Das Ganze macht einen seriösen Eindruck und ist doch einfach nur ein groß angelegter Betrug. Ein offenbar chinesischer Online-Kleidungsvertrieb erweckt mit der Homepage „Wagner Mode“ den Eindruck, es handle sich um ein Münchner Label, gibt eine Londoner Adresse im Impressum an – und hat sich für die Legende, es handle sich um ein echtes hiesiges Modehaus, mit Fotos aus einem SZ-Bericht bedient.
Was in diesem Fall besonders ärgerlich ist: In dem Bericht geht es ausgerechnet um existierende familiengeführte Modehäuser aus Freising und Erding, deren Inhaber sich auch zu der Frage äußern, wie sie sich gegen die übermächtige Konkurrenz des Online-Handels behaupten. Dreist. Die SZ hat den Online-Handel per E-Mail um eine Stellungnahme gebeten, ohne Resonanz. Eine Antwort blieb aus.
„Wagner Mode ist ein in Großbritannien eingetragenes Unternehmen, das großen Wert auf Ehrlichkeit und Offenheit legt“, ist auf der Website zu lesen. Und weiter: „Unser Leitbild ist es, stilbewussten Menschen eine abwechslungsreiche Auswahl an Kleidung anzubieten, die ihren individuellen Stil und ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringt.“ Dazu stelle man „hohe Qualitätsansprüche“ und wähle jedes Produkt in der Kollektion mit größter Sorgfalt aus, um die Erwartungen der Kunden zu übertreffen. Da bestellt man doch gerne.
Dazu sieht man unten auf der Website nicht nur die Skyline, wie sie münchnerischer nicht sein könnte. Es lächelte einen auch ein sympathisches Paar an, dem man abnimmt, dass es Sinn für Stil und Qualität hat. Was man als Besucher dieser Website zunächst nicht weiß, ist die Tatsache, dass dieses sympathische Paar ganz und gar nicht von dieser Website herunter lächeln wollte. Ebenso wenig hat der SZ-Fotograf seine Zustimmung dazu erteilt, dass seine Fotos auf dieser Website veröffentlicht werden. Er war auch gar nicht erst gefragt worden.

Bei dem Paar handelt es sich um Andrea und Wolfgang Billmayer, Inhaber der gleichnamigen Modehäuser in Freising und Wartenberg. Abgebildet werden zudem zwei weitere Geschäfte, die Boutique Chiceria in Freising und das Modehaus Kraus am Eck in Erding. Die Billmayers und auch die Inhaber der anderen beiden Bekleidungshäuser sind alles andere als begeistert davon, dass mit ihrem guten Namen Werbung für den Online-Handel gemacht wird. Denn die Kundenbewertungen sind geradezu unterirdisch schlecht.
Ein paar Beispiele. „Finger weg von diesem Fake Account. Eine absolute Betrugsmasche. Es wird mit einem traditionellen Familienunternehmen aus München geworben. .... dahintersteckt ein Billig-Unternehmen aus China. Absolut minderwertige Ware, schlechte Stoffe, Farben, Nähte und die Größen sind willkürlich. Rücksendung lohnt nicht, die Ware kommt nach Monaten zurück, mit nicht zustellbar.“ Oder: „Achtung Betrug!! Billigster China-Schrott, eine Rücksendung nach China kostet zwischen 30 und 40 Euro. Bei Reklamation antwortet das Unternehmen nicht.Hab mir mein Geld über PayPal Käuferschutz zurückholen müssen.“ Ein anderer Geschädigter schreibt Folgendes: „Blockiert Kontaktaufnahme bei Retourenwunsch. Ignoriert E-Mails bis mit rechtlichen Schritten gedroht wird. Ist nicht unter deutscher Telefonnummer erreichbar. Ware soll auf eigene Kosten mit engen Auflagen nach China zurückgesandt werden.“ Es gibt mittlerweile Hunderte solcher Beschwerden über diese Website auf verschiedenen Internetportalen. Die Bewertungen bei Trustpilot: 1,1, gleichbedeutend mit ungenügend.
