Planespotter am Airport Flugzeuge vor der Linse

Planespotter Florian Schulenberg will seine Leidenschaft, die Flugzeuge, auch zum Beruf machen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Florian Schulenberg ist Planespotter. Um seltene Motive vor seine Kamera zu bekommen, setzt er sich schon frühmorgens noch vor der Schule am Flughafenzaun auf die Lauer. Natürlich will der 16-Jährige nach dem Abitur Pilot werden.

Von Tobias Weiskopf, Freising

Das erste Licht des Morgengrauens lässt das Erdinger Moos, das von einer dünnen Nebeldecke verhüllt ist, die nur von den Lichtern des markanten Towers des Münchner Flughafens durchbrochen wird, erwachen. Während andere Jugendliche zu dieser Uhrzeit noch im Bett liegen oder sich schon für ihren Schultag fertig machen, hat sich der 16-jährige Florian Schulenberg gerade hinter einem Maschendrahtzaun mit Blick auf die südliche Start- und Landebahn auf die Lauer gelegt. Für ihn ging es an diesem Morgen besonders früh raus, denn er erwartet ein Flugzeug der South African Airlines mit Sonderlackierung.

Der Nebel verzieht sich rechtzeitig, es ist klare Sicht. Über sein Smartphone verfolgt er mithilfe einer Live-Tracking-App den Landeanflug der ersehnten Maschine. Eiskalter Wind peitscht Schulenberg um die Ohren. Seine Finger hat er am Auslöser seiner Spiegelreflexkamera, jeden Moment müsste die Maschine aus Johannesburg landen. Doch dann die große Enttäuschung: "Jetzt geht der A 340 auf der Nordbahn runter, ich habe mich falsch positioniert." Nun aber schnell zurück nach Freising, um acht Uhr beginnt für ihn der Unterricht.

Florian Schulenberg wohnt in Kirchdorf, wird im Sommer 17 Jahre alt und besucht derzeit die elfte Klasse des Freisinger Josef-Hofmiller-Gymnasiums. Sein größtes Hobby: Planespotting. Seit etwa zwei Jahren beobachtet und fotografiert er startende und landende Flugzeuge am Flughafen im Erdinger Moos und anderen Airports in aller Welt. Das Faible für dieses für Jugendliche eher ungewöhnliche Hobby sei mit dem Interesse für die Luftfahrt gekommen, erzählt er. "Ich hatte dann noch eine Kamera zu Hause rumliegen", berichtet der junge Planespotter, "und habe angefangen das eine oder andere Flugzeug zu fotografieren." Mit der Zeit sei dann das Interesse für besondere Flieger gekommen, erzählt er.

Gerade seltene Modelle, Militärflieger und Regierungsmaschinen sind für die Flugzeug-Fans ein echtes Highlight. Während der Münchner Sicherheitskonferenz haben sich mehr als hundert Planespotter aus der Region und aller Welt auf dem Besucherhügel und umliegenden begehrten Plätzen positioniert, darunter auch Schulenberg.

Andere Jungen in seinem Alter spielen Fußball, er fotografiere Flugzeuge, sagt Schulenberg. Und damit ist der 16-jährige Schüler nicht alleine. "Allein in München kenne ich um die 40 Jugendliche in meinem Alter, die das machen", analysiert er, "man ist nicht alleine, sondern trifft viele coole Leute". Letztendlich sei man obendrein noch an der frischen Luft anstatt drinnen vorm Computer, ergänzt der Planespotter. Besonders teuer sei sein Hobby auch nicht, berichtet Schulenberg, denn seine Nikon und sein 300-Millimeter-Zoomobjektiv haben zusammen nicht einmal tausend Euro gekostet. "Klar, man kann da für eine Linse mehr als 10 000 Euro ausgeben, aber das braucht es nicht unbedingt", meint der Flugzeug-Fan aus eigener Erfahrung.

Im vergangenen Dezember wurde Florian Schulenberg für seine guten Fotos sogar belohnt und als einer von wenigen Planespottern überhaupt neben zahlreichen Journalisten und geladenen Ehrengästen für die Vorstellung des ersten Lufthansa-Airbus A 350, dem neuem Langstreckenflaggschiff, auf die Gästeliste gesetzt. Anfang des Jahres war er dann beim offiziellen Vorstellungstermin für die Presse und bei der Flugzeugtaufe des A350 auf den Namen "Nürnberg" auf dem Flughafen im Erdinger Moos eingeladen. Warum sie ihn einladen? "Ich weiß es nicht. Marketing wahrscheinlich", sagt Schulenberg.

Dann erst neulich sein persönliches Highlight: Die portugiesische Fluggesellschaft TAP hat den 16-Jährigen für einen Flug von Lissabon nach São Paulo und zurück eingeladen, mitgeflogen ist er natürlich im Cockpit. Während des je zehnstündigen Fluges hat er der Crew über die Schulter schauen können und mit seiner Kamera unter anderem eine fantastische Aufnahme der beleuchteten Fluginstrumente beim nächtlichen Landeanflug gemacht. "Das Bild wird eins meiner ewigen Favoriten", schwärmt der 16-jährige Schüler.

Seine Schnappschüsse veröffentlicht der 16-Jährige auf Portalen im Internet, auf denen sich Planespotter aus aller Welt austauschen, Fotos kommentieren und teilen. Seit etwa einem Jahr betreibt Schulenberg gemeinsam mit zwei Freunden zusätzlich noch eine eigene Homepage und die dazugehörige Facebook-Seite "Jetspotting.com". Dort hält er Fans und Abonnenten auf dem Laufenden und man erhält einen Einblick in sein außergewöhnliches Hobby.

Nach seinem Abitur hat der Planespotter große Ambitionen und ein festes Ziel: "Natürlich Pilot werden, alternativ studiere ich Luft- und Raumfahrttechnik", bekräftigt Schulenberg.