergeht, das wäre sogar ein schädliches Verhalten." Ganz grundsätzlich bedauerte der Grünen-Stadtrat, dass bei dem Thema "im Vergleich zu vor einem Jahr fast nichts passiert" sei und das Ganze noch dauern werde. Seine Fraktion werde deshalb für den CSU-Antrag stimmen, das alte Gebäude noch mal streichen zu lassen, "was aber nicht heißen soll, dass dann in den nächsten fünf Jahren da sonst nichts passieren soll".
Auch der Bürgermeister findet "die Situation unbefriedigend". Eigentlich habe er kein Geld mehr für ein Provisorium ausgegeben wollen. Da man sich aber vom beauftragten Architekturbüro getrennt habe, weil es eine Kostenobergrenze für das Bauprojekt nicht akzeptieren wollte, habe sich alles verzögert. Deshalb sei nun auch er für einen neuen Anstrich, der schätzungsweise 25 000 Euro kosten wird. CSU-Vizefraktionschef Erwin Weber warb noch einmal für den Anstrich, indem er auf die 1250-Jahr-Feier der Stadt verwies. "Heuer sind viele Veranstaltungen, zu denen der eine oder andere sicher auch mit der Bahn kommt." Auch Martin Pschorr (SPD) meinte, "dass sich das Streichen schon noch rentiert, weil der Bahnhof sicher auch kommendes Jahr noch nicht in voller Pracht dastehen wird".
