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Notlage überbrücken:Helferkreis organisiert Reis und Nudeln

Am Freitag kommen überraschend 30 Flüchtlinge in der Zollinger Gemeinschaftsunterkunft an. Sie haben kein Geld, um sich Nahrungsmittel kaufen zu können. Ehrenamtliche unterstützen sie

Von Katharina Aurich, Zolling

Weitere 30 Flüchtlinge sind an diesem Freitag in die Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Oberbayern nach Zolling gekommen. Damit ist nun etwa die Hälfte der 150 Plätze belegt. Da einige der Ankömmlinge über kein Bargeld verfügten und das Landratsamt, wo sie normalerweise Geld erhalten, geschlossen hatte, spendeten die Mitglieder des Helferkreises Nudeln und Reis, damit die Menschen am Wochenende etwas zum Essen hatten.

Diese Notlage wurde pragmatisch überbrückt, das weitaus größere Problem ist das Fehlen eines Sozialarbeiters zur Betreuung der Flüchtlinge - und das nicht nur in Zolling, sondern auch in den Gemeinschaftsunterkünften in Langenbach und Moosburg. Die Diakonie Freising wollte eine Stelle für einen Sozialarbeiter für die Zollinger Unterkunft schaffen, das zuständige Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, das finanzielle Mittel für solche Stellen bereit hält, hätte aber nur 80 Prozent der Personalkosten und keine Sachkosten übernommen. "Das können wir nicht machen", erklärt Beate Drobniak, die sehr bedauert, die Flüchtlinge aufgrund dieser Restriktionen des Ministeriums nicht unterstützen zu können.

Warum die Flüchtlinge am Freitag in die Unterkunft geschickt wurden und nichts zum Essen hatten, dazu könne die Pressestelle der Regierung von Oberbayern innerhalb eines Tages keine Auskunft geben, wie es aus der Behörde hieß. Für die Einstellung von Sozialarbeitern sei man nicht zuständig, betonte die Regierung allerdings zum wiederholten Male. Genau das hatte jedoch die Vertreterin der Regierung, Esther Aderhold, während eines Informationstreffens für Bürger im vergangenen November in Zolling zugesagt und damit auch die Gemeinderäte überzeugt, dem Bau einer Unterkunft mit 150 Plätzen zuzustimmen. Für Zolling war sogar von einem Securitydienst rund um die Uhr die Rede.

Im Moment übernehmen nun die Verwaltungsleiter der Unterkünfte und die ehrenamtlichen Helfer die Verantwortung für die Flüchtlinge in Moosburg, Langenbach und Zolling und die Rathauschefs sind zunehmend empört. "Es ist nicht mehr hinnehmbar, dass sich in den Unterkünften kein Sozialarbeiter um die Probleme der Flüchtlinge kümmert, sondern dies komplett den Ehrenamtlichen aufgebürdet wird", kritisiert Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt. So könne es nicht weitergehen, aber die Kommunen hätten keinerlei Handhabe, etwas zu ändern, sondern würden von der Regierung vor vollendete Tatsachen gestellt, schimpft die Rathauschefin verärgert.

Mit Schreiben an die Regierung von Oberbayern sowie über den Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer versucht Zollings Bürgermeister Max Riegler einen Sozialarbeiter für die Gemeinschaftsunterkunft in Zolling zu bekommen, denn ohne eine solche Fachkraft, die beispielsweise auch traumatisierte Menschen erkennt und unterstützt, "geht das Ganze nicht gut", sagt er überzeugt. Glücklicherweise funktionieren die Strukturen der Helferkreise und die Unterstützer vernetzen sich untereinander. Sie versuchten, den Geflüchteten ihren Alltag zu erleichtern, sagen Riegler, Meinelt und Susanne Hoyer aus Langenbach unisono.

In Zolling gehört Marlene Toth zum Helferkreis, auch sie brachte Nahrungsmittel in der Unterkunft vorbei und ist vom Engagement des Verwaltungsleiters Helmut Stueckler angetan, der so gut er es schaffe, die Aufgaben eines Sozialarbeiters mit übernehme und selbst am Sonntag noch bis 22.30 Uhr vor Ort war. An diesem Montag kamen weitere 30 Bewohner nach Zolling. Die Stimmung sei gut in der Einrichtung, berichten die Mitglieder des Helferkreises. Auf einen Sozialarbeiter und damit auf fachliches Knowhow müssen die Flüchtlinge und ihre Unterstützer vermutlich noch eine Weile warten.

© SZ vom 19.07.2016

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