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Podiumsdiskussion in Neufahrn:Schlagabtausch

Je näher der Wahltag rückt, umso mehr versuchen sich die Neufahrner Bürgermeisterkandidaten voneinander abzugrenzen. So auch bei der Podiumsdiskussion vor mehr als 500 Leuten im Gymnasium

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Der Fragesteller hatte wohl noch die kontroverse Debatte um den "Bavariapark" im Hinterkopf. Wie sich die Gemeinde verhalten würde, wenn sich jetzt ein Großinvestor melden würde, wollte der junge Mann wissen. "Das kommt darauf an", antwortete Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) diplomatisch, und CSU-Kandidat Ozan Iyibas wollte da nicht widersprechen: "Ich sage nicht das Gleiche, aber Dasselbe." Eine solche Einmütigkeit gibt es freilich nicht in allen Wirtschaftsfragen. Das ist bei der Podiumsdiskussion des Freisinger Tagblatt im Oskar-Maria-Graf-Gymnasium deutlich geworden.

Je näher der Wahltag rückt, umso mehr versuchen sich die Kandidaten voneinander abzugrenzen. Beispiel Gewerbesteuer: Dass da mehr in die Kasse kommen müsste, gilt als Konsens, nicht aber die Frage, ob man da schon auf dem richtigen Weg ist. Amtsinhaber Heilmeier verwies darauf, dass Neufahrn nicht mehr die "Logistikresterampe im Münchner Norden" sei und die Einnahmen in seiner Amtszeit spürbar gestiegen seien - von jährlich 5,5 auf "sieben bis zehn" Millionen Euro. Die zehn Millionen sei aber doch selbst nach Bürgermeister-Angaben eine einmalige Sache gewesen, hielt Maximilian Heumann (SPD) dagegen. Um noch mehr Firmen anzulocken, würde er sich einen "papierlosen Newsletter" wünschen, für den sich potenzielle Interessenten anmelden könnten, so dass sie beispielsweise über freie Flächen informiert würden. Felix Bergauer (ÖDP) erinnerte an die große Fläche östlich der Christl-Cranz-Straße, die früher einmal für eine "Shopping-Meile" im Gespräch gewesen sei.

Ein Podium, sechs Kandidaten: Felix Bergauer, Franz Heilmeier, Ozan Iyibas, Norbert Manhart, Marc Bosch und Maximilian Heumann (von links) diskutieren darüber, wie es mit der Gemeinde Neufahrn in den kommenden sechs Jahren weitergehen soll.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auf Werbung würde Marc Bosch ("Bosch für Neufahrn") als Bürgermeister setzen. Allein aufgrund seiner Aktivitäten bei Facebook und Instagram hätten sich schon Leute bei ihm gemeldet, die sich Neufahrn als Standort vorstellen könnten, versicherte er. Mehr "Bestandspflege" für ansässige Betriebe, etwa auch bei einem Wirtschafts- und Zukunftskongress, forderte Ozan Iyibas, und Norbert Manhart (Freie Wähler) möchte für eine Senkung der Gewerbesteuerhebesätze sorgen, um die Entwicklung anzukurbeln.

Zu einem Schlagabtausch kam es auch bei der Frage, wie Wohnen erschwinglicher werden kann: Maximilian Heumann versprach 200 neue öffentlich geförderte Wohnungen in sechs Jahren. Heilmeier hielt das für etwa zu "ehrgeizig". Realisiert werden könnten jedenfalls viele im Neubaugebiet-Ost, das seit mehr als 20 Jahren geplant werde, so Iyibas: "Da müssen wir endlich mal in die Puschen kommen." Manhart plädierte dafür, die gemeindeeigenen Grundstücke dort nicht an Investoren zu verkaufen, sondern als Gemeinde selbst zu vermarkten.

Volles Haus - mehr als 500 Leute wollten sich am Donnerstagabend anhören, was die Kandidaten zu Themen wie Gewerbesteuer, Wohnraum und ÖPNV zu sagen hatten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Beliebtes Thema im Wahlkampf: Verbesserungen beim ÖPNV - als Beleg für erfolgreiche Arbeit in der Vergangenheit oder als Forderung für die Zukunft. Aktuell geht es etwa um eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 und die Busanbindung der Dörfer an Neufahrn. Die ÖDP hat kürzlich schon zu einer Probefahrt eingeladen, und ihr Bürgermeister-Kandidat Felix Bergauer ist auch "optimistisch", dass er 2022 mit dem Bus aus seinem Wohnort Massenhausen ins Kino fahren kann.

Mehr als 500 Zuhörer waren ins Oskar-Maria-Graf-Gymnasium gekommen. Darunter waren offensichtlich viele "Fans", die schon vor der Diskussion wussten, ob sie einen Amtsinhaber ("Ich liebe meine Aufgabe") bestätigen, einen Neuen nach vorne bringen oder auf einen Außenseiter setzen wollen, der nicht mehr wie bisher "weitermachen und irgendwann Millionär sein", sondern im Rathaus "das Zepter in die Hand nehmen" will (Bosch).

© SZ vom 22.02.2020
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