Vortragsabend der Neufahrner SPD:Wer die Zeche zahlt

Lesezeit: 2 min

Deutsche Post DHL - Pakete

"Heute bestellt, morgen gebracht - wer zahlt die Zeche?" Mit den Arbeitsbedingungen der Paketdienstmitarbeiter hat sich die Neufahrner SPD-beschäftigt.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Onlinehandel und E-Commerce liegen im Trend. Doch die Arbeitsbedingungen der Paketdienstmitarbeiter werden immer schlechter. Verdi forderte intensivere Kontrollen in Sachen Mindestlohn und Arbeitszeit.

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Die Klagen reißen nicht ab: Die Fahrzeuge verschiedener Paketdienste blockieren bei ihren Anlieferungen die Straßen, speziell die Lieferwagen eines im Gewerbegebiet ansässigen Unternehmens werden regelmäßig über Nacht in Wohngebieten abgestellt, und gefühlt werden die Probleme immer größer. Dass der Kurier-, Express- und Paketmarkt in Deutschland gar so boomt, liegt freilich auch an den Verbrauchern und deren eigenem Einkaufsverhalten. "Wir müssen auch uns selbst an der Nase packen", forderte SPD-Ortsvorsitzende Beate Frommhold-Buhl bei der Veranstaltung "Heute bestellt, morgen gebracht - wer zahlt die Zeche?"

Dass Onlinehandel und E-Commerce im Trend liegen, zeigen die Zahlen: Der Paketmarkt in Deutschland wächst demnach deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft, wie Referent David Merck vom Verdi-Landesbezirksfachbereich Postdienste berichtete. Jeden Tag würden zwölf Millionen Sendungen verschickt. Der Umsatz liege bei mehr als 20 Milliarden Euro, und es gebe mittlerweile fast 240 000 Beschäftigte in diesem Bereich. Die Tendenz sei weiter steigend.

Preisdruck der Paketdienste führt zu Lohndruck

Trotz des Wachstums und des Arbeitskräftemangels in der Branche würden sich die Arbeitsbedingungen aber zunehmen verschlechtern, kritisierte Merck. Er erklärte das vor allem mit dem hohen Preisdruck bei den Paketdiensten, der zu einem immer größeren Lohndruck führe. Arbeitskräfte würden zunehmend in Niedriglohnländern angeworben, wobei sich die Grenze "immer weiter nach Osten verschiebt". Inzwischen liege sie nicht mehr in Ungarn, sondern in Weißrussland, so der Verdi-Referent.

Damit sich die Situation nicht weiter verschlechtert, fordert die Gewerkschaft etwa intensivere Kontrollen bestehender Gesetze beispielsweise in Sachen Mindestlohn, Arbeitszeit und Sozialabgaben. Wichtig wären nach Ansicht von Merck beispielsweise auch eine Stärkung der Tarifbindung, damit Outsourcing weniger lukrativ sei, und eine Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde sowie eine Weiterentwicklung der Gesetze gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Der Kurier-, Express- und Paketmarkt sei nur "Sinnbild für das, was in unserer Gesellschaft nicht richtig funktioniert", betonte er.

Den Neufahrnern liegen freilich auch die sichtbaren Probleme mit den Paketdiensten vor der eigenen Haustür weiter im Magen: Die Gemeinde müsste den bei ihnen ansässigen Unternehmen vorschreiben, dass sie genug Stellplätze für die Fahrzeuge zur Verfügung stellen, forderte ein Zuhörer. Bürgermeister-Kandidat Maximilian Heumann, der die Veranstaltung moderierte, dürfte sich auch das gleich mal notiert haben.

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