Süddeutsche Zeitung

Noch bis 22. Januar:Schäftlarner Künstlerin stellt am Flughafen aus

Die Betreibergesellschaft möchte den Raum im Terminal 2 eigentlich vermieten, Kunst ist nur eine Zwischennutzung

Von s Angie Fuch, Flughafen

Ob stürmisch oder sanft, kraftvoll oder melancholisch: Wasser und Wolken stehen im Mittelpunkt der Ausstellung "Into the Blue" von Liz Walinski, die derzeit am Flughafen in Terminal 2 zu sehen ist. Wolken können zum Träumen einladen, aber auch eine bedrohliche Stimmung erzeugen, lustige Formen annehmen oder Unwetter ankündigen - auf jeden Fall stehen sie nie still. Für Liz Walinski sind sie eine große Inspiration. In ihren Öl-Gemälden hat die Künstlerin zahlreiche Stimmungen eingefangen. Gerade in ihrer Reihe "Erinnerungswolke" zeigt sie das breite Spektrum an Gefühlen, die von Wolkenkonstellationen erzeugt werden können: Wirkt das ein Werk durch seine dunkel-lila Töne bedrohlich, fühlt man sich von einem anderen an eine romantische Spiegelung des Himmels in einem Seerosenteich erinnert. Das Werk "Horizont" zeigt einen aufgewühlten Wolkenhimmel und roten Schein am Horizont - ein Zeichen für Gefahr? Oder Hoffnung? Überall würden diese kraftvollen Werke den Betrachter anrühren, seine Gedanken in Richtung Sturm, Chaos oder Ruhe leiten. Doch wo könnten sie dies besser als an einem Flughafen? "Wenn es einen perfekten Ort dafür gibt, dann den", findet Liz Walinski.

An der Ludwig Maximilians Universität hat sie Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Ethnologie studiert. Die größtenteils in Deutschland aufgewachsene Amerikanerin lebt mittlerweile in Hohenschäftlarn. Die Natur dort, "die Phänomene im Voralpenland", begeistern sie. So auch die Isar, ihr "Heimatfluss", wie sie sagt. Hier entstanden zahlreich Cyanotypien, also Blaudrucke, die einen zentralen Teil ihrer Arbeit und auch der Ausstellung im Terminal 2 ausmachen. Alle Werke strahlen Dynamik aus, manchmal erinnern sie an einen Vulkanausbruch, manchmal an einen Wasserfall. "Dies ist eigentlich ein fotografisches Verfahren, das mit Beginn der Fotografie entstanden ist", erklärt sie. Die Sonne belichtet, Wasser beendet den Belichtungsprozess. Wichtig ist daher natürlich auch Ort und (Jahres-)Zeit für das Werk - deshalb hat sie auf der Cyanotypie-Reihe "Tableau" auch immer die Geo-Koordinaten angegeben. Die Motive entstehen durch das Fließen des Flusses, Sand und Steine kommen ebenfalls zum Einsatz. Ihr Ziel war, "den Fluss sich selber abbilden zu lassen", kein Foto zu machen.

Im Terminal 2 sieht man schon im Vorbeigehen die Werke durch eine große Glasfront, die Türen stehen offen. Liz Walinski sieht im Ausstellungsort am Flughafen eine große Chance: "So können auch Leute meine Arbeiten sehen, die sonst vielleicht nicht in eine Ausstellung gehen würden." Walinski hat schon viel positives Feedback bekommen. Eine kleine Umstellung sei es aber schon: Komme man mit den Besuchern bei einer Ausstellung persönlich ins Gespräch, erhalte sie derzeit die Rückmeldungen eher per E-Mail. Das Konzept scheint also gelungen: Ein Ausstellungsraum nahe dem Check-in Bereich, Menschen, die auf ihren Flieger warten, können sich die Zeit mit Kunst versüßen. Einige Sitzgelegenheiten, Grünpflanzen beleben das noch etwas kahle Gesamtbild. Doch während im Check-in Bereich in der großen Halle auch Kunst zu sehen ist, ist dieser Raum nicht auf Dauer für Ausstellungen gedacht. Vielmehr handle es sich um eine "temporäre Galerie", erklärt Andreas Bail, Referent für Vermietung und Vermarktung bei der Terminal 2-Gesellschaft, einer FMG-Tochter. Um eine zugeklebte Fassade nach dem Auszug eines Presse-und-Buch-Geschäfts zu vermeiden, biete man seit Mai 2016 Künstlern eine Ausstellungsfläche. Doch eigentlich sei es im Interesses der Terminal 2-Gesellschaft, die Räume wieder "kommerziell zu vermieten", erklärt er, stellt aber in Aussicht, dass auch andere temporär leer stehende Läden übergangsweise Ausstellungsraum werden. "Into the Blue" ist bis Sonntag, 22. Januar 2017 am Flughafen München, Terminal 2, Level 04, im Check-in Bereich zu sehen. Anschließend stellt dort Ilana Lewitan aus.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3336634
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 18.01.2017
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.