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Politischer Nachwuchs in Freising:Die Stimme der Jugend

Der Jugendstadtrat lässt die politische Arbeit auch in der Corona-Zeit nicht ruhen. Die Treffen des Gremiums finden schon seit Monaten digital statt. Neue motivierte Mitglieder sind immer willkommen

Von Sara Livadas, Freising

Mitmachen, mitreden, mitgestalten: "Der Jugendstadtrat ist für junge Menschen in Freising die Möglichkeit, sich an der Politik zu beteiligen und gehört zu werden", beschreibt Michael Weindl, Vorsitzender des Jugendstadtrates, die Arbeit des Gremiums. Den Vorsitz teilt sich der 22-jährige Student mit der 20-jährigen Philomena Böhme.

Mitmachen kann hier jeder - vorausgesetzt er ist zwischen zwölf und 22 Jahre alt und besucht eine Freisinger Schule. Doch die Altersgrenze wird laut Weindl laut Aussagen der Vorsitzenden nicht ganz so strikt gehandhabt. Wer sich ein Mitspracherecht wünscht, erhält es auch. "Wenn jetzt jemand mit erst zwölf oder bereits mit 23 kommt und sich engagieren will, ist das kein Problem. Solange es in den Rahmen passt. Falls man allerdings merkt, dass die Jüngeren nicht mehr zu Wort kommen, muss man überlegen ob man das Alter wieder senkt" berichtet Böhme. Sie selbst ist seit dem Gründungsjahr 2015 dabei. Auch Michael Weindl kennt den Jugendstadtrat schon seit ein paar Jahren. "Ich bin 2016 aktiv geworden und praktisch von den Jusos nachgerückt. Bei den Jusos bin ich mittlerweile auch Vorsitzender im Kreis Freising. Als ich 17 war, wurde mir dann vorgeschlagen, dass ich mir den Jugendstadtrat mal anschaue. Dort hat es mir sehr gut gefallen und so bin ich geblieben" erzählt Weindl von seinem Eintritt. Den "harten Kern" des Gremiums bilden normalerweise vier bis fünf Jugendliche. Solch eine feste Anzahl zu etablieren, war jedoch gar nicht so einfach. "Wir haben tatsächlich sehr lange gebraucht, bis wir diesen kleinen permanenten Kern erreicht haben. Wir bestanden nämlich hauptsächlich aus Leuten, die 17, 1 Jahre alt 8 waren und gerade ihr Abitur gemacht haben. Das war immer ein bisschen schwierig, weil diese dann meist ins Ausland oder zum Studieren weggegangen sind" erinnert sich die Vorsitzende des Jugendstadtrates an die Anfänge.

Durch die Anbindung an die Agenda-21 und den Sozialbeirat in Freising ist der Draht nach oben besonders kurz und die Möglichkeit, etwas zu bewegen, besonders groß. Trotzdem unterscheidet sich das jugendliche Gremium in seiner Herangehensweise: "Was uns als Jugendstadtrat von dem normalen Stadtrat unterscheidet ist, dass wir nicht ganz so förmlich sind. Es ist ein Ort an dem wir locker miteinander reden können. Unsere sympathische und gemütliche Atmosphäre hilft, den Jugendlichen nahe zu bringen, dass Politik auch mal anders sein kann, als nur lange Sitzungen, die wir trotzdem auch mal haben", erklärt Böhme, und Weindl ergänzt: "Der Spaß kommt bei uns nicht zu kurz." Große Unterstützung erhalten die Jugendlichen bei ihrer Arbeit von der Stadtjugendpflege und der Stadt selber. "Unsere Verbindung zur Stadt möchten wir noch einmal besonders betonen, weil sie so gut ist. In der Regel werden wir von allen Seiten unterstützt und alle Leute haben ein offenes Ohr. Das ist wirklich bemerkenswert, weil sie ja alle selber so viel zu tun haben und sich trotzdem die Zeit nehmen" berichten die beiden von der guten Zusammenarbeit mit dem Rathaus.

Philomena Böhme

Philomena Böhme ist eine der Vorsitzenden des Freisinger Jugendstadtrates. Seit 2015 gibt es das Gremium, das als Sprachrohr der Freisinger Jugend fungiert.

(Foto: Lukas Barth)

Und so hat der Freisinger Jugendstadtrat schon einiges bewegt. Dazu zählt die Ausstattung der Eishalle mit Musik und zusätzlicher Beleuchtung für die erfolgreiche Eisdisko in der Weihenstephan Arena. Oder die kreative künstlerische Gestaltung einer Unterführung durch Graffiti. "Der Grundgedanke bei der Unterführung war der, dass wenn wir etwas mit den Jugendlichen zusammen gestalten, die Hemmung größer ist, sie wieder zu beschmieren. Jedes Mal wenn ich dort durchfahre finde ich, dass es richtig schön geworden ist. Diese bunten Graffitis, die die Jugendlichen damals gestaltet haben, geben dem Ganzen eine unglaublich coole Atmosphäre. Das ist etwas, worauf wir super stolz sind", berichtet Böhme von dem Projekt.

Doch auch die Arbeit der jugendpolitischen Organisation wird von Corona gebremst. Großprojekte müssen warten, und Sitzungen können nur virtuell stattfinden. "Im Frühjahr war es so, dass wir relativ schnell umgestellt haben, wie alle anderen ja auch. Politische Partizipation muss zwar immer sein und auch die Jugendlichen sollten weiterhin die Möglichkeit haben, sich einzubringen, aber die Risiken eines realen Treffens wären derzeit einfach zu hoch", sagt Weindl. Das führe teils auch zu Frustration, denn der Jugendstadtrat lebe von Interaktion, Kommunikation und dem Persönlichen. "In der Diskussion und im Austausch entstehen einfach die besten Ideen. Online zu diskutieren, gerade mit mehreren Personen, ist oft einfach schwierig. Die Leute bemühen sich natürlich, aber ich hoffe, dass die Zahlen wieder sinken und wir uns bald wieder persönlich treffen können" erklärt Böhme.

Michael Weindl teilt sich den Vorsitz des Freisinger Jugendstadtrates mit Philomena Böhme. Neue Mitstreiter und Mitstreiterinnen sind stets willkommen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Freisinger Jugendstadtrat freut sich immer über neue motivierte Mitglieder. Wer Zeit und Lust hat kann sich bei Philomena Böhme und Michael Weindl oder bei der Stadtjugendpflege melden. Die Termine der Sitzungen stehen auf der Webseite https://www.freising.de/leben-wohnen/agenda-21/jugendstadtrat.

© SZ vom 24.11.2020
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