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Oberstufenbetreuer:Im Fokus steht der Erfolg

Montagsinterview - Henning Arndt

Als Oberstufenkoordinator betreut Henning Arndt gemeinsam mit Bettina Lohs die Schüler der Oberstufe. Er hat festgestellt, dass sie strebsamer geworden sind.

(Foto: Stephan Goerlich)

Henning Arndt ist seit zehn Jahren Oberstufenkoordinator am Hofmiller-Gymnasium. Die Schüler von heute seien strebsamer als früher, sagt er. Am Freitag verabschiedet er die Absolvia 2018.

Freising - "Mathe ist ein Arschloch - und Physik ist sein Bruder". Der launige Spruch steht auf einer der vielen Postkarten, die Henning Arndt an seine Pinnwand geheftet hat. "Ist von einem Schüler", sagt der Mathe- und Physiklehrer am Josef-Hofmiller-Gymnasium. Als Oberstufenkoordinator betreut er gemeinsam mit Bettina Lohs die Schüler der Oberstufe. Am Freitag wird die diesjährige Absolvia verabschiedet, erzählt er im Gespräch mit der SZ Freising. "Wehmütig bin ich aber überhaupt nicht. Alles im Leben hat seine Zeit - und das ist auch richtig so."

SZ: Herr Arndt, sind die Schüler von heute ehrgeiziger als früher?

Henning Arndt: Sie sind wesentlich ehrgeiziger, auch die Zehntklässler sind beispielsweise bei ihrer Fächerwahl schon sehr kritisch. Noten, die man bekommt, sind viel wichtiger als früher, als ich Schüler war. Zumindest ist das mein Empfinden.

Bleibt da auch etwas auf der Strecke?

Ich denke schon. Der Erfolg steht zu sehr im Fokus. Aber die Schüler von heute genießen ihr Leben trotzdem, die nehmen das schon noch mit.

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Wo Henning Arndt heute arbeitet, da war er früher selbst Schüler.   Von Gudrun Regelein

Die Zahl der Einserabiturienten zumindest hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Liegt das daran, dass sie klüger oder strebsamer sind - oder daran, dass das Abitur einfacher geworden ist?

Strebsamer sind sie auf jeden Fall geworden. Ob das Abi leichter geworden ist, wie immer wieder behauptet wird, kann ich nicht beurteilen. Bei Mathe kann man es nicht vergleichen, Mathe muss heute von allen geschrieben werden - früher dagegen nur von den Schülern mit Leistungs- oder Grundkurs. Heute sind ja Mathe, Deutsch und die Fremdsprachen die großen Prüfungen, das bedeutet, dass alle Abiturienten zu 60 Prozent die gleichen Anforderungen haben.

In Bayern gibt es vom dem kommenden Schuljahr an wieder das G9. Sind die Vorbereitungen am Joho abgeschlossen?

Organisatorisch ja, davon gehe ich zumindest aus. Das Haus war bereits ein G9-Haus. Insofern verändert sich nicht viel für uns, beispielsweise hinsichtlich der notwendigen Zahl an Unterrichtsräumen. Inhaltlich aber können die Vorbereitungen noch gar nicht abgeschlossen sein, da das G9 ja erst beginnt, jetzt geht erst die fünften Klassen ins G9.

Viel musste also nicht organisiert werden?

Eigentlich nicht. Die meisten Lehrer kennen ja bereits das G9. Es gibt zwar neue Schulbücher, aber neu überarbeite Bücher und Lehrinhalte bekommen wir Lehrer schon immer in regelmäßigen Abständen. Es wird zwar zukünftig möglich sein, eine Klasse zu überspringen und nach acht Jahren Abitur zu machen. Aber dafür gibt es bereits Strukturen. Ich sehe das gelassen, es wird - wie immer - alles laufen.

Ist das neue das alte G9?

Ich glaube nicht, dass es das alte Konzept sein wird: Die Welt hat sich auch weiterentwickelt. Ich habe die Oberstufe im Fokus, dort will man alle Fächer behalten. Planen kann man aber noch nicht wirklich. Früher, im alten G9, gab es ein rein bayerisches Abitur, jetzt im G8 einen länderübergreifenden Ansatz. Den will man auch erhalten. Die Neuregelung der Anforderungen für ein bundesweit vergleichbares Abitur steht aber noch aus. Aber das alles ist noch nicht aktuell, sondern wird es erst sein, wenn die Fünftklässler in die Oberstufe kommen - also in fünf Jahren. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits.

Sie sind seit zehn Jahren Oberstufenkoordinator: Weshalb macht man diesen Job?

Das ist eine der beliebtesten Stellen. Die Arbeit ist schön, die Wertigkeit sehr hoch. Ich mache diesen Job sehr gerne, der aus zwei Drittel Lehrer und ein Drittel Verwaltung besteht.

Mit welchen Themen kommen die Schüler zu Ihnen?

Oft geht es um die Noten. Ansonsten um alle möglichen andere Themen wie Studienfahrt, manchmal geht es auch um etwas Persönliches. Es gab auch schon Fälle, wo wir mit Schülern gemeinsam zu einer Beratungsstelle gegangen sind, da eine intensivere Betreuung notwendig war.

Sind Sie für die Schüler so eine Art Papa?

Nein, das ist keine Vater-Kind-Beziehung. Ich denke auch nicht, dass ein partnerschaftliches Verhältnis Sinn macht, ich sieze beispielsweise meine Schüler. Wichtig ist uns - meiner Kollegin Bettina Lohs und mir - aber, dass wir immer ansprechbar sind. Und dass die Schüler wissen, dass das, was hier besprochen wird, auch hier bleibt. Ich habe schon das Gefühl, dass die Schüler es bei uns als ehrlich erleben und offen reden. Auch wenn ihnen klar ist, dass ich nicht nur zum Kuscheln da bin, sondern ihnen auch mal auf die Füße steige.

Wie viele Abiturienten haben Sie schon bis zum Abitur begleitet?

Im Schnitt 100 pro Jahrgang, also insgesamt etwa 1000.

Ist man dann auch stolz, wenn das Abi vorbei ist und es - fast - alle geschafft haben?

Schon. Die Abi-Verabschiedung ist für meine Kollegin und mich immer ein Highlight. Wir sind immer froh, wenn alles gut gelaufen ist und trinken dann auch ein Gläschen zusammen. Am Montag darauf beginnt dann allerdings schon wieder die Kursplanung für das neue Schuljahr.

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