Als die anderen längst beim Pizzaessen sind, legt ein Geschwister-Paar aus dem Neufahrner Süden erst richtig los. Ob man denn im Rathaus schon mal darüber nachgedacht habe, den Ampeltakt an der Hauptkreuzung zu verändern? Dann käme es zum Stau, aber in der Folge würden Lastwagen-Fahrer auf der Flucht vor der Maut dann Neufahrn doch lieber meiden. Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) nickt und macht sich eine Notiz. Und wäre es nicht besser, auf den Ortsbus teilweise zu verzichten und lieber die wichtige Verbindung nach Garching am Wochenende auszubauen?
Mit einer ganze DINA4-Seite voller Anregungen haben sich die beiden Teenager vor dem Rathauschef postiert - und mit der Abschrift eines arabischen Schriftzugs: An der Fassade der Moschee im Neufahrner Norden stehe, dass nur Allah anbetungswürdig sei, sagt der 14-jährige Bub. Nicht dass er ein Problem mit Moslems hätte, "aber ich würde auch nicht wollen, dass das Vater Unser an die katholische Kirche geschrieben wird".
Die Diskussion mit dem studierten Theologen Heilmeier über Religionsfreiheit und ihre Grenzen macht dem Realschüler sichtlich Spaß. Der Bürgermeister hätte sich bei seiner zweiten Jugendversammlung im Juz wohl noch mehr solche Dialoge gewünscht. Gut 1400 Einladungen hatte die Gemeinde verschickt. An die 70 Kinder und Jugendliche sind dann gekommen und haben sich in vier Gruppen mit dem Bürgermeister, Jugendreferentin Ulla Schablitzki (SPD), Juz-Leiterin Ulrike Thalmeier und Jolanta Dederer von der mobilen Sozialarbeit Gedanken über ihren Ort gemacht.
Als ein größeres Thema erwies sich dabei zum Beispiel der Wunsch nach einer Fläche für "legales Graffiti-Sprayen". Es gebe Leute, die sich auch schon in Schul-Arbeitsgruppen damit befasst hätten, erzählte ein Teilnehmer, "wir wollen ja nicht mit Strich-Männchen anfangen".
Eine Art Renovierung würden sich die Jugendlichen für den Bolzplatz am Hochhaus wünschen. Der Skaterpark ist ebenfalls weiter ein wichtiger Treffpunkt - auch wegen des Basketballplatzes. Auf Anregungen bei der Jugendversammlung im Sommer wurde das Spielfeld mittlerweile verbessert, etwa durch einen zusätzlichen Korb. Aber auch eine Beleuchtung wäre nicht schlecht, hieß es nun. Denn gespielt werde nicht nur in der warmen Jahreszeit, und dann sei es am Spätnachmittag eben schon dunkel.
Heilmeier versprach, das mal im Rathaus zu besprechen. Weniger Chancen wird dagegen der Vorschlag haben, im Freizeitbad "Neufun" auch eine Rutsche ins große Becken zu installieren. Viele Leute würden an dem Bad eben schätzen, dass man dort auch in Ruhe seine Bahnen schwimmen könne, gab der Bürgermeister zu bedenken.
Applaus gab es für den Vorschlag aus einem Arbeitskreis, noch mehr "Hotspots" einzurichten. Zumindest gibt es das kostenlos Wlan aber mittlerweile auf dem Marktplatz, in Bücherei und Rathaus und im Jugendzentrum. Als gar nicht so einfach erwies es sich, die Themen auch im Plenum zu besprechen. Manche mögen da schon in Richtung Pizza geschielt haben und waren schon nicht mehr ganz so interessiert an der Versammlung. Möglicherweise war das Publikum aber teilweise doch auch etwas jung: Eingeladen waren Neufahrner von zwölf Jahren an. Eventuell sollte man das Mindestalter doch wieder auf 14 Jahre heraufsetzen, überlegte Jugendreferentin Ulla Schablitzki am Ende.
