Forschung an der Landesanstalt:Eine Investition in die Zukunft

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Forschung an der Landesanstalt: Ministerin Michaela Kaniber bei der Einweihung der energetisch sanierten Gewächshäuser an der Landesanstalt mit Andreas Kronthaler vom Staatlichen Bauamt (links) und LfL-Präsident Stephan Sedlmayer.

Ministerin Michaela Kaniber bei der Einweihung der energetisch sanierten Gewächshäuser an der Landesanstalt mit Andreas Kronthaler vom Staatlichen Bauamt (links) und LfL-Präsident Stephan Sedlmayer.

(Foto: Marco Einfeldt)

Um den Ökolandbau ausbauen zu können, gibt es im Bereich der Pflanzenzüchtung noch viel zu tun. Mit energetisch sanierten Gewächshäusern will die LfL zur Ressourcenschonung beitragen.

Von Petra Schnirch, Freising

Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt, doch der Bedarf kann durch das heimische Angebot nicht gedeckt werden. Um den Ökolandbau ausbauen zu können, gibt es vor allem im Bereich der Pflanzenzüchtung noch viel zu tun. Dazu beitragen soll das neu gegründete Ökozüchtungsforum, ein Netzwerk aus Forschenden, Pflanzenzüchtern, Landwirten und Verbänden. "Wir haben hier eine Allianz vom Saatgut bis zum Teller", sagte Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber am Donnerstag an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising. Dort weihte sie auch die mit großem Aufwand energetisch sanierten Gewächshäuser ein.

Die Probleme in der Praxis zeigte Michael Hiestand, Vorstand der Meyermühle in Landshut, am Beispiel seines Betriebs auf. "Uns gehen in der Mühle die Rohstoffe aus", sagte er. Notwendig seien mehr Anbauflächen, aber auch neue Sorten. Öko-Produzenten arbeiteten mit einem "viel kleineren Baukasten". Landwirte und Verarbeiter hätten wenig Möglichkeiten, Geschmack oder Aussehen zu beeinflussen. "Die Qualität der Rohstoffe ist für uns essenziell." Beim Weizen stütze man sich in der Bio-Mühle fast nur auf eine Sorte. Sollte bei dieser ein Pilz auftreten, "haben wir ein Problem".

Moderne LED-Leuchten, neue Technik und Böden

Erforderlich sind neue, robuste Pflanzensorten, die auch mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen. Einen Beitrag dazu sollen auch die vier neu eingeweihten Gewächshäuser der LfL an der Steinbreite liefern. Insgesamt verfügt die Landesanstalt in Freising über etwa 9000 Quadratmeter Gewächshaus-Fläche, 1117 davon sind vor kurzem für sechs Millionen Euro saniert worden. Die vier Gebäude für Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz stammen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren.

Durch eine Erneuerung der Glasflächen, der Technik und der Böden sowie moderne LED-Leuchten sind sie nun energetisch auf dem neuesten Stand der Technik. Die energetische Sanierung bewirkt laut LfL ein effizienteres Kreuzen. Die benötigte Heizwärme konnte dadurch nach LfL-Angaben um 74 Prozent gesenkt werden, der Stromverbrauch sogar um 79 Prozent. In den nächsten 30 Jahren können etwa 10 000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Das seien etwa sechs Millionen Kubikmeter Erdgas, sagte Kaniber.

"Kräftiger Schub" für den Pflanzenbau erwartet

Jeder Cent, der für die Sanierung ausgegeben worden sei, "ist eine gute Anlage." Die Landesanstalt für Landwirtschaft forscht im Bereich der Pflanzenzüchtung zum Beispiel an Kulturen wie Roggen, Sommer- oder Braugerste und Mais - allesamt wichtig für den Ökoanbau.

Noch stehen die modernen Gewächshäuser weitgehend leer, das wird sich nach und nach ändern. Pflanzenzüchtung erfordert Geduld. LfL-Präsident Stephan Sedlmayer erwartet einen "kräftigen Schub" für den Pflanzenbau. In der Ökobranche stecke viel Innovationspotenzial und Pioniergeist, sagte er. Sowohl durch die modernen Gewächshäuser als auch mit Unterstützung des Ökozüchtungsforums sollen neue Sorten entwickelt werden. Das neu gegründete Netzwerk sei deutschlandweit einmalig, sagte Kaniber.

Eine Million Hektar für den Ökoland-Ausbau benötigt

Derzeit gibt es in Bayern 11 500 Ökobetriebe, sie bewirtschaften nach Angaben der Ministerin etwa 410 000 Hektar. Soll der Ökolandbau bis 2030 auf einen Anteil von 30 Prozent ausgebaut werden, sind dafür etwa ein Million Hektar notwendig. Viele junge Leute wollten ihre Betriebe umstellen, "das ist die Zukunft". Auch im handwerklichen Bereich, bei Bäckern und Metzgern, müsse dafür geworben werden.

Dass es bisher nicht gelungen ist, 50 Prozent der Gemeinschaftsverpflegung in Behörden, Kitas und Krankenhäuser auf biologische und regionale Produkte umzustellen, bedauerte die Ministerin, dies sei aber der Corona-Krise geschuldet. Hier gebe es ein Potenzial von 1,6 Millionen Mittagessen pro Tag.

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