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Organisationen und Vereine in der Krise:Durch alle Raster gefallen

Auch soziale Organisationen und Vereine haben wegen Corona zu kämpfen. Es gibt zwar Ausgleichszahlungen, aber nicht alle profitieren davon. Im ASZ Eching beispielsweise blickt man auf ein "dramatisches Defizit"

Von Alexandra Vettori

Nicht nur Kultur- und Gastrobetriebe erleben mit Corona eine geschäftliche Katastrophe, auch soziale Organisationen und Vereine kämpfen. Zusätzliche Hygienemaßnahmen erhöhen die Betriebskosten, dazu kommt, dass manche Kunden aus Angst vor Ansteckung wegbleiben oder Angehörige, die sich in Kurzarbeit befinden, ihre betagten Eltern oder Großeltern einfach selbst pflegen. Immerhin erhalten sie in dem Fall die entsprechenden Geldleistungen selbst. "Leider hat das zur Folge, dass Kunden in Sozialstationen dann weniger Leistungen nachfragen", erklärte Siglinde Lebich, die Leiterin des Echinger Alten- und Service Zentrums (ASZ), die Folge für die professionellen Anbieter.

Die Bundesregierung hat deshalb Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten staatliche Ausgleichszahlungen zugestanden. Pandemie-bedingte Mehrausgaben und Mindereinnahmen werden von den zuständigen Pflegekassen erstattet. Allerdings profitieren nicht alle sozialen Einrichtungen gleichermaßen, wie der Vergleich zwischen dem Echinger Alten- und Service-Zentrum und der Sozialstation im Nachbarort Neufahrn zeigt. Während Siglinde Lebich in Eching auf ein sich abzeichnendes "dramatisches Defizit" blickt, freut sich Helmut Hinterberger, der Leiter der Sozialstation auf den besten Jahresabschluss seit Jahren.

Nach einem kurzen Rückgang der Nachfrage nach Pflegediensten im Frühjahr habe sich das inzwischen weitgehend wieder eingependelt, berichtet Lebich. Und weil die Verluste im ASZ da gering waren, kommt das ASZ nicht in den Genuss von Ausgleichszahlungen. Gleichzeitig fällt ein wichtiges geschäftliches Standbein, das Veranstaltungsprogramm, seit Monaten aus. "Unsere Verluste im Programmbereich sind gigantisch", sagt Lebich und fügt hinzu, "das ersetzt mir kein Mensch, wir sind da durch alle Raster gefallen". Konkrete Zahlen mag sie noch nicht nennen, doch "wir werden heuer als Verein ein dramatisches Defizit einfahren".

Umso verwunderlicher ist das Ergebnis in der Sozialstation im Nachbarort Neufahrn. 2019 hat Leiter Helmut Hinterberger noch ein Defizit von 230 000 Euro bekannt geben müssen, 2020 werden es laut Plan 127 000 Euro plus sein. Geld aus dem Rettungsschirm spielt dabei eine durchaus bedeutsame Rolle, neben Gebührenerhöhungen und einem neuen Konzept für die personelle Einsatzplanung. Der Grund dafür, dass es reichlich staatliche Unterstützung gab, ist die Tagesstätte für Senioren, die zur Sozialstation gehört. Gerade im Januar, dem Referenzmonat für die Höhe der Ausgleichszahlungen, habe die im Vorjahr beschlossene Gebührenerhöhung gewirkt, dazu habe viel Betrieb geherrscht, "da haben wir Glück gehabt", so Hinterberger. Das zinslose Darlehen, das die Gemeinde dem Trägerverein im Vorjahr gewährt hat, musste laut Hinterberger jedenfalls noch nicht angepackt werden. Er sei aber froh, es noch in der Hinterhand zu haben, denn bis Anfang 2021 werde ein neues digitales Abrechnungssystem für die Dienste installiert. Sollte es dann mit der Abrechnung für die Krankenkassen einmal nicht schnell genug klappen, "haben wir einen Puffer".

Eine Sorge eint derzeit aber alle Betreiber mobiler Hilfs- und Pflegedienste: Während der Hilfsschirm für Tagesstätten noch bis Ende März 2021 genehmigt ist, läuft der für die mobilen Dienste im Dezember aus. Dann drohen neue Schieflagen. "Wir gehen alle davon aus, dass das verlängert wird, aber es ist kompliziert", so Hinterberger.

© SZ vom 30.11.2020
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