Sitzung vor großer Kulisse in Freising:Neustifter "Erdbeerfeld" wird bebaut

Sitzung vor großer Kulisse in Freising: Mit Skepsis betrachten Kurt Dittrich (von links), Georg Brunner und Michael Stockwald die Infotafel der Stadt Freising zur Bebauung des "Erdbeerfelds" in Neustift. Die Anwohner haben Einwände gegen das Projekt.

Mit Skepsis betrachten Kurt Dittrich (von links), Georg Brunner und Michael Stockwald die Infotafel der Stadt Freising zur Bebauung des "Erdbeerfelds" in Neustift. Die Anwohner haben Einwände gegen das Projekt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mehrheit im Planungsausschuss stimmt für Aufstellung eines Bebauungsplans und für ein beschleunigtes Verfahren

Von Kerstin Vogel, Freising

Vor großer Kulisse hat sich der Planungsausschuss des Freisinger Stadtrats am Mittwoch mit den Plänen für die Bebauung des ehemaligen "Erdbeerfeldes" in Neustift befasst. Die Stadt will auf der 16000 Quadratmeter großen Fläche bekanntlich erstmals ein Projekt nach ihrem neuen kooperativen Wohnbaumodell umsetzen, das heißt unter anderem, dass 30 Prozent als geförderter Wohnraum entstehen müssen und der Investor an Erschließungs- und Planungskosten beteiligt ist. Von 180 neuen Wohnungen in bis zu fünfstöckigem Geschosswohnungsbau war bei einer vorgezogenen Information der Anwohner zunächst die Rede gewesen, was umgehend zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen das Projekt geführt hatte.

Gut 100 Anlieger waren in die Luitpoldhalle gekommen, um ihren Protest gegen das Vorhaben sichtbar zu machen. Gleichwohl wurde am Ende die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen - in dem beschleunigten Verfahren, das von den Bürgern vorab ebenfalls kritisiert worden war.

Ein ums andere Mal hatte die Stadtverwaltung zuvor versichert, dass dieses Verfahren nicht bedeute, dass die Anwohner nicht einbezogen würden. Es gehe lediglich um eine Vereinfachung, so könne unter anderem beispielsweise die aufwändige Umweltprüfung weggelassen werden, wie Stadtjurist Gerhard Koch erklärte. Auch alle bereits eingegangenen Einwände würden beantwortet, versicherte Stadtbaumeisterin Barbara Schelle. Auf einige Bedenken habe man bereits reagiert und zumindest auf die ursprünglich geplanten fünfstöckigen Gebäude verzichtet - in der Sitzung war auch nur noch von 170 neuen Wohnungen die Rede.

Doch es ist nicht nur die optische Verdichtung, die den Neustiftern Sorge bereitet. Sie kritisieren die Pläne vor allem auch, weil sie ihren Stadtteil in verkehrstechnischer Hinsicht nicht gerüstet sehen für ein so großes Wohnviertel. Eine von der Firma Schlothauer/Wauer bereits angestellte Potenzialabschätzung, die in der Sitzung vorgestellt wurde und zu dem Schluss kam, dass aus verkehrlicher Sicht nichts gegen das Projekt spreche, wurde nicht nur von den Zuhörern mit ungläubigem Protest zur Kenntnis genommen. Grünen-Stadtrat Werner Habermeyer kritisierte, dass den Fraktionen diese Analyse nicht vorab vorgelegt worden sei. So etwas wolle man schon sorgfältig bewerten, sagte er, "was ich da jetzt an Prognosen gehört habe, muss ich erst einmal sacken lassen". Auch Robert Weller (FW) äußerte Zweifel an den genannten Verkehrszahlen, während Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher beschwichtigte, dass es sich ja noch gar nicht um ein Verkehrsgutachten, sondern lediglich um eine erste Abschätzung gehandelt habe.

Überhaupt stehe man noch ganz am Anfang des ganzen Verfahrens,unterstrich dann auch CSU-Stadtrat Rudi Schwaiger, der angesichts der Debatte von einem "Schaulaufen" der Stadträte sprach. Es gehe doch um die Frage, ob man einen Bebauungsplan aufstellen wolle oder nicht. Tue man das nicht, könne in Neustift nicht gebaut werden. Stimme man dafür, gelte es weiter zu entscheiden, ob man das beschleunigte oder das normale Verfahren wähle, das zuvor Grünen-Stadträtin Charlotte Reitsam unter dem Beifall der Zuhörer beantragt hatte. Bei den Regelverfahren sei ein Vorentwurf mit verschiedenen Alternativen vorgesehen, hatte sie argumentiert. Dann wisse man genau, was gebaut werden solle - "und vielleicht hätte man sich die ganze Aufregung damit sparen können".

Eine Mehrheit fand sie mit diesem Antrag am Ende nicht, er wurde mit 8:6 Stimmen abgelehnt, bevor der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung auf Durchführung eines beschleunigten Verfahrens dann mit 10:4 Stimmen angenommen wurde.

© SZ vom 29.07.2021/beb
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