NotfallversorgungDie Hallertau will Mainburger Krankenhaus erhalten

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Für Patientinnen und Patienten aus dem nördlichen Landkreis könnte die Fahrt mit dem Notarzt zu nächsten Klinikum künftig länger dauern.
Für Patientinnen und Patienten aus dem nördlichen Landkreis könnte die Fahrt mit dem Notarzt zu nächsten Klinikum künftig länger dauern. (Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Klinik im Landkreis Kelheim soll infolge von Sparmaßnahmen zu einem Gesundheitszentrum herabgestuft werden. Die nördlichen Gemeinden im Landkreis Freising fürchten um die Versorgung ihrer Bürger in dringenden Notfällen. Sie kämpfen mit einer Unterschriftenaktion um den Erhalt der Notaufnahme.

Von Peter Becker, Freising

Der nördliche Landkreis Freising fürchtet, von der Versorgung bei medizinischen Notfällen abgeschnitten zu werden. Hintergrund ist die angespannte finanzielle Lage von sechs Krankenhäusern in Ingolstadt und den benachbarten Landkreisen. Diese haben im vergangenen Jahr ein Defizit von etwa 75 Millionen Euro eingefahren.

Um Kosten zu sparen, hat eine Beratungsfirma vorgeschlagen, das Mainburger Klinikum zu einem ambulanten Gesundheitszentrum herabzustufen. Das Krankenhaus ist aufgrund seiner zentralen Lage Anlaufstelle für medizinische Notfälle in der Hallertau. Betroffene Menschen im nördlichen Landkreis Freising und dem südlichen Landkreis Kelheim haben sich zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für den Erhalt des Mainburger Klinikums einzusetzen.

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Etwa 43 000 Menschen leben im Einzugsgebiet des Krankenhauses. Auf die mag es wie ein Schock gewirkt haben, dass ein Beratungsunternehmen vorgeschlagen hat, dieses zu einem Gesundheitszentrum abzustufen. Das Gutachten empfiehlt den sechs Krankenhäusern, in einem Verbund zusammenzuarbeiten. Im Mittelpunkt sollte das Ingolstädter Klinikum als Schwerpunktversorger stehen, dem aus den Krankenhäusern in Pfaffenhofen, Eichstätt und Schrobenhausen Patientinnen und Patienten zugewiesen werden sollen.

Das Gutachten empfiehlt, die Kliniken in regionale Gesundheitszentren abzustufen.

Die Kliniken in Kösching und Mainburg seien dagegen verzichtbar. Das Gutachten empfiehlt, sie in regionale Gesundheitszentren abzustufen. Das bedeutet wiederum, dass an diesen beiden Standorten die Notaufnahmen entfallen. Bekannt wurde die schlechte Nachricht im Januar. Seitdem hat sich Widerstand gegen diese Entscheidung formiert. Es gründete sich die Initiative "Rettet das Mainburger Krankenhaus", die eine Unterschriftenaktion startete. Laut Attenkirchens Bürgermeister Mathias Kern haben "schon etwa 27 000 Leute unterschrieben". Zweck ist, dass zumindest die Notaufnahme erhalten bleiben soll.

Auf Antrag der Freien Wähler hat jetzt der Auer Marktgemeinderat eine Resolution zum Erhalt der Klinik beschlossen. Darin appelliert er an den Kelheimer Kreistag, das Mainburger Krankenhaus als vollwertige Akutklinik zu erhalten. "Die ganze oder auch teilweise Schließung würde zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde Au i. d. Hallertau wie auch der Nachbargemeinden im nördlichen Landkreis Freising führen", heißt es in der Resolution.

Nandlstadts Bürgermeister Gerhard Betz ist selber Rettungssanitäter. Er fürchtet eine gesundheitliche Unterversorgung der Hallertau, wenn die Notaufnahme in Mainburg schließen würde.
Nandlstadts Bürgermeister Gerhard Betz ist selber Rettungssanitäter. Er fürchtet eine gesundheitliche Unterversorgung der Hallertau, wenn die Notaufnahme in Mainburg schließen würde. (Foto: Marco Einfeldt)

Ob sich dadurch der Kelheimer Kreistag in seiner Entscheidung beeinflussen lässt, daran hegt Nandlstadts Bürgermeister Gerhard Betz leise Zweifel. "Ich bin Fan des Mainburger Krankenhauses", bekennt er. Erfahren hat er von der beabsichtigten Herabstufung des Klinikums durch eine Bekannte, die dort arbeitet. Betz, selbst Rettungssanitäter, schloss sich mit Gemeinderat Franz Asbeck aus Au kurz. Beide ließen Unterschriftenlisten in den Geschäften auslegen und Banner in ihren Gemeinden aufhängen. Die Bürgermeister in den nördlichen Gemeinden des Landkreises rückten eng zusammen. Betz hat den Eindruck, dass diese wachsamer seien als ihre Amtskollegen aus dem südlichen Nachbarlandkreis Kelheim.

