Parkplatz Unbekannte räumen Autos aus - ohne sie aufzubrechen

Symbolbild: Auf Parkplätzen müssen moderne Autodiebe keine Scheiben mehr einschlagen, wie drei aktuelle Fälle aus Eching zeigen.

(Foto: imago images)

Unbekannte räumen auf Parkplatz vor Echinger Möbelhaus drei Autos aus, Aufbruchsspuren gibt es keine. Offenkundig haben sie das Signal der Funkfernbedienung gestört, sodass die Türen nicht verriegelt worden sind.

Von Alexander Huber, Freising

Dunkle Gestalten, die nachts mit Brecheisen Autofenster einschlagen und Autoradios stehlen - das war einmal. In Eching sind unbekannte Täter um einiges kreativer vorgegangen - und schlauer: Auf dem Parkplatz eines Möbelhauses machten sie fette Beute. Innerhalb von etwas mehr als drei Stunden verschwanden aus drei geparkten Autos Wertsachen im Wert von etwa 4000 Euro, darunter ein Laptop und eine Stereoanlage.

Aufbruchsspuren an den Fahrzeugen gab es nicht. Bei der Polizei geht man davon aus, dass die Langfinger für ihren Beutezug am helllichten Tag moderne Technik benutzten. Laut Gerd Hartmann von der zuständigen Polizei in Neufahrn ist die Masche relativ simpel: Die meisten modernen Autos könnten per einfachem Tastendruck auf einer Funkfernbedienung ver- und entriegelt werden. Diese Funksignale könne man aber, so Hartmann, mit entsprechenden Geräten einfach stören. Verriegle man sein Auto auf diese Art und Weise könnten entsprechend ausgerüstete Täter in der Nähe verhindern, dass die Türen tatsächlich verschlossen werden.

Aufbruchsspuren waren nicht zu sehen

Die Diebe können den Innenraum anschließend problemlos leerräumen, ohne überhaupt ein Schloss knacken zu müssen. Polizeihauptkommissar Hartmann sagt, es sei es mitunter schwierig, solch ein Vorgehen überhaupt nachzuweisen. Aufbruchsspuren fehlten schließlich. Darüber hinaus könne der Autobesitzer das Verriegeln des Autos auch einfach vergessen haben oder die Funkfernbedienung funktioniere aus anderen Gründen nicht.

Beim erwähnten Fall in Eching steht für die Polizei jedoch recht sicher fest, dass die Langfinger auf diese Weise vorgegangen sind. Zum einen waren sich laut Polizei alle drei Geschädigten sicher, ihre Fahrzeuge per Fernbedienung abgeschlossen zu haben, zum anderen hat bei einem der Bestohlenen die Bedienung einige Zeit später nicht mehr funktioniert.

Besonders bitter für die drei Autobesitzer: Vermutlich werden sie ihren Schaden nicht von der Versicherung ersetzt bekommen. Der ADAC berichtet auf seiner Homepage über ein Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main in einem vergleichbaren Fall. Demnach muss die Hausratversicherung beim sogenannten Jamming, wie die Masche auch genannt wird, nicht für den entstandenen Schaden aufkommen. Der Grund ist eine juristische Spitzfindigkeit: Voraussetzung für den Versicherungsschutz ist demnach, dass die Beute aus einem verschlossenen Fahrzeug gestohlen wird. Beim Störsender-Trick verhindern die Täter aber eben das Verriegeln des Autos. Es ist somit nicht abgesperrt und die Versicherung muss folglich nicht zahlen. Das Urteil ist laut ADAC aber noch nicht rechtskräftig.

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Eching war wohl ein Einzelfall

Besteht für Autofahrer im Landkreis also Grund zur Beunruhigung? Eher nicht, sagt die Polizei. Der Fall in Eching ist in der Region bisher offenkundig ein Einzelfall gewesen. Weder bei der Polizei in Freising noch in Moosburg kann man sich an vergleichbare Fälle in der jüngeren Vergangenheit erinnern.

Auch das Autoknacken auf traditionelle Weise, also mit physischer Gewalt, kommt laut Christian Bidinger, Leiter der Inspektion in Moosburg, in seinem Zuständigkeitsbereich nur recht selten vor. Darüber hinaus können sich Autofahrer vor der Störsender-Masche sehr leicht schützen, betont Gerd Hartmann von der Polizei in Neufahrn: einfach vor dem Weggehen noch einmal kontrollieren, ob die Autotüren tatsächlich verriegelt sind. Falls nein, könne man notfalls ja immer noch klassisch mit dem Schlüssel zusperren.

Davon abgesehen gelte, meint Christian Bidinger von der Moosburger Polizei, die Grundregel, keine Dinge offen sichtbar im Auto liegen zu lassen, schon gar keine Wertsachen. Aber: Einhundertprozentige Sicherheit, meint der Dienststellenleiter, könne es nun einmal nie geben.

Zeugen des Echinger Falls, der am Mittwoch, 5. Juni, etwas Verdächtiges beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Polizeiinspektion Neufahrn zu melden, Telefon 0 81 65/95 100.