Präsident verprellt Freisings Handwerker Traublinger befürwortet die 3. Startbahn

Das Engagement des Handwerkskammer-Präsidenten verärgert die Handwerkerschaft - und ein Schreiner startet aus Protest eine Unterschriftenaktion.

Von Birgit Goormann-Prugger

Freising Auch der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Heinrich Traublinger, ist dem Bündnis pro Startbahn beigetreten und hat sich für die Erweiterungspläne des Flughafens ausgesprochen. Bei zahlreichen Freisinger Mitgliedern der Handwerkskammer kommt das nicht gut an. Ulf Mühlner, Inhaber eines Schreinereibetriebes in Freising, hat aus Protest auf diese Pro-Start-Bahn-Aussage jetzt eine Unterschriftenaktion gestartet, an der sich innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Handwerksbetriebe beteiligt haben.

Was Mühlner besonders ärgert, ist die Tatsache, dass er als Handwerksbetrieb verpflichtet ist, Mitglied in der Handwerkskammer zu werden und zu bleiben. Er könne auch nicht einfach austreten, wie zum Beispiel ein verprellter Fan des FC Bayern, der sich bekanntlich ebenfalls für die dritte Startbahn ausgesprochen hat. Außerdem sei er überhaupt nicht gefragt worden, wie er zur dritten Startbahn stehe. Die Unterschriftenliste wird er am Wochenende nun auch an den Infoständen der beiden noch verbliebenen OB-Kandidaten Sebastian Habermeyer (Grüne) und Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) auslegen. Übergeben wolle er sie Traublinger persönlich. "Ich werde es zumindest versuchen, als kleiner Freisinger Handwerker zu ihm vorzudringen", so Mühlner.

In dem Anschreiben zur Unterschriftenliste heißt es unter anderem: "Wir als zulassungspflichtige in den Handwerksrollen eingetragene Betriebe fühlen unsere Interessen mit ihrem offenen Auftreten als Befürworter der 3. Startbahn nicht nur nicht vertreten, sondern verletzt." Nach Paragraph 91 der Handwerksordnung zähle ein solches Auftreten zu einem offensichtlich politischen Thema "sowieso nicht zu ihren Aufgaben". Auch könnten die Freisinger Betriebe dieses Auftreten weder aus betriebswirtschaftlicher Sicht noch ethisch und moralisch gegenüber nachfolgenden Generationen vertreten. Die Handwerkskammer Oberbayern solle darum dem Beispiel des Tierparks Hellabrunn folgen und sich von ihrem vorschnellen Eintreten für die dritte Startbahn wieder distanzieren, fordert Mühlner weiter. "Aus unserer Sicht braucht der Flughafen München keine dritte Startbahn und das wollen und müssen wir auch gegenüber unseren Kunden vertreten."

Martin Reiter, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft im Landkreis Freising, kann die Empörung des Freisinger Schreinermeisters verstehen. "Begeistert ist hier keiner, das habe ich dem Traublinger auch gesagt", sagte Reiter. Der habe ihn vorher angerufen und ihn über die Entscheidung, sich zusammen mit der IHK für die dritte Startbahn auszusprechen, informiert. "Ich habe ihm empfohlen, das noch mal zu überdenken, aber da war es schon zu spät". Der Handwerkskammer und der IHK gehe es um die gesamte bayerische Wirtschaft. "Aber wir mittelständischen Betriebe haben gar nichts vom Bau der Startbahn, wir haben das Potential gar nicht." Für die Betonarbeiten bräuchte die FMG Firmen mit bis zu 200 Mitarbeitern, "So was gibt es bei uns nicht." Ausbaden müssten die Handwerker im Landkreis die Entscheidung der Kammer. "Die Kunden sehen das und sprechen uns darauf an. Wir sollen das dann wieder auf die Reihe bringen. Für uns ist das eine Katastrophe", sagte Reiter.