Weitere Wege für die Rettungswagen wären die Folge

Als Sanitäter fürchtet Betz, dass das Rettungswesen in der Hallertau durch die Herabstufung des Mainburger Krankenhauses weiter ausgedünnt wird. Die Hallertau ist mit Standorten von Rettungswagen nicht gerade gesegnet. Da kann es passieren, dass der Wagen aus Nandlstadt gerade zu einem Notfall unterwegs ist, während der aus Geisenfeld eine Patientin oder einen Patienten zu einem Krankenhaus fährt. Bislang wäre das auf kurzem Weg vielleicht Mainburg gewesen. Der Rettungswagen würde bald wieder zur Verfügung stehen. Künftig führten Krankentransporte vielleicht nach Ingolstadt oder Regensburg. Die Wagen wären entsprechend länger unterwegs. Und zur Patientin in Nandlstadt käme dann ein Einsatzteam aus Manching oder Wolnzach.

Vergangenen Freitag beriet der Kelheimer Kreistag erneut über das Schicksal des Mainburger Klinikums. Grundlage soll weiter der Vorschlag des Beratungsunternehmens sein. Es soll aber geprüft werden, ob die stationäre Notaufnahme nicht doch erhalten bleiben kann. Alternativ gibt es den Vorschlag, in der Mitte des Landkreises Kelheim ein neues Krankenhaus zu bauen. "Schwachsinn", urteilt Betz. Das sei realitätsfremd. So ein neues Krankenhaus koste einen dreistelligen Millionenbetrag.

Indes hat Martin Neumayer, Landrat des Landkreises Kelheim, im Zusammenhang mit dem Mainburger Krankenhaus das Gespräch mit seinem Freisinger Amtskollegen Helmut Petz gesucht. Dabei seien mögliche Kooperationen zwischen den Kliniken in Freising und Mainburg erörtert worden, heißt es in einer Presseerklärung des Freisinger Landratsamts.

Ohne Kooperationen mit den kommunalen Nachbarn wird es nicht gehen

In einem Schreiben hatte Petz die Ergebnisse des Gesprächs mit seinem Amtskollegen noch einmal zusammengefasst. Er unterstütze die Politik im Nachbarlandkreis, das Mainburger Klinikum im Interesse einer wohnortnahen medizinischen Versorgung zu erhalten. "Konkret sehe ich auch eine Verantwortung des Landkreises Freising für die Sicherstellung einer guten notfallmedizinischen Versorgung für die im nördlichen Teil unseres Landkreises lebenden Menschen", schreibt Petz. Dazu gehören Rudelzhausen, Au, Nandlstadt, Attenkirchen, Mauern, Hörgertshausen und Gammelsdorf. "Sollte das Klinikum Mainburg nicht fortexistieren, wäre ein ganzer Landstrich ohne wohnortnahe Notfallversorgung."

In der derzeitigen Krankenhauslandschaft gehe es nicht ohne Kooperationen mit den kommunalen Nachbarn. Unter dem Motto "kooperieren statt konkurrieren" gebe es deshalb seit Längerem auch mit anderen Kliniken Kooperationsgespräche. Er sei grundsätzlich bereit, bei der Bestandssicherung des Mainburger Klinikums und insbesondere zum Fortbestand der dortigen Notfallversorgung mitzuwirken. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass dies auch der Wille der Freisinger Kreispolitik und des Klinikums sei. "In welcher Weise wir das Klinikum Mainburg unterstützen und die klinische Versorgung in der gesamten Hallertau sicherstellen können", könne man derzeit nicht beurteilen, stellt Petz fest. Es gebe Ideen, deren Belastbarkeit aber noch genauer zu untersuchen wäre.

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