Radfahren in Neufahrn soll froh machen: Auf dieses schlichte Ziel zielt das Neufahrner Fahrradkonzept ab, das der Gemeinderat kürzlich beschlossen hat. Wer aktuell einmal zu Berufsverkehrszeiten mit dem Rad auf der Bahnhofstraße unterwegs ist, weiß, dass das ein Stück Arbeit wird.
2018 hat die Gemeinde Neufahrn beschlossen, der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) beizutreten, im November 2019 gab man dazu ein Radverkehrskonzept bei dem Planungsbüro "Institut für innovative Städte" in Auftrag. Eingebunden in die Konzeptfindung war eine Steuerungsgruppe, in der auch örtliche Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) saßen. In der Folge führten die Planer eine Stärken-Schwächen-Analyse durch und stellten einen langfristigen Maßnahmenkatalog für die nächsten 20 Jahre zusammen, der alles in allem ein Finanzvolumen von gut 26 Millionen Euro hat. Mit dem Votum für das Konzept freilich muss noch kein Geld fließen, außerdem sollen sämtliche staatlichen Förderprogramme abgeschöpft werden, was die Kosten laut Gutachten um etwa 40 Prozent senken würde. Thiemo Graf, der Geschäftsführer des "Instituts für innovative Städte", sprach jüngst im Gemeinderat von sechs Millionen Euro, die im Gesamtzeitraum auf die Gemeinde Neufahrn entfallen würden.
In der Bestandsanalyse stellten die Verkehrsplaner fest, dass es in Neufahrn nur sehr wenige Radverkehrsanlagen, sprich Radwege und Radstreifen, gibt. Ein großes Problemfeld ist die Bahnhofstraße mit ihren ein- und ausparkenden Autos, außerdem fehlen im ganzen Ort Querungshilfen für Radelnde an Bahnlinie und großen Straßen. Für die Bahnhofstraße ist ein Umbau nötig, ansonsten sieht das Konzept neue Radwege und Fahrradstraßen vor, auf denen Autos zugelassen sein können, wenn sie nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren. Auch die Fahrrad-Abstellanlagen am Bahnhof aus dem Jahr 1972 werten die Gutachter als unattraktiv.
Hier könnte sich in Bälde etwas ändern, denn bei der gleichen Sitzung hat der Neufahrner Gemeinderat entschieden, sich für das Bundesförderprogramm "Bike & Ride-Offensive" zu bewerben, das - aufstockende Landesmittel inklusive - Zuschüsse von bis zu 90 Prozent verspricht. Statt der derzeit 466 Radstellplätze am Bahnhof sollen es 564 werden, dafür stellen sich die Planer moderne und vom ADFC zertifizierte Fahrradständer vor, überdacht, beleuchtet und mit Witterungsschutz. Allerdings muss die Gemeindeverwaltung schnell sein: Zumindest die zusätzlichen 30 Prozent Landesmittel gibt es nur bei Antragstellung bis zum 31. Dezember 2021. Die Kosten liegen geschätzt bei 670 000 Euro, was einen Anteil von 67 000 Euro für die Gemeinde bedeuten würde.
Gleich für das nächste Jahr schlägt das Konzept folgende Maßnahmen vor: eine Fahrradstraße in der Massenhausener Straße nördlich der Bahnlinie, die Asphaltierung einer Route nach Dietersheim und die Planung eines Radwegs zwischen Neufahrn Ost und Mintraching; die Umsetzung aber soll später folgen. Außerdem soll der Radweg nach Massenhausen ausgebessert und beleuchtet werden und besagter Umbau der Fahrradständer am Bahnhof kommen.