Verärgerte Kunden machen den Boutiquen-Besitzer auf die Website aufmerksam
Wolfgang Billmayer selbst hat mittlerweile Anzeige erstattet. „Die Polizei hat zwar gesagt, es wird nicht viel bringen, aber ich wollte es trotzdem machen, weil ich mich darüber geärgert habe, dass hier mein Image und mein guter Name missbraucht werden. Mehr kann ich nicht tun, die Bildrechte liegen ja bei der SZ.“ Billmayer wüsste das alles vermutlich bis heute nicht, hätten ihn nicht Kunden, die sich über diesen Online-Händler geärgert hatten, darauf aufmerksam gemacht. Dazu gehört auch eine „Ur-Bayerin“, wie sie sich selbst in einer E-Mail an Billmayer bezeichnet, die wegen der schönen Bilder auf diesen Fake-Shop hereingefallen sei.
Es muss sich nach Angaben von Bernd Ohlmann, Pressesprecher beim Handelsverband Bayern, niemand schämen, wenn er diesem Online-Handel auf den Leim gegangen ist. „Die Website ist wirklich hochprofessionell gemacht, einfach gut“, sagt er. Den Kunden könne man nur sagen, „seid vorsichtig, hinterfragt jedes Angebot, auch wenn es noch so günstig ist“. Es gebe immer mehr von diesen schwarzen Schafen. Und dieser hier arbeite besonders trickreich, spiegele Seriosität vor, von der sich viele täuschen lassen. Auch beim Bezahlsystem. Reine Fake-Shops verlangten Vorkasse, da sollte man sowieso misstrauisch sein, hier werde Paypal als Methode angeboten, das erwecke Vertrauen. „Mit dem Online-Handel werden jedes Jahr allein in Bayern 12,2 Milliarden Umsatz gemacht, und von diesem Kuchen wollten sich auch unseriöse Anbieter eine Scheibe abschneiden“, so Ohlmann.
Immer wieder Beschwerden über unseriöse Mode-Online-Shops
Auch die Verbraucherzentrale Bayern erreichen nach Angaben von Christian Ayri, Referent für Marktbeobachtung und Digitales, immer wieder Beschwerden über unseriöse Mode-Online-Shops, die oftmals gar keine Ware lieferten. Wenn geliefert werde, handele es sich nicht selten um minderwertige Produkte. Oft gebe es Probleme mit dem Widerruf und der Rückzahlung des Kaufpreises. Verbraucher bekämen entweder keine Antwort vom jeweiligen Shop oder müssten die Ware auf eigene Kosten ins Ausland, zum Beispiel nach China, zurücksenden.
Wie schützt man sich nun als Verbraucher? Verlassen sollte man sich nicht nur auf die oft lobenden Bewertungen im Online-Shop selbst, empfiehlt Christian Ayri. Lieber auch anderweitige Bewertungen durchlesen, hier lasse sich schnell erkennen, ob es womöglich Hinweise auf betrügerische Machenschaften gebe. Habe der Online-Shop kein Impressum, sei das ein No-Go. Einige Shops gäben im Impressum zum Beispiel eine chinesische Adresse an. Wenn ein Impressum zu finden sei, müsse es auch eine vertretungsberechtigte Person und eine E-Mail-Adresse enthalten. Hier sollten Verbraucher genau hinschauen und bei Zweifeln den ganzen Shop prüfen.
Misstrauisch werden sollte man auch bei unrealistisch niedrigen Preisen. „Wenn etwa die Designer-Tasche für nur zehn Euro angeboten wird, die normalerweise 700 Euro kosten würde, sollte man hellhörig werden“, warnt der Verbraucherschützer.
Ein kostenloses Tool, um einfach und schnell herauszufinden, ob ein Shop seriös ist, bietet die Verbraucherzentrale auf ihrer Website an. Man muss nur die Internetadresse eingeben und erhält dann eine erste Einschätzung.